Gebirgsjäger erklärt hohem Besuch das Transportsystem
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Hoher Besuch: (ab 3. v. l.) Botschafter Jörn Rosenberg, dessen Protokollchefin, Verteidgungminister Nyamaagiin Enkhbold und Staatspräsident Chaltmaagiin Battulga lassen sich von Oberleutnant Christoph Bockmann (vo. r.) in Sachen Transportsystem einweisen.

Mission in der Mongolei

Gebirgsjäger saßen fest: Jetzt kommen sie nach Hause

Die Mittenwalder Gebirgsjäger saßen zwei Wochen länger als geplant in der Mongolei fest. Morgen (20. November) werden sie in ihrer Heimatgarnison zurück erwartet. Was schuld an dieser Verlängerung war...

Update vom 19. November: Zwei Wochen länger als geplant hat der Auslandseinsatz für 25 Gebirgsjäger der Brigade 23 gedauert. Am 20. November werden sie – darunter 13 Mittenwalder – in den frühen Morgenstunden in ihrer Heimatgarnison zurück erwartet. „Sie gehen sofort in häusliche Isolation“, teilt Hauptmann Dennis Arians, der Presse-Offizier des Bataillons 233, mit. Das sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Schließlich musste die Bundeswehr-Maschine, die die Gebirgsjäger aus Ulan Bator abholen sollte, wegen eines Coronafalls wieder umdrehen. Nicht zuletzt das hat zu dem ungewollt längeren Aufenthalt geführt.

Update vom 18. November: Länger als ihnen lieb ist, müssen 25 Soldaten der Brigade 23 in der Mongolei ausharren. In diesem zentralasiatischen Staat hatten die bayerischen Gebirgsjäger, darunter einige Mittenwalder, mehrere Wochen beim Aufbau einer Gebirgstruppe geholfen (wir berichteten). Am 5. November sollten sie ursprünglich mit der Luftwaffe nach Deutschland zurückkehren. Doch der Rückflug scheiterte – wegen eines Corona-Falls, wie Spiegel Online berichtet.

Einer der Soldaten der Flugbereitschaft soll auf einer Zwischenlandung auf dem Weg in die Mongolei die Mitteilung erhalten haben, dass er positiv auf das Virus getestet worden sei. Deswegen kehrte das Flugzeug umgehend zurück. Die Mannschaft musste in Quarantäne.

„Die Soldaten befinden sich im Hotel in Ulan Bator und halten sich für den Rückflug nach Deutschland bereit“, teilt ein Sprecher des Heeres dem Tagblatt mit. „Sie beachten die erlassenen Corona-Auflagen des mongolischen Staates.“ Diese beinhalten unter anderem die Einstellung des Betriebs auf dem Flughafen von Ulan Bator bis einschließlich gestrigen Dienstag. „Neuer Termin für den Rückflug ist der 19. November mit einer Maschine der Flugbereitschaft.“

Zu der Einheit der Brigade 23, die ihr Wissen während einer Gefechts- und Schießausbildung unter anderem im Terelj-Nationalpark weitergab, gehört mit Oberleutnant Christoph Bockmann auch der Sohn des ehemaligen Kommandeurs der Mittenwalder Gebirgs- und Winterkampfschule, Oberstleutnant Andreas Bockmann (2016 bis 2020). Dessen Junior unterwies keinen Geringeren als Staatspräsidenten Chaltmaagiin Battulga sowie Verteidigungsminister Nyamaagiin Enkhbold in das Gebirgsjäger-Handwerk.

Mittenwald/Ulan-Bator – Es kommt nicht allzu oft vor bei einem Werdenfelser Soldaten, dass man vor führenden, ausländischen Politikern und Militärs spricht. Oberleutnant Christoph Bockmann vom Mittenwalder Bataillon 233 kann das von sich behaupten. Mit 24 Kameraden der Brigade 23 Bayern unterstützt der Heeresbergführer in der Mongolei den Aufbau einer Gebirgsjäger-Einheit. Dabei durfte Bockmann nun sogar sein Wissen an Staatspräsident Chaltmaagiin Battulga und Verteidigungsminister Nyamaagiin Enkhbold weitergeben.

Trainiert wird im Rahmen einer Gefechts- und Schießausbildung an einem Stützpunkt nahe der Hauptstadt Ulan-Bator sowie im Terelj-Nationalpark – und zwar unter schwierigen Bedingungen. Dazu war ein Vorkommando von zehn Gebirgsjägern bereits im August in die Mongolei aufgebrochen, um alles vorzubereiten. Vor Aufnahme der Arbeit musste das deutsche Kontingent zunächst 21 Tage lang in eine sehr restriktive Quarantäne gehen. Die Vorbereitungen umfassten das Einrichten eines Klettergartens und mehrerer Ausbildungstouren in dem noch weitgehend unberührten Nationalpark sowie das Vorbereiten einer Gefechts- und Schießübung in den sogenannten „Five Hills“ an einem UN-Stützpunkt, dem Peace-Support-Operation-Training-Center.

Die Ausbildung am Heimatstandort des designierten mongolischen Gebirgsbataillons am Fuße des Altai ist aufgrund aktueller Rahmenbedingungen derzeit nicht möglich. Dennoch gilt: „Diese jungen Burschen haben Lust ausgebildet zu werden“, betont Hauptfeldwebel Manuel Conrad, der bereits im vergangenen Jahr als Organisator mit dabei war.

Die mongolischen Soldaten zeigten sich sehr wissbegierig. Trotz der Sprachbarriere und dem oft umständlichen Übersetzen schauten sie sich vieles schnell ab. Oberleutnant Bockmann, Chef der Ausbildung im Terelj-Nationalpark, schätzt an seinen Schützlingen besonders die Zähigkeit und die kontrollierte Leichtfüßigkeit im schroffen Gelände. „Man merkt, dass diese jungen Burschen in einem harten Lebensumfeld noch gut zu Fuß aufgewachsen sind.“ Doch die Ausbildung kommt nicht nur ihnen zu Gute. Auch die Kräfte der Gebirgsjäger-Brigade 23 kehren von dieser Auslandsmission an „Erfahrung reicher“ zurück, unterstreicht der stellvertretende Leiter, Oberstleutnant Lars Kauven. „Unsere Soldaten schießen im gebirgigen Gelände über vier Wochen mit fremden Handwaffen, lernen das Fahren im Gelände, wie es zu Hause niemals möglich wäre, schulen sich als Ausbilder, schauen sich etwas vom Gegenüber ab und können Routen und Klettergärten anlegen, wie es der Alpenraum nicht mehr erlaubt.“

Und ab und zu schaut auch das Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes vorbei.

JOHANNES SCHWEGLER

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