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Mann im Schnee: Florian Klotz hat sich nahe der Sulzleklammspitz mühevoll durch die Massen gearbeitet. Nun ist der Steig wieder passierbar. 

Die Zeit ist reif für Hütten- und Wanderspaß

Weg frei für Isartaler Bergsommer 2017

Jetzt kann‘s richtig losgehen: Der Mittenwalder Klettersteig ist wieder durchgehend passierbar. Am Donnerstag, 1. Juni, öffnen nun auch Krinner-Kofler- und Wallgauer Alm-Hütte.

Oberes Isartal – Die Prozedur wiederholt sich jedes Jahr aufs Neue: Schneeschaufeln am Mittenwalder Klettersteig. Diesmal packten Hans-Peter Gallenberger, der Wirt der Brunnstein-Hütte (1560 Meter), dessen Sohn Korbinian und Florian Klotz an. „Danach bist maustot“, meint Gallenberger senior. Immerhin: Der stark frequentierte Höhenweg zwischen Karwendelbahn-Bergstation und Brunnstein ist ab sofort wieder durchgehend passierbar. In sechs Stunden machte das Männer-Trio den Weg an den neuralgischen Punkten kurz vor der Sulzleklammspitz frei.

Am Donnerstag geht’s los auf der Vereiner Alm. Rolf Graich sieht in der Krinner-Kofler-Hütte nach dem Rechten. 

Alles andere als einfach: Denn auf einer Länge von rund 250 Metern türmten sich die Schneemassen noch teilweise auf zwei Metern. „Trotzdem mach’ ich’s gerne“, sagt Gallenberger (59) – auch wenn’s danach ein bisserl zwickt. Die dreistellige Finanzspritze von der Karwendelbahn und der Alpenvereinssektion für diese kräftezehrende Arbeit bei schweißtreibenden Temperaturen hat der „Galli“ seinen beiden Helfern überlassen und obendrein eine Brotzeit spendiert. Seit 1982 kümmert sich Gallenberger am Brunnstein um durstige und hungrige Bergsteiger. Und wann ist Schluss? „Ein paar Bergsommer sollen’s schon noch werden.“ Denn Hans Dreßl, der 37 Jahre in der Hochlandhütte zur Institution reifte, möchte er gerne noch einholen.

Während der Betrieb in der Brunnstein-Hütte bereits seit 29. April durchgehend läuft, startet man am Donnerstag, 1.Juni, auch auf der Vereiner Alm in den Bergsommer. Dort öffnen auf 1407 Metern Höhe die gleichnamige Wirtschaft und die benachbarte Krinner-Kofler-Hütte (reiner Übernachtungsbetrieb). Letzte Vorbereitungen traf dort am Mittwoch Rolf Graich. Der 81-jährige Bergfex kümmert sich seit 1967 als zuständiger Alpenvereinsreferent in vorbildlicher Weise um die von der Mittenwalder Sektion betreuten Hütten.

Ab heuer zu dritt: Uschi und Peter Fichtl genießen den Sommer auf der Wallgauer Alm mit Söhnchen Xaver.

Auf eine solche stolze Bilanz können es Uschi und Peter Fichtl angesichts ihres Alters freilich noch nicht bringen. Auch für sie beginnt am Donnerstag der Bergsommer – der fünfte auf der Wallgauer Alm (1543 Meter) im Estergebirge. „Mei, was bewegt uns auf die Alm zu gehen?“, sinniert Peter Fichtl. Dabei schaut er liebevoll auf den sechs Monate alten Sohn Xaver, der in der Stube auf seinem Schoß sitzt. „Wir haben da heroben mit dem weitläufigen, offenen Weidegebiet einen der schönsten und gut erschlossenen Arbeitsplätze weit um“, schwärmt der Loisachtaler. „In der Früh schon den herrlichen Rundblick vom Simetsberg über den wunderbaren Walchensee hinaus ins offene Isartal und hinüber zur Soierngruppe – dazu eine Ruhe, bevor das Tagwerk losgeht und natürlich auch am Abend. Wer hat das schon?“ Obendrein läuft die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern, den Wallgauer Weidegenossen, absolut reibungslos. „Das passt.“ Zweiter Vorsitzender Sepp Berwein, der neben Fichtl sitzt, nickt zustimmend.

Eine urige, gut ausgestattete und in erster Linie zeitgemäße Almhütte mit Liebe zum Detail, die einen auch eine Schlechtwetter-Phase vergessen lässt, sorgt ebenfalls für Wohlfühl-Atmosphäre. Für ein paar Monate die Hektik im Tal für Tiefenentspannung am Berg tauschen zu können, „ist doch ein Geschenk“, ergänzt Ehefrau Uschi. „Jetzt auch für unseren Buben.“ Ein Zuckerschlecken ist das Almleben dennoch nicht. „Du musst bei jedem Wetter raus und gut aufs Vieh schauen. Aber wen der Almvirus einmal richtig gepackt hat, den lässt er so schnell nicht mehr los.“

Jetzt haben die Fichtls noch alle Hände voll zu tun. Der Weidezaun muss hergerichtet und die Wasserstellen eingelassen werden. Denn am 17. Juni sollen dort oben 65 Weidetiere grasen. Die Krüner Finzalm (1040 Meter), von Max Kriner bewirtschaftet, ist bereits geöffnet. Er darf sich demnächst um 75 Stück Jungvieh kümmern.

ha/csc

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