Stiller Protest: (v. l.) Irina Grinkevich und Denis Bruev vom belorussischen Verein Razdam sind mit Gleichgesinnten zum Obelisken gekommen. Foto: kunz
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Stiller Protest: (v. l.) Irina Grinkevich und Denis Bruev vom belorussischen Verein Razdam sind mit Gleichgesinnten zum Obelisken gekommen. Foto: kunz

Verein Razdam fordert Freiheit für Belarus

Weiß-rot-weiße Fahnen: Warum Belorussen nach Mittenwald kamen

24 weißrussische Demonstranten haben in Mittenwald gegen das Lukaschenko-Regime in Belarus demonstriert. Alles verlief friedlich.

Mittenwald – Weiß-rot-weiße Fahnen wehen im November-Wind. Ein Ritter auf einem silbernem Pferd grüßt schwertschwingend von diesen Flaggen. In der anderen Hand trägt er ein Schild mit einem goldenen Kreuz mit zwei Querbalken. Es ist das Wappen, bevor in Belarus Diktator Alexander Lukaschenko 1994 die Macht übernahm. „Wir sehen uns nicht als politische Organisation, können aber in der aktuellen Situation nicht absolut unpolitisch sein“, sagt Denis Bruev vom Verein Razdam. Diese Interessenvertretung von und für in Deutschland lebende Weißrussen hat am Samstag in Mittenwald ein Zeichen gesetzt.

Dort steht nämlich seit 1948 auf der sogenannten Tennen, einem Hügel kurz vor dem Haupttor der Luttensee-Kaserne, ein Obelisk. Errichtet hatten in belarussische Soldaten. Diese waren im Zweiten Weltkrieg in deutsche Gefangenschaft geraten und saßen nach der Kapitulation des Hitler-Regimes längere Zeit als „Displaced Persons“ unterm Karwendel fest. Das belorussische Denkmal im bayerischen Bergwald erinnert an die Schlacht von 1920 in Sluzk. In dieser Stadt wurde während des russischen Bürgerkriegs Ende 1920 ein anti-bolschewistischer Aufstand blutig niedergeschlagen. Heuer am 9. August brachen in diesem symbolträchtigen Ort nach der umstrittenen Wiederwahl des Diktators Unruhen aus.

Am selben Tag gründete man in München „Razdam“ (Gemeinsam), das mit vielen seiner Landsleute freie Wahlen und das Ende der staatlichen Gewalt proklamiert.

Nun also haben Razdam-Präsidentin Irina Grinkevich und ihr Stellvertreter Denis Bruev zur Gedenkfeier nach Mittenwald geladen. „Uns ist wichtig, die Kontinuität der Geschichte zu bewahren“, betont die 33-jährige Vorsitzende. „Denn mittlerweile haben durch die Ereignisse drei Generationen mit belarussischen Wurzeln zueinander gefunden.“ Gemeint sind damit die Freiheitskämpfer von 1920, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Mittenwald gefangenen Soldaten und die derzeit in Bayern lebenden Immigranten. „Nur dadurch, dass wir unsere eigene Geschichte kennen und die Erinnerungen an die Ereignisse bewahren, können wir uns heute als Nation behaupten.“

In Mittenwald scharen sich 24 Teilnehmer um den Obelisken. Es erklingt Musik – alles friedlich. Die versammelte Polizei hat einen geruhsamen Nachmittag. Dann skandieren die Gäste „Freiheit für Belarus“. „Mit solchen Treffen“,hebt Präsidentin Grinkevich hervor, „wollen wir auf die uns gewohnte Hilflosigkeit aufmerksam machen und versuchen, den Freiheitskampf unserer Landsleute zu unterstützen“.

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