Transport bei klirrender Kälte: Die Fußballer von Greuther Fürth bringen einen „Verletzten“ auf der Trage vom Seinsbach in die Mittenwalder Edelweißkaserne. foto: bundeswehr

Überlebens-Training für Kleeblatt-Kicker

Mittenwald - Ein ungewöhnliches Trainingslager haben die Nachwuchs-Fußballer von der SpVgg Greuther Fürth bei den Mittenwalder Gebirgsjägern erlebt.

Normalerweise laufen die U23-Kicker der Spielvereinigung Greuther Fürth in grünweißen Trikots auf. Nun tauschten die Regionalligisten aus dem Frankenland diese mit einem Camouflage-Anzug der Bundeswehr. „Überlebens-Training“ lautete für die Kleeblatt-Fußballer das Motto bei ihrem zweitägigen Aufenthalt in der Mittenwalder Edelweißkaserne.

„Wir wollten dabei herausfinden, wie sich die Spieler unter unbekannten Belastungen verhalten“, erklärt Mario Himsl, der Sportliche Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) des Profi-Clubs. „Ich denke, es war sehr positiv für alle Beteiligten, denn in den Stunden unter freiem Himmel haben alle gesehen, wie wichtig bei schwierigen Aufgaben ein kühler Kopf und die Zusammenarbeit im Team ist“, wird Himsl auf der Greuther Homepage zitiert.

Der Kontakt mit der Mittenwalder Kaserne kam über den dortigen Major Jörg Körner zustande. Er und Himsl kennen sich von früher. Und da die Nachwuchs-Elf des Zweitligisten in der Regionalliga Bayern vor dem Rückrunden-Start in akuter Abstiegsgefahr steckt, sollte die junge Mannschaft unter extremen Bedingungen zusammengeschweißt werden - Team-Building eben.

So mussten die potenziellen Fußball-Profis in Gebirgsjäger-Klamotten mit vollem Marschgepäck, aber einer überschaubaren Verpflegungsration bei Schnee und klirrender Kälte ausrücken. 24 Stunden unter freiem Himmel - bei Essens- und Schlafentzug. „Das war schon knackig“, bestätigt Johannes Rubner von der Presse-Abteilung der Fürther.

Unter Anleitung von fünf Mittenwalder Gebirgsjägern mussten die Greuther Kicker an der Standort-Schießanlage am Isarhorn einen Schlafplatz suchen, diesen bei Minusgraden mittels Ästen errichten und in kürzester Zeit ein Lagerfeuer entfachen. Wer sich am besten bei Dunkelheit orientieren konnte, bekam ein besonderes Zuckerl: Wasser und Tee.

Stockfinster war es auch, als auf Geheiß der Armee-Begleiter zwei Jeeps mit Seilen geborgen werden mussten. Eine noch größere Herausforderung wartete auf die Kicker in Uniform am nächsten Tag. Als sie nach einer eisigen Nacht aus ihren verschneiten Tannenzweig-Verstecken krochen, sollten sie sich am Seinsbach in die dortige 60 Meter tiefe Klamm abseilen. „Jeder, der in diese Schlucht schaute, hatte 1000 Volt in sich“, berichtet Coach Mirko Reichel. Es war wahrscheinlich der größte Kick an diesen beiden Tagen.“

Zu guter Letzt durfte die U23 einen „Verletzten“ auf einer selbst gebauten Behelfstrage vom Seinsbach durch das tiefverschneite Gehölz zurück ins drei Kilometer entfernte Lager transportieren.

„Das war schon eine Grenzerfahrung“, glaubt Hauptmann Jonathan Alberts, Presse-Offizier des gastgebenden Bataillons 233. Dabei sei ein gerüttelt Maß an „Selbstüberwindung“ nötig gewesen, um die Strapazen zu meistern. „Am nächsten Tag waren sie alle sehr geschafft.“ Wie gut, dass es für die Kleeblatt-Kicker zur Entschädigung eine Brotzeit und eine warme Dusche gab. Für den Abstiegskampf in der Regionalliga sind die Fürther nun bestens gerüstet. Sie wissen jetzt zumindest, wie man überlebt. csc

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