Die Hochstraße in Mittenwald zwischen Café Haller und Goethehaus.
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Ein Politikum: Die Hochstraße in Mittenwald beschäftigt weiter die Lokalpolitiker.

Eindeutiges Votum im Gemeinderat

Hochstraße in Mittenwald: Westwärts rollt der Verkehr

  • vonChristof Schnürer
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Ab 1. Mai rollt der Verkehr auf der Hochstraße wieder in eine Richtung – und zwar nach Westen. Der Mittenwalder Marktgemeinderat setzt auch im Coronajahr Nummer zwei bei dem Nadelöhr zwischen Café Haller und Goethehaus auf die Einbahn-Regelung. Sie tritt am 1. Mai in Kraft und endet am 15. November.

Mittenwald - Alle in der Volksvertretung stimmten für die Einbahn-Regelung auf der Hochstraße – bis auf einen: Florian Lipp (Freie Wähler). „Ich werde nichts unversucht lassen,die Hochstraße ganz zuzumachen“, teilte Lipp gewohnt kämpferisch seinen Ratskollegen mit. Diese konnte Lipp vor zehn Monaten in einer denkwürdigen Sitzung von der probeweisen Komplettsperrung überzeugen. Doch das hatte den Protest gerade bei den Anliegern im Gries zur Folge, die gegen die zusätzliche Verkehrsbelastung rebellierten (wir berichteten). Zielperson ihres Grolls war seinerzeit natürlich Florian Lipp, der wohl in Anlehnung daran nun im Gemeinderat leicht provokant in den Raum stellte: „Ich möchte ja nicht, dass die Geschäftsleute im Gries verhungern.“ Auch sein Fraktionskollege Georg Seitz findet es im Grunde besser, die Hochstraße in den touristisch guten Monaten dicht zu machen. „Aber eine Einbahnstraße ist auch eine gute Lösung.“ Eine zumindest, mit der die meisten im Karwendelort gut leben konnten im vergangenen Jahr.

In etwa einem Monat darf die Hochstraße also nur mehr von Osten her befahren werden – und zwar jeweils zwischen 10 und 22 Uhr. Parallel dazu gilt in bewährter Weise eine Gewichtsbeschränkung. Für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen ist der Mittenwalder Innenbereich demnach tabu. Zudem will man wie schon 2020 am Anger und an der Ludwig-Murr-Straße Parkbuchten für den Begegnungsverkehr einrichten, weil auf diesen Strecken die ausweichenden Fahrzeuge zunehmen werden.

Der Fußgänger hat sich die Hochstraße zurückerobert.

Gemeinderätin Bärbel Rauch

„Ein guter Kompromiss“, fand Bärbel Rauch (SPD). Für sie hat die Einbahn-Regelung auf der rund 100 Meter langen Flaniermeile durchaus Charme. In Anlehnung an das Pilotprojekt 2020 sagte Rauch: „Der Fußgänger hat sich die Hochstraße zurückerobert.“ Ähnlich interessant verlief bei diesem verkehrspolitischen Thema auch der Punkt Marktbach, dessen Gerinne zwischen Dekan-Karl-Platz und Untermarkt in den warmen Monaten bekanntlich geöffnet wird. Das soll auch heuer so sein. Einziger Unterschied: Auf Antrag kann das Bachbett im Obermarkt und auf der Hochstraße geschlossen werden. Beispielsweise von Wirtsleuten, die sich in Coronazeiten davon ein besseres Platzangebot vor ihren jeweiligen Lokalen versprechen. „Da tut jeder Tisch gut“, meinte Benedikt Zunterer (CSU), dessen Onkel bekanntlich die „Alpenrose“ betreibt. „Wir leben in einer Pandemie, da sollten wir helfen, wo es möglich ist.“

Dem konnte sich Franz Lipp (Freie Wähler) nur anschließen. „Ich appelliere an die Kollegen, das zu unterstützen.“ Die überwältigende Mehrheit sah das ähnlich – nur zwei CSU-Damen scherten aus: Regina Hornsteiner und Christel Veit. Letztere erläuterte, dass entlang des Marktbachs 18 Gastronomiebetriebe und über 20 Einzelhandelsgeschäfte situiert sind. Warum sollten diejenigen im Obermarkt und an der Hochstraße bevorzugt werden?, fragte sich Veit. „Gleiches Recht für alle!“ Sie sieht den geöffneten Marktbach als „natürliche Barriere“. „Er ist von allen bezahlt und städtebaulich gefördert worden.“ Deshalb leitet die ehemalige Wirtin ab, dass die Öffentlichkeit ein Anrecht darauf hat, das Rinnsal vom Anfang bis zum Ende zu bewundern.

Veit war es auch, die als einzige gegen die Erweiterung der sogenannten Sondernutzungsflächen votierte. Ein weiteres Entgegenkommen für corona-geplagte Geschäftsleute, die damit ihren Spielraum vergrößern können – natürlich gegen Entgelt. Kerstin Corongiu (SPD) sprach sicherlich im Namen aller, als sie während der Debatte in den Raum warf: „Unser Anliegen muss doch sein, jedem zu helfen und nicht kurzfristig zu denken.“

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