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Das Hotel-Modell in der Nord-Ansicht

Der Traum vom Luxus-Hotel steht auf der Kippe

Mittenwald - Ein Fünf-Sterne-Luxus-Hotel im Zentrum von Mittenwald: Der Bürgermeister knüpft große Hoffnungen an das Millionen-Projekt. Doch die Gegner stören sich an Stil, Größe und Lage der Luxusherberge.

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Adolf Hornsteiner ist ein Lokalpatriot. Seine Heimatverbundenheit trägt der Bürgermeister (CSU) stolz auf der Nase. Das Wort „Mittenwald“ ziert seine Brillenbügel. Und für seine Gemeinde hat sich der 49-Jährige Großes vorgenommen: Ein Fünf-Sterne-Hotel im Zentrum von Mittenwald, gegenüber des Bahnhofs und des Rathauses. Eine Nobelherberge mit 240 Betten, 1300 Quadratmeter Spa-Bereich, einer „Sky-Bar“ auf dem Flachdach und einem Veranstaltungssaal mit 900 Plätzen. Eine Wellness-Oase, „wie es sie im ganzen Oberland noch nicht gibt“, sagt er.

Für Bürgermeister Hornsteiner (auf einer Bürgerversammlung zum Thema Luxus-Hotel) ist das Hotel die Zukunft.

Noch steht allerdings nur ein kleines Modell vor Hornsteiner auf dem Schreibtisch, seine Herzensangelegenheit in Miniaturausgabe. Die Form des Hotels aus Vogelperspektive: Ein M, wie Mittenwald. Ein Name, der einmal Touristen aus der ganzen Welt anlockte. Noch in den 1980ern übernachteten jährlich über eine Million Gäste in dem Ort inmitten des Karwendel- und Wettersteingebirges mit seiner Lüftlmalerei und den berühmten Geigen. Doch seit 1991 bleiben die Gäste aus. Um fast die Hälfte sind die Übernachtungszahlen seither zurückgegangen. Hornsteiner hat Angst, endgültig den Anschluss zu verlieren. Deshalb treibt er das Hotelprojekt voran.

Fünf-Sterne-Gäste wollen doch keinen Blick auf den Bahnhof

Tourismusexperten haben ihm bestätigt, dass ein Angebot in gehobener Klasse fehlt. Der Gemeinderat hat das Vorhaben längst einstimmig abgesegnet. Doch es gibt auch Gegner. Ein Bürgerbegehren könnte Hornsteiners Traum vom Luxushotel noch zerstören.

Für Gegner wie Dietmar Küffler bedeutet der Bau die Zerstörung der Heimat.

Unterschriftenlisten liegen derzeit in Mittenwald aus. „Die Art und architektonische Gestaltung dieses geplanten Gebäudes passen nicht in unseren Heimatort“ steht darauf. Mitinitiator ist Dietmar Küffler. Der ehemalige Mittenwalder Kurreferent betreibt ein Gästehaus. Dieses befindet sich ausgerechnet auf der Nordseite des neuen Hotels. Für Bürgermeister Hornsteiner ganz klar: „Der ist nur aus persönlichen Gründen dagegen.“ Das bestreitet Küffler. Ihm gehe es um seine Heimat. Der gebürtige Braunschweiger lebt seit Jahrzehnten in Mittenwald, hat sich viele Jahre lokalpolitisch engagiert, „und schon viel bewegt“, wie der 61-Jährige selber sagt. Einen „überdimensionierten Betonklotz, der den historischen Ortskern verschandelt“, wolle er in Mittenwald nicht. Das typisch Oberbayerische gehe verloren. Und ein Fünf-Sterne-Gast wolle nicht mit Blick auf den Bahnhof wohnen.

Investor ist "ein Glücksfall" für Mittenwald

Der Bürgermeister kennt diese Bedenken, sie machen ihn wütend. Das Hotel solle zwar direkt neben das Rathaus, berühre aber den historischen Teil von Mittenwald, der rund 200 Meter weiter beginnt, nicht. Hornsteiner breitet eine Reihe von Blättern vor sich aus: Entwürfe von der Fassade. Modern solle sie werden – „jede Zeit hat ihren Baustil“. Wie das Hotel aussehen soll, sei aber noch gar nicht klar. Nur eines weiß Hornsteiner: „Ich will hier meinen Lebensabend verbringen, ohne dass mir Eier hinterhergeworfen werden.“ Er bürgt quasi mit seiner eigenen Person für das Projekt.

Der Bürgermeister kämpft mit harten Mitteln. Sand im Getriebe kann er nicht gebrauchen. Denn inzwischen ist ein Investor gefunden. Rund 45 Millionen Euro soll das Prestige-Objekt kosten. Peter Berrendorf aus Berlin, Manager des IT-Weltkonzerns IBM, will sich des ehrgeizigen Projekts annehmen. „Weitgehend aus Eigenmitteln“ soll es gestemmt werden, wie er bei einer Bürgerversammlung versicherte. 600 Mittenwalder hörten Anfang Dezember zu, Berrendorf war via Internet zugeschaltet. Persönlich hatte es der Investor nicht geschafft. Der Bürgermeister glaubt jedoch fest an ihn. Ein seriöses Geldinstitut habe ihm dessen Kreditwürdigkeit bestätigt. „Ein Glücksfall“ sei der Berliner für Mittenwald. Und für den Investor sei nur der Standort am Bahnhof interessant gewesen.

Noch 220 Unterschriften fehlen

Ein Standort, an dem jetzt ein defizitäres Hallenbad steht. Es gehört zu Hornsteiners Coup dazu: Der Investor soll ein neues, öffentliches Bad bauen und einen Betreiber gleich mitliefern. Die Pläne von Hornsteiner sind umfassend. „Aber zu kurz gedacht“, sagt Küffler, der überzeugt ist, dass das Hotel ein Flop wird.

Doch derzeit sieht es so aus, als ob Hornsteiner mit seinen Plänen Erfolg haben wird. Viele Bürger stehen hinter ihm. Die Unterschriftenlisten dagegen füllen sich nur langsam. Erst 400 Bürger haben sich in den vergangenen sechs Wochen eingetragen, wie viele von den Unterschriften gültig sind, muss erst überprüft werden. Um das Projekt stoppen zu können, müssten zehn Prozent der Einwohner Mittenwalds, mindestens 620 Bürger, unterzeichen. Und wenn der Investor doch nicht solvent ist? „Ein Restrisiko bleibt immer“, sagt Hornsteiner. Doch darauf kann er keine Rücksicht geben: Für ihn geht es um die Zukunft seiner Heimat.

Von Aglaja Adam

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