Klare Kante zeigt Gerhard Schöner.
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Klare Kante zeigt Gerhard Schöner.

Gemeinsam mit den Isartalgemeinden: Volle Ladung Zukunft

E-Carsharing und neue Ladesäulen: Mittenwald setzt auf E-Mobilität

  • VonChristof Schnürer
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Die E-Mobilität ist nicht mehr aufzuhalten. Auch in Mittenwald soll nicht nur das Netz an Ladesäulen engmaschiger werden. Nun wollen die Verantwortlichen im Rathaus auch auf E-Carsharing setzen.

Mittenwald – Das neue Isartaler Zauberwort: E-Carsharing. Das soll demnächst unter Federführung der Karwendel, Energie und Wasser-GmbH (KEW) schon bald in der Tourismus-Destination Alpenwelt Karwendel möglich sein. Mit anderen Worten: Dann stellen die drei Isartaler Partnergemeinden Elektro-Autos zur Verfügung, die gleichermaßen von Einheimischen und Gästen klimaneutral genutzt werden können. Der Marktgemeinderat Mittenwald sagte dazu in seiner jüngsten Sitzung einstimmig Ja. Am Dienstag, 3. August, werden die Krüner vermutlich nachziehen.

Die KEW plant in einem ersten Schritt das Leasing von vier bis fünf E-Autos. Diese sollen künftig mit entsprechender Lade-Infrastruktur in Mittenwald (Rathaus und Bahnhofsparkplatz), Krün (Rathaus), Wallgau (Rathaus) und möglicherweise in Klais bereitgestellt werden.

E-Auto via App buchen - Fahrt nach Garmisch-Partenkirchen kostet etwa zehn Euro

Wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Ein Einheimischer kann künftig via App das E-Auto buchen und etwa nach Garmisch-Partenkirchen zum Zahnarzt fahren. „Das würde ihn zirka zehn Euro kosten“, rechnete Gemeindewerks- und KEW-Chef Matthias Pöll im Marktgemeinderat vor. Davon profitieren ihm zufolge alle im Oberen Isartal: Der Kunde fährt emissionsfrei, die KEW verdient am Strom, die Wertschöpfung bleibt vor Ort, und die Natur wird geschont. Dabei bedient man sich fremd. „Denn die Blaupause für dieses Konzept ist im Ammertal erstellt worden“, berichtet Pöll. Und dort funktioniert’s scheinbar prächtig. Mehr noch: „Die haben schon eine kleine Flotte“, weiß Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD).

Im Ratsgremium stießen die Pläne, die voraussichtlich 2022 umgesetzt werden, auf breite Unterstützung. „Das ist ein Angebot an die Bürger, die sich ein Zweitauto sparen wollen“, schlussfolgerte Regina Hornsteiner (CSU). Für Georg Seitz (Freie Wähler) bedeutet diese Initiative „ein weiteres Standbein für unsere Energie-Anbieter“.

Zwei Schnell-Ladestellen sollen entstehen - Bund fördert Säulen

In die gleiche Richtung zielte der Antrag der CSU zur Errichtung sogenannter Schnell-Ladesäulen. Denn diese werden noch bis Ende 2022 über ein spezielles Programm vom Bund gefördert. Auch in diesem Punkt bestand im Großen und Ganzen Konsens. Jeweils zwei dieser Stromzapfstellen sollen auf dem Parkplatz an der Arnspitzstraße beziehungsweise der Ladestraße Ost realisiert werden. Das Projekt verschlingt 160 000 Euro, 100 000 übernimmt der deutsche Steuerzahler. So weit, so gut. Doch dann meldete sich Zweiter Bürgermeister Seitz zu Wort. „Es ist schon ein wenig verwunderlich, dass man auf einen Zug, der bereits ins Laufen kommt, aufspringt.“ Mit einem laut Seitz „verwässerten Antrag“. Anders ausgedrückt: Die E-Mobilität würde in Mittenwald auch ohne den CSU-Vorstoß ins Rollen kommen. Das sorgte auf der gegenüberliegenden Seite natürlich für verwunderte Blicke. „Lieber Georg“, startete Gerhard Schöner (CSU) mit Süffisanz seinen Konter und erinnerte Seitz daran, dass der Bauausschuss die CSU-Offensive mit 9:0 mitgetragen habe. „Entschuldigung, dass wir uns Gedanken über den Markt machen, Ihr hättet ja auch einen Antrag stellen können. Das kommt jetzt rüber wie Futterneid – zwei Jahre nach dem Wahlkampf.“

Das wollte Seitz nicht auf sich sitzen lassen. „Lieber Gerhard, für Sachen, die ohnehin in der Verwaltung laufen, braucht man keinen Antrag zu stellen.“ Unabhängig von Förderanträgen würden Ladesäulen gebaut werden, warf Stefan Schmitz (Bürgervereinigung) ein. „Deshalb war diese Diskussion jetzt ein Schmarrn.“ Am Ende fiel auch bei diesem Tagespunkt das Votum einhellig aus.

Schon bald also werden sich im Tourismusort Mittenwald 18 öffentliche Ladesäulen finden. Und die Tendenz wird weiter steil nach oben gehen, zeigt sich KEW-Chef Pöll felsenfest überzeugt. In zehn Jahren, glaubt der Energie-Experte, könnte sich diese Zahl verzehnfacht haben.

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