1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Mittenwald

Geigenbau-Wettbewerb: Weltpolitik durchkreuzt Zeitplan

Erstellt:

Kommentare

Zwei Geigenbaulehrer aus Mittenwald begutachten ein eingereichtes Instrument.
Viel zu tun hatten die Lehrer der Mittenwalder Instrumentenbauschule im Vorfeld des Geigenbau-Wettbewerbs 2018. © Josef Hornsteiner

Mittenwald – Steht ein weltpolitisches Großereignis an, dann drehen sich die Uhren im Oberen Isartal anders. Aus diesem Grund mussten die Verantwortlichen der Tourismus-GmbH Alpenwelt Karwendel den Internationalen Geigenbau-Wettbewerb in Mittenwald von Juni auf November verschieben.

Denn eines ist im Vorfeld der zweiten Auflage des G7-Gipfels in Schloss Elmau (26. bis 28. Juni) auch jedem klar: Zahlreiche Unterkünfte werden in der heißen Phase über Wochen von Sicherheitskräften belegt sein. Der Fokus ist dann nicht auf Geige und Bratsche, sondern auf Biden und Scholz gerichtet. Da gibt sich Patrick Wagner, bei der Alpenwelt zuständig für die Organisation des 9. Geigenbau-Wettbewerbs, keinen falschen Illusionen hin.

Der Contest findet in der Regel alle vier Jahre statt. Dann lassen im Schnitt etwa 200 Teilnehmer rund um den Globus ihre extra angefertigten Instrumente und Bögen von einer Fachjury in Mittenwald bewerten. Dieses Jahr sollte der Wettbewerb ursprünglich während der Pfingstferien (2. bis 19. Juni) stattfinden. Aufgrund der zeitlichen Nähe und vorbereitenden Maßnahmen für das Gipfeltreffen hat das Organisationskomitee nun jedoch entschieden die Veranstaltung auf den Herbst (28. Oktober bis 13. November) zu verlegen.

Nachdem sich im November die Gerüchte langsam verdichtet hatten, dass die Staats- und Regierungschefs nochmals in Elmau zusammenkommen, war der Faktor Zeit schnell Thema bei den Verantwortlichen. „Mit den Erfahrungen aus 2015 hat man sagen können, dass es dann doch Überschneidungen geben würde“, verdeutlicht Wagner. Die Organisatoren rechneten mit Schwierigkeiten, beispielsweise in Bezug auf die mediale Aufmerksamkeit und Unterbringung von Teilnehmern. „Man hätte das Problem gehabt, dass man einen Wettbewerb mit darauffolgender Ausstellung macht, die für die Öffentlichkeit zugänglich ist, aber eigentlich keiner da ist, weil außer Sicherheitskräften niemand untergebracht ist im Vorfeld des G7-Gipfels.“

Das hätte vor allem auch die zahlreichen internationalen Geigenbauer bei ihrer Einreise und Unterbringung betroffen. Auch Instrumente, die teilweise über den Zoll an die Organisatoren geschickt werden, wären womöglich nicht rechtzeitig angekommen. Zudem hat man sich die Frage gestellt, „welche Aufmerksamkeit man als Wettbewerb bekommt, wenn parallel fünf Kilometer weiter der G7-Gipfel stattfindet“, so der Veranstaltungsleiter.

Der touristische Nutzen des Geigenbau-Wettbewerbs sei zwar untergeordnet – „es ist mehr eine Veranstaltung für die Tradition des Geigenbaus in Mittenwald“ – dafür erhofft man sich für die Region mehr Strahlkraft. „Da macht es aber natürlich keinen Sinn, eine Imageveranstaltung durchzuführen, wenn man keine Imagepflege machen kann.“

Daher war für alle Verantwortlichen die Verschiebung der logische und konsequente Schritt. So könnte sichergestellt werden, heißt es in einer Presse-Mitteilung der Alpenwelt Karwendel, dass die Gewinner des Geigenbau-Wettbewerbs sowie interessierte Besucher auch kurzfristig freie Unterkünfte in der Region finden und so an Preisverleihung, Abschlusskonzert und dem weiteren Rahmenprogramm teilnehmen können. Paulina Porer

Auch interessant

Kommentare