Das ehemalige Hotel Mühlhauser am nördlichen Ortseingang von Mittenwald
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Bald Geschichte: Das ehemalige Hotel Mühlhauser soll abgerissen werden

Bau-Offensive für Hotelangestellte

Ehemaliges Hotel „Mühlhauser“ weicht Personalhaus von Schloss Elmau

Das einstige Mittenwalder Hotel „Mühlhauser“ verschwindet bald vom Erdboden. Es soll Personalwohnungen für Schloss Elmau Platz machen.

Mittenwald – Erst der Jägerhof, jetzt das Hotel Mühlhauser – entlang der Partenkirchner Straße sterben die Gästeherbergen. Der Bau- und Umweltausschuss des Mittenwalder Marktgemeinderats segnete nun einstimmig den Abriss des ehemaligen Traditionshauses an der nördlichen Ortseinfahrt ab und genehmigte gleichzeitig den Neubau eines zeitgerechten Personalhauses für die Angestellten von Schloss Elmau.Was natürlich ganz im Sinne von Geschäftsführer Dietmar Müller-Elmau ist. „Wir hatten das Haus mit seinen 40 Zimmern schon länger angemietet und viele Wohnungen belegt“, erzählt der 66-jährige Geschäftsmann, dessen GmbH die in die Jahre gekommene Immobilie vor einiger Zeit erworben hatte. Geht es nach Müller-Elmau, wird der dreistöckige Komplex schon bald verschwinden. „Weil die Brandschutzanforderungen nicht erfüllt werden und die Zimmer in einem erbärmlichen Zustand sind, haben wir im Dezember 2020 einen Antrag auf Abriss und Neubau eingebracht.“

42 Wohneinheiten

Von lokalpolitischer Seite werden dem G7-Gastgeber, wie eingangs erwähnt, keine Steine in den Weg gelegt. Wie Müller-Elmaus Pläne im Detail aussehen, erläuterte im Rathaus Marktbaumeister Ralf Bues. Ihm zufolge soll das künftige Gebäude 30 Meter lang, 16 Meter breit und mit 10,60 Meter 90 Zentimeter höher als das bestehende „Mühlhauser“ sein. „Die Grundfläche von 535 Quadratmetern liegt damit inklusive des Nebengebäudes im Bereich der bestehenden Bebauung.“ Vorgesehen sind neben 42 Wohneinheiten auch 13 Stellplätze östlich und westlich des künftigen Personalhauses. Diese vergleichsweise geringe Anzahl an Parkmöglichkeiten ist laut Bues zulässig und ausreichend. Der Experte beruft sich dabei auf die Garagen- und Stellplatzverordnung bei Arbeitnehmerwohnheimen. Mehr ist aufgrund der Lage ohnehin nicht möglich. „Da der Lainbach das Gelände des neuen Wohnheims quert“, erläuterte Bues, „ist der Bau einer Tiefgarage mit Zufahrt nicht möglich“. Die Abweichung sei „städtebaulich vertretbar, und nachbarliche Belange bleiben unberührt“.

Die Frage von Gemeinderätin und Architektin Ursula Seydel (SPD) nach Einhaltung der Abstandsflächen beantwortete Bues wie folgt: „Alles ist mit dem Landratsamt abgesprochen.“ Eine Erweiterung in Richtung Osten ist aufgrund des dahinter liegenden Bahndamms ohnehin nicht möglich.

Florian Lipp von den Freien Wählern indes kann sich mit der Optik des künftigen Personalhauses nicht anfreunden. „Leider entspricht sie aber der Ortsgestaltungs-Satzung“, bedauerte der „Dauberweiß“. Für seinen CSU-Kollegen Dieter Schermak ist die Ästhetik bei diesem Vorhaben jedoch nachrangig. „Hauptsache, dieser alte Schuppen kommt endlich weg.“ Zudem findet der pensionierte Polizist, dass der neue Komplex „Wirtschaftlichkeit in den Ort bringt“. Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) wiederum freut sich in puncto Demografie. Denn durch die vielen Elmauer Hotelbediensteten steige auch wieder die Einwohnerzahl von Mittenwald.

Mit dem Projekt „Mühlhauser“ nimmt sich Schloss Elmau offenbar ein Beispiel am benachbarten Luxus-Refugium „Das Kranzbach“. Dessen Investor Dr. Jakob Edinger hat 2012 erst den Gasthof Post in Klais und 2018 den Jägerhof in Mittenwald gekauft – und zwar ausschließlich mit dem Ziel, preiswerten Wohnraum für seine Angestellten zu schaffen. „Wir können kein Hotel mehr nur noch mit Einheimischen betreiben“, betonte Edinger vor einiger Zeit gegenüber dem Tagblatt. Doch Auswärtige brauchen Lockmittel. Der schillernde Name der Fünf-Sterne-Hotels ist das eine, preisgünstige Mieten sind das andere. Nur so gelingt es diesen personalintensiven Herbergen, dauerhaft Angestellte zu akquirieren. Wohnen im Oberen Isartal muss für Elmauer und Kranzbacher Arbeitnehmer bezahlbar sein.

Das wird im ehemaligen „Mühlhauser“ sicherlich der Fall sein. in diesem Zusammenhang empfiehlt sich ein kleiner Blick in die Geschichte dieses Hauses. Die erstmals 1700 erwähnte „Reiglmühl“ wurde seit anno 1900 von Blasius Pölzl als Sägemühle betrieben. 1908 kaufte Karl Hornsteiner (Soghalm-Kare) für 16 500 Mark das Anwesen am Reiglmühlweg. In der 1937 heraus gegebenen Broschüre „Das Bayernland“ bietet der damalige Pächter Kurt Hachmann rheinisch-westfälische Küche und Fremdenzimmer an. 1940 führte Besitzersohn Josef Hornsteiner mit seiner Frau Anna (geborene Obermeier) das Restaurant bis Mitte der 1980er. Im Laufe der Zeit sinkt der Stern dieses Traditionsbetriebs zusehends. Jetzt sind an der Partenkirchner Straße die Elmauer am Zug.

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