Der Luttensee-Lift im Kranzberg-Skigebiet in Mittenwald
+
Tristesse auf dem Kranzberg: Die Skilifte stehen, die Bügel sind ausgehängt, weit und breit keine Skifahrer. Und ein Ende dieser Seuchensaison ist zum Bedauern von Liftbetreiber Klaus Wurmer nicht in Sicht.

Sorgen eines Mittenwalder Liftbetreibers

Stillstand – und kein Ende: Bangen und Hoffen am Kranzberg

  • vonChristof Schnürer
    schließen

Tristesse pur herrscht am Mittenwalder Kranzberg. Von Skiparadies kann aufgrund der Corona-Zwangspause momentan nicht die Rede sein. Die Betreiber hoffen auf ein klares Zeichen von der Politik.

Mittenwald – Das Freitagswetter passt zur Stimmung auf dem Kranzberg: Regen, unangenehm kalter Januar-Regen lässt einen frösteln. Am traurigsten allerdings ist am Luttensee der Blick hinüber zum Skilift. Totenstille herrscht dort. Die Anlage steht, die Schleppbügel sind ausgehängt, die Schneekanonen laufen schon lange nicht mehr. „Die vergangenen vier Wochen haben wir nicht mehr beschneit“, erzählt Liftbetreiber Klaus Wurmer. Warum auch? In Zeiten des verschärften Corona-Lockdowns darf ja ohnehin keiner am Kassenhäuschen eine Tageskarte lösen, geschweige denn im Rudel auf den Pisten runter wedeln – alles verboten bis mindestens 15. Februar.

Uns wäre recht, wenn die Politik mal die Karten auf den Tisch legen würde. Dann wüsste ich, wie ich dran bin.

Liftbetreiber Klaus Wurmer

Bis dahin heißt es für die krisen-erprobte Familie Wurmer: abwarten. „Uns wäre recht, wenn die Politik mal die Karten auf den Tisch legen würde“, meint Klaus Wurmer. „Dann wüsste ich, wie ich dran bin.“ Seine Leidensgenossen vom Top-Snow-Card-Verband (Zugspitz-Arena Tirol, Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald), mit denen er am Donnerstag erst eine Video-Konferenz führte, werden dem Mann vom Kranzberg da sicherlich beipflichten.

.Was Corona-Opfer Wurmer besonders wurmt: „Ab Januar war’s von den Verhältnissen her perfekt – fast schon Winterwonderland.“ Auf Deutsch gesagt: Dann wäre in normalen Zeiten der Rubel gerollt im Skiparadies auf Mittenwalds Sonnenhang.

Die triste Realität jedoch zwingt Wurmer zum Nichtstun – Stillstand und kein Ende. Immer wieder schaut er Nachrichten in der Hoffnung auf baldige Lockerung der Pandemie-Beschränkungen. „Und ich führe viele Gespräche mit meinem Steuerberater.“ Denn bei wirtschaftlicher Ebbe ist dieses Klientel ein wichtiger Ratgeber.

Die Saison, die keine war

„Es ist eine prekäre Situation.“ Da möchte Klaus Wurmer überhaupt nichts schön reden. Doch Existenzängste plagen ihn noch nicht. Immerhin schüttet der Staat in seinem Fall ja ein kleinwenig das Füllhorn aus.

Doch die Saison, die keine war, ist so oder so gelaufen. Falls der Staat am 15. Februar – Rosenmontag – tatsächlich Grünes Licht geben sollte, steht in den Sternen, ob eine Öffnung an den Lutten- und Wildensee-Liften dann überhaupt noch Sinn macht. Zumal zum einen die Faschingsferien abgesagt sind, zum anderen keine ausländischen Gäste kommen werden. „Für uns ist das eine Katastrophe.“

War der Winter 2019/2020 schon ein Flopp und die Stimmung bei den Wurmers im Keller, so toppt dieses Corona-Seuchenjahr alles. Zu allem Überfluss musste sich der Liftbetreiber vor einigen Monaten noch vor dem Landgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Die Anwälte eines Mädchens, das sich im Januar 2019 auf dem Kranzberg schwer verletzt hatte, klagten auf Schadensersatz (wir berichteten). Wurmer wurde in allen Punkten frei gesprochen. Die Wochen der Unsicherheit sind für ihn Ende September 2020 damit zu Ende gegangen. Doch der Spuk ist offenbar noch nicht vorbei. Dem Vernehmen nach will die Klägerseite eine Wiederaufnahme des Verfahrens vor dem Oberlandesgericht anstrengen.

Wie geht‘s weiter?

Klaus Wurmer ist mittlerweile auch in dieser bedrohlichen Causa ein stückweit abgehärtet. Für ihn zählt momentan nur: Wie geht es jetzt mit meinem Betrieb weiter? Eine Antwort könnten ihm in gut 14 Tagen Merkel, Söder und Co. geben. Das einzige, was die Wurmers erledigen können, ist: „Wir kämpfen, wir machen, wir tun – mehr geht nicht.“

Auch interessant

Kommentare