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Mysteriöse Wildunfall-Serie im Oberen Isartal: Zusammenhang mit Corona? Förster nachdenklich

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Von: Christof Schnürer

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Feuerwehrmänner bei einem Autowrack auf der Bundesstraße 2 bei Gerold
Nur mehr Schrott: Nach einem Wildunfall bei Gerold kümmert sich die alarmierte Krüner Feuerwehr um das Autowrack. © Feuerwehr Krün

Es ist ein blutiger Herbst: In den letzten Monaten haben sich im Oberen Isartal Wildunfälle in alarmierender Zahl gehäuft. Wegen dieser beunruhigenden Serie wurde sogar ein Runder Tisch einberufen.

Oberes Isartal – Es passt ins traurige Bild: Dienstagabend ist es wieder zu einem Wildunfall im Oberen Isartal gekommen – der 48. in diesem Jahr. Diesmal erfasste gegen 19.20 Uhr ein Mittenwalder (27) mit seinem Pkw nahe der Schmalenseehöhe eine kreuzende Hirschkuh. Die beteiligten Menschen sind bislang allesamt mit dem Schrecken davongekommen. „Das grenzt schon an ein Wunder“, meint der Mittenwalder Revierförster Martin Echter, dem die unheimliche Serie sehr nachdenklich stimmt. „Das ist schon extrem heuer.“

Wildunfälle im Oberen Isartal: Bisher keine verletzten Menschen - „Grenzt schon an ein Wunder“

Vor allem wenn man bedenkt, dass sich knapp die Hälfte dieser blutigen Kollisionen im Verlauf der zurückliegenden zwei Monate abgespielt hat. „Die Schlagzahl ist enorm angestiegen“, drückt es der Mittenwalder Polizeichef Hubert Hohenleitner aus. Warum es gerade jetzt nach der Brunftzeit so oft kracht, darauf hat der Inspektionsleiter eine mögliche Erklärung: „Das Wild ist durch den Ausflugsdruck völlig gaga.“

Womit Hohenleitner auf die vielen Erholungssuchenden anspielt, die sich allerorten im Oberen Isartal tummeln. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sei das noch viel schlimmer geworden, ergänzt Forstmann Echter. „Die Leute halten sich an keine Regeln mehr.“

Wildunfälle rapide gestiegen: „Wild ist durch den Ausflugsdruck völlig gaga“

„Alles ist in Bewegung“, sagt Dieter Schermak, pensionierter Polizist und Jäger. Untertags traut sich das scheue Wild nicht mehr aus den wenigen Rückzugsgebieten heraus, abends geht es dann auf Futtersuche und kreuzt nicht selten eine auch abends rege befahrene Staats- oder Bundesstraße.

Wie die jüngste Serie zeigt, spielen sich viele Karambolagen zwischen Tier und Auto im Schmalenseegebiet ab – wie etwa der Unfall am Dienstag kurz nach 6 Uhr, bei dem eine Mittenwalderin (31) mit dem Schrecken davonkam. In ihren Wagen war eine Hirschkuh (Stuck) gekracht. Der verständigte Waidmann Schermak fand das schwerverletzte Tier in der Nähe des Bundeswehr-Übungsgeländes in einem Wasserloch. Der Gnadenschuss war die Erlösung. Von ihrem Kalb fehlte jede Spur. „Wenn es kein Rudel findet, verendet es auch“, glaubt Schermak. Sein Appell an alle: „Das Wild einfach mal in Ruhe lassen.“

Rätselhafte Wildunfall-Serie im Oberen Isartal: Runder Tisch sucht nach Lösungen

Sein Nachfolger in der Inspektion, Martin Driessen, hat sich aufgrund der Unfallserie ebenfalls Gedanken gemacht und einen Runden Tisch initiiert. Dieser fand vor kurzem im Forsthaus von Martin Echter statt. Teilnehmer waren Vertreter vom Forst, der Jagd, von der Polizei, vom Landratsamt und Staatlichen Bauamt.

„Wir haben uns intensiv Gedanken darüber gemacht.“ Doch eines steht für Echter außer Frage: „Es gibt kein Patentrezept.“ Sein Chef, der Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann aus Bad Tölz, sieht in der gesteigerten Anzahl an Herbst-Unfällen einerseits einen „Ausdruck von Störungen“, andererseits „ein Indiz für sehr hohe Wildbestände“. Und natürlich spielt neben der Brunft und den „saisonalen Wanderungen“ der Tiere der Mensch ein ganz entscheidende Rolle.

Fällt in nächster Zeit irgendwann der Schnee und werden damit die Futterreserven knapp, zieht es Hirsch und Reh unter anderem zum Wintergatter am Seinsbach, in dem der Mensch mit Nahrung nachhilft. Dann bewegt sich ein großer Teil der Wildtiere in für sie futterreichem und sicherem Territorium. Wanderungen in der Anzahl wie jetzt werden daher merklich zurückgehen – und damit auch die Karambolagen zwischen Tier und Auto.

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