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Genießt den Ausblick: eine Gams am Mittenwalder Höhenweg.

Karwendelgebirge wird Modellgebiet

Wie gut geht es Gams, Reh und Hirsch? Forschungsprojekt im Karwendel startet

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Viel totes Wild haben nach dem strengen Winter manche erwartet. Doch Staatsregierung und Förster dementieren. Für genauere Ergebnisse wird im Karwendel ein Forschungsprojekt gestartet.

Oberes Isartal – Es waren dramatische Bilder vor einigen Monaten. Der Schnee lag meterhoch in den Wäldern des Isartals. Das Wild schien enorme Schwierigkeiten gehabt zu haben, Futter zu finden. Die Befürchtungen waren unheilvoll: Wird es ein Massensterben geben? Laut Staatsregierung ist es nicht so gekommen. Das würden erste Ergebnisse eines Forschungsprojekt des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zeigen. „Der Gams geht’s gut“, sagt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) in einem Schreiben. Sie zitiert aus Berichten von Forschern, die davon ausgehen, dass auch nach dem enormen Winter 2018/19 weit mehr als 500 Gämsen im Karwendelgebirge zwischen Vorderriß und Soiernkessel leben. Auch die Zuständigen vor Ort teilen diese Meinung. „Das kommt hin“, sagt Mittenwalds Revierleiter Thomas Pokorny. Er hatte die Anzahl der Gämsen sehr genau beobachtet: „Wir haben auch nach diesem Winter nicht mehr tote Tiere zu beklagen als sonst.“ Er gibt aber zu bedenken, dass er nur einen kleinen Teil des gesamten Karwendelgebirges abdeckt.

International anerkannte Wissenschaftler begleiten Forschung im Karwendel 

Um genauere Ergebnisse zu erhalten, soll dort jetzt unter anderem im Herbst ein Forschungsprojekt in Form einer Beobachtungsstation starten. Betrieben wird sie von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) gemeinsam mit den Bayerischen Staatsforsten. Das Projekt begleiten „international anerkannte Wissenschaftler“, sagt Kaniber.

Das Karwendel wird somit zum repräsentativen Modellgebiet. Forscher erheben dort Daten der drei für den bayerischen Alpenraum typischen Wildarten Reh, Hirsch und Gams. Das passiert mittels GPS-Telemetrie, Fotofallen und Wildzählungen. Zudem wird der Kot, im Jägerjargon als „Losung“ bezeichnet, genetisch analysiert. Der Wald wird zum Labor. „Diese neuartige Methode ermöglicht Experten zufolge genauere Aussagen über Populationsgröße, Geschlechterverhältnis und räumliche Verteilung der Tiere.“

Ergebnisse aus Forschung im Karwendel sollen Diskussion um Abschusszahlen versachlichen

Genau hier sieht Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen, gewaltig Nachholbedarf. „Die Hegeschauen ergeben ein besorgniserregendes Bild über die Altersstruktur beim Gamswild.“ Deshalb will die Staatsregierung die Ergebnisse den „Jägern und Förstern als Entscheidungshilfe zur Verfügung stellen“, sagt Kaniber. Die Ministerin erwartet sich davon „eine Versachlichung der Diskussionen über zu hohe oder zu niedrige Abschusszahlen“.

Das Forschungsprojekt hat schon 2016 begonnen. Seither deuten die Ergebnisse „auf eine stabile und vitale Population hin“. Jetzt hat Kaniber das Projekt nochmals erweitert, um die Auswirkungen des harten Winters zu erforschen. Genaue Resultate erwarten die Experten im kommenden Jahr. Das Gesamtvorhaben soll 2022 abgeschlossen sein.

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