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Augenschein in der Karwendelröhre.

Richter nehmen „Schwarzbauten“ in Augenschein 

Schlechte Aussichten für Karwendelbahn

Bei „Schwarzbauten“ kennen Behörden kein Pardon – vor allem dann, wenn diese sich im Naturschutzgebiet befinden. Doch Baueinstellung und Androhung von Zwangsgeld finden die Verantwortlichen bei der Karwendelbahn gar nicht lustig und reichten Klage ein. Dass sie damit Erfolg haben werden, strebt nach dem Ortstermin des Verwaltungsgerichts jedoch gegen Null.

Mittenwald – Die Bauten an sich sind solide Handwerksarbeit. Der Haken: Alle wurde ohne behördliches Einverständnis errichtet – ob nun die aufgeständerte Terrasse und die Holzverschalung an der Bergstation, die Beleuchtung der Karwendelröhre oder der Freisitz am Gebäude neben der Talstation. „Für solche Anlagen braucht man eine Baugenehmigung, und die haben Sie nicht.“ Deutliche Worte von Johann Oswald, dem Vorsitzenden Richter der 11. Kammer des Bayerischen Verwaltungsgerichts München, an die Adresse von Wolfgang W. R.

Zum Auftakt des Ortstermins bei der Karwendelbahn geht’s auf 2244 Metern zunächst hinaus zu einer inzwischen gesperrten Bergterrasse, die ohne Baugenehmigung errichtet wurde.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Karwendelbahn AG und starke Mann von Hauptaktionär Konsortium AG sowie Vorstand Patrick K. mussten sich am Donnerstag beim Ortstermin der 11. Kammer in vielerlei Hinsicht rechtfertigen. Das hatte sie im Vorfeld aber nicht davor abgehalten, zu den folgerichtigen Baueinstellungen Klage einzureichen – mit geringer Erfolgsaussicht. Was aus den Worten des Vorsitzenden Richters unschwer herauszuhören war. „Auch wenn Sie in Berufung gehen, werden Sie schlechte Karten haben“, prophezeite Oswald. Sein Rat an R.: „Sie müssen den korrekten Weg gehen.“ Der Jurist aus München empfahl R., die Klagen – mit Ausnahme des Fernrohr-Vetos, da könnte eine Annäherung erzielt werden – zurückzunehmen. „Das spart Kosten.“ Daraufhin erbat sich R., der ohne Anwalt erschienen war, Bedenkzeit. Einen Anruf mit seinem Rechtsbeistand später sagte der Heidenheimer klipp und klar: „Wir nehmen nichts zurück!“ Immerhin haben R. und Co. bis 9. August Zeit, sich endgültig zu entscheiden. „Bis dahin muss die Erklärung bei uns eingegangen sein“, verdeutlichte Oswald. Dann werde der Tenor der mündlichen Verhandlung in Mittenwald öffentlich gemacht.

„Das ist unverhältnismäßig“

Das Treffen vor Ort offenbarte einmal mehr, dass R., der seit einiger Zeit mit der Marktgemeinde Mittenwald im Clinch liegt, so seine eigene Rechtsauffassung hat. Beispiele gefällig? Beim Streitpunkt „aufgeständerte Bergterrasse“ vor der hinteren Karwendelgrube fragte R., warum man diese nicht nutzen dürfe. „Weil die Anlage formell illegal ist“, erwiderte Oswald. Der „Schwarzbau“ im Naturschutzgebiet und Außenbereich sei wegen möglicher Schneelasten „auch ein Sicherheitsthema“, ergänzte Martin Höfler von der Regierung von Oberbayern.

In die gleiche Richtung verlief die Diskussion über den Anbau an der Bergstation. „Auch dafür braucht’s eine Genehmigung“, ermahnte Oswald den Aufsichtsratschef. Das sei doch nur eine Wand, die Schnee abhält, antwortete dieser. „Sie erweitern ein Gebäude“, konterte der Vorsitzende. „Das ist unverhältnismäßig. Sie sehen das so – wir anders“, argumentierte R. „Sie müssen jetzt einen Bauantrag einreichen, sonst erfolgt der Rückbau“, schärfte ihm daraufhin Höfler ein.

In der gleichen Tonart verliefen die Gespräche beim nicht genehmigten Freisitz an einem Wohn- und Garagengebäude, der über Gemeindegrund ragt, oder weiteren Umbauarbeiten am selben Haus. In diesem Zusammenhang beklagte R., dass man seit einem Jahr auf eine Baugenehmigung von Seiten des Landratsamts warte. „Die ist unbeantwortet.“ „Sie hätten trotzdem nicht weiterbauen dürfen“, belehrte ihn Oswald abermals. Es folgte R‘s Standardantwort: „Das ist unverhältnismäßig.“

Christof Schnürer

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