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Jetzt wird’s ernst am Bahnhofsplatz: Am kommenden Mittwoch wird das Info-Büro geräumt. 

Unrühmliches Ende im Rechtsstreit mit den „Roten“

Zwangsräumung bei der Ersten Skischule Mittenwald! Bürgermeister: „Unschön, aber unvermeidbar“ 

Der Rechtsstreit zwischen der Marktgemeinde und der Ersten Skischule Mittenwald steuert auf sein brisantes Ende zu. 

Mittenwald – Es gibt schönere Termine für einen Bürgermeister, als die Zwangsräumung eines alteingessenen Skiverleihs. „Ich habe so was auch noch nie erleben müssen“, verdeutlicht Adolf Hornsteiner (CSU). Im Falle der Ersten Skischule wird es am Mittwoch, 24. Januar, Realität. Dann klopft um Schlag 8 Uhr die Gerichtsvollzieherin an und wird im Keller des Info-Büros am Bahnhofsplatz, wo die „Roten“ seit über 25 Jahren ihr Depot haben, kurzen Prozess machen – 600 Paar Skier, 1600 Paar Skischuhe, Stöcke und etwa 60 Snowboards werden dann aus dem gemeindeeigenen Haus endgültig verschwinden.

Gesellschaftlicher Sprengstoff: „Blaue“ werden Nachmieter der „Roten“ 

„Das ist unschön“, sagt der Rathauschef – aber aus seiner Sicht unvermeidbar. Die Gegenstände der „Roten“ werden keinesfalls mir nichts dir nichts im Freien landen. „Es wird Sorge dafür getragen, dass das Inventar sicher verwahrt wird“, unterstreicht Hornsteiner. Damit nimmt der langwierige Rechtsstreit zwischen Kommune und Skischule ein unrühmliches Ende. Keinem im Rathaus behagt dieser ultimative Schritt. Birgt dieser doch gesellschaftspolitischen Sprengstoff, zumal dem Vernehmen nach die Skischule Alpenwelt Karwendel die Nachmieterin in dem Gebäude sein soll. Und die „Blauen“ stehen bekanntlich in einem nicht immer reibungslosen Konkurrenzverhältnis zu den „Roten“, um die Beziehung der beiden Betriebe einmal vorsichtig auszudrücken.

Die Aktion am Mittwoch darf also getrost als äußerst delikate Angelegenheit bezeichnet werden. Nicht zuletzt deshalb hat Bürgermeister Hornsteiner, als ihm der Räumungstermin mitgeteilt worden war, den Gemeinderat Mitte Dezember in nicht-öffentlicher Sitzung nochmals gebeten, Farbe zu bekennen. Ihm zufolge soll das Ergebnis einstimmig ausgefallen sein – contra Rote.

„Wir sind tot, wenn wir da raus müssen“

„Wir sind tot, wenn wir da raus müssen“, schwante im Februar 2017 dem Seniorchef vor dem Landgericht München II. Ein Vergleich zwischen beiden Parteien ist vor knapp einem Jahr in München gescheitert. Zwar wäre die Marktgemeinde, die der Ersten Skischule form- und fristgerecht gekündigt hatte, zur Zahlung einer Abfindung (5000 Euro) bereit gewesen. Doch der Forderung der Gegenpartei, die Gemeinde dürfe die nächsten drei bis fünf Jahre das Info-Gebäude nicht an einen Konkurrenten vermieten, wollte der Bürgermeister keinesfalls nachkommen. „Das machen wir nicht mit“, stellte er unmissverständlich klar. Das Landgericht II gab somit der Gemeinde recht. Die „Roten“ gingen in Berufung. Das Oberlandesgericht hat den Einspruch jedoch nicht zugelassen.

Nun also folgt nach dem ganzen Hickhack die Vollstreckung. Der Seniorchef der Roten will gegenüber dem Tagblatt davon nichts wissen. Falls es dazu kommen sollte, überlegt er sich offenbar weitere rechtliche Schritte. Doch in wenigen Tagen müssen er und sein Team wohl oder übel raus aus dem Info-Gebäude.

Parallelen zum Fall Zitzmann

Dieses hatte die Marktgemeinde in den 1980ern errichtet als zentralen Anlaufpunkt für alle Mittenwalder Skischulen. „Diese Zweckbestimmung war nicht von Erfolg gekrönt“, äußert sich der Bürgermeister zurückhaltend und spielt damit wohl auf die atmosphären Störungen an, die es angeblich immer wieder mal gegeben haben soll.

Folge: Die Räume im Parterre stehen seit langem leer. Für kurze Zeit waren darin einmal die Postfiliale beziehungsweise das Standesamt (G7-Rathaus-Umbau) untergebracht. Jetzt fordert die Kommune auch im Keller ihr Recht auf Eigentum ein. Parallelen zum Fall Zitzmann in Garmisch-Partenkirchen drängen sich geradezu auf.

Christof Schnürer/Josef Hornsteiner

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