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Nicht so gut besucht wie üblich: Wegen der kühleren Temperaturen samt Regen kamen weniger Gäste zu den Bauernwochen. 

Fremdenverkehr in der Alpenwelt Karwendel

Isartaler Tourismuszahlen brechen in der zweiten Jahreshälfte ein - das ist der Grund

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Der Tourismus in der Alpenwelt Karwendel ist kein Selbstläufer.Er hängt von vielen Faktoren ab. Das Wetter ist ein Punkt. Viel mehr beschäftigt die Verantwortlichen aber ein anderes Problem.

Oberes Isartal – Es hat sogar gut ausgesehen. Richtig gut. Im ersten halben Jahr 2017 legte die Alpenwelt Karwendel bei den touristischen Zahlen ordentlich zu. Ein dickes Plus bei den Ankünften (4,67 Prozent) und den Übernachtungen (4,25) konnte Sabrina Blandau, die Geschäftsführerin der Isartaler Tourismus-GmbH, verzeichnen. Auch, weil die Region an Ostern und Pfingsten mehr gefragt war als noch 2016. Doch zu früh gefreut: So zufriedenstellend die ersten Monate ausgefallen waren, so ernüchternd waren die folgenden. Die Fremdenverkehrszahlen brachen ein.

Der Schuldige: das Wetter. Besonders geschmerzt haben die kühlen und regnerischen Tage im September – während der eigentlich beliebten Bauernwochen. „Das haben wir gespürt“, betont Blandau. Gäste, die sonst kurzfristig buchten, kamen nicht.

Die GmbH-Geschäftsführerin zieht ein klares Fazit: „Wir haben im zweiten Halbjahr verloren, was wir im ersten gewonnen haben.“ Heißt aber gleichzeitig, dass die schlechteren Zahlen von den guten aufgefangen werden konnten. Das Plus blieb – zwar minimiert – am Ende stehen. Für Blandau gibt es deshalb keinen Grund, Trübsal zu blasen. Vor allem nicht, wenn sie ihren Blick nach Krün richtet. Dort haben bis auf Gerold alle Ortsteile von der Steigerung profitiert. Und das, obwohl „Das Kranzbach“ im Mai drei Wochen geschlossen hatte. Gute Nachrichten gibt es auch für Mittenwald. Wie Rathauschef Adolf Hornsteiner (CSU) bei der Bürgerversammlung mitteilte, schneide die Marktgemeinde mit 108 000 Ankünften wieder so ab wie vor 20 Jahren. Vor dem Online-Boom, vor der sich reduzierenden Aufenthaltsdauer der Urlauber und vor dem Bettenschwund.

Der bereitet Blandau Sorgen. In der Alpenwelt Karwendel konnten seit 2014 3,6 Prozent weniger Betten angeboten werden. Heißt als Rechenbeispiel: Bei einer durchschnittlichen Auslastung von 40 Prozent entsprechen 279 Betten weniger als  40 000 Übernachtungen jährlich.

Das Problemkind im Isartal trägt den Namen Wallgau. In sämtlichen Bereichen: Weniger Ankünfte, weniger Übernachtungen. Alleine 67 Betten (minus 5,41 Prozent) hat die Gemeinde in den vergangenen drei Jahren verloren und ist somit am stärksten davon betroffen. „Wir haben es nicht geschafft zu kompensieren“, sagt Blandau. Betrachtet man die Auslastung, konnte diese wie in den Nachbarorten leicht gesteigert werden.

Der Tourismusverbund ist gefordert. Er muss den Wegfall des Angebots anderweitig auffangen. Eine schwierige Angelegenheit, da die Belegung sehr gut sei. Vor allem in den Sommermonaten. Der Trend setzt sich fort: Der Winter wird schwächer – bedingt durch die Abhängigkeit von Schnee. „Wenn er da ist, funktioniert’s“, betont die Expertin. Wenn nicht, dann bevorzugen die Touristen eher Wellness-Urlaub oder einen Städtetrip. Die Alpenwelt will versuchen, dieser Entwicklung mit Alternativangeboten zu begegnen.

Nicht umsonst begrüßt die Geschäftsführerin das Mittenwalder Vorhaben, den Kranzberg einer Modernisierung zu unterziehen und ihn zum Ganzjahresangebot zu entwickeln. „Aus touristischer Sicht ist das wichtig und zukunftsfähig.“

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