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Eine Abschlussparty bschäftigte das Schöffengericht.

Schöffengericht verhängt Geldstrafen

Party artet in wilde Schlägerei aus

Acht Stunden hat eine Jugendgerichtsverhandlung in Garmisch-Partenkirchen gedauert. Aber auch dann war nicht klar, was genau im Sommer 2015 bei einer Schulabschlussfeier in Wallgau passierte. Am Ende bekamen die beiden Angeklagten Geldstrafen.

Oberes Isartal – Was passiert, wenn bis zur Verhandlung mehr als zwei Jahre ins Land gehen, war jetzt bei einem Jugendschöffen-Gerichtstermin in Garmisch-Partenkirchen zu beobachten. Die wenigsten der Beteiligten konnten sich im Detail daran erinnern, was in der Nacht auf 25. Juli 2015 passiert war. Damals feierten Absolventen der Mittelschule Mittenwald an einem Lagerplatz in Wallgau ihre Abschlussparty. Zwei heute 20-jährige Isartaler tauchten dort auf, obwohl sie nicht eingeladen waren.

Wie Staatsanwalt Michael Meyer darlegte, sorgten die beiden alkoholisierten Burschen für Stunk. Es kam zu einer Rauferei. Einer der beiden soll einem Gast, aktuell ebenfalls 20 Jahre alt, mit der Handkante gegen den Kehlkopf geschlagen, ihn in den Bauch getreten und eine abgebrochene Flasche nach ihm geworfen haben. Seinem Spezl wurde vorgeworfen, mit einem Messer in Richtung des erwähnten Gastes gestochen zu haben, wobei dieser ausweichen konnte. Zudem sollen sie ihn mit rassistischen Schimpfworten beleidigt haben. Ein weiterer Vorwurf, der im Raum stand: Die Angeklagten hätten gedroht, ihren Kontrahenten umzubringen. An das erwähnte Messer konnte sich jedoch nur der Angegriffene selbst exakt erinnern. Der eine Angeklagte „wollte mich abstechen“, betonte er. „Ich hatte Angst, dass er mich umbringen will.“

Eine Zeugin war sich im Hinblick auf das Messer hingegen nicht 100-prozentig sicher. Sie war auch nicht in der Lage zu sagen, welcher der Beschuldigten damit gegebenenfalls hantierte. Die Flasche berührte den Partygast nach eigener Darstellung am Kopf, verletzte ihn aber nicht. Von den anderen Zeugen konnte den Wurf keiner bestätigen.

Der Staatsanwalt fand am Ende, dass der Angeklagte, der angeblich mit dem Messer herumfuchtelte, drei Wochen in den Arrest und 1500 Euro Geldstrafe zahlen sollte. Denn er war auch noch am 9. März 2016 mit einem Motorrad gefahren, ohne dass er die nötige Fahrerlaubnis und Versicherung hatte.

Was dessen Spezl anbelangt, plädierte der Staatsanwalt für eine Jugendstrafe von eineinhalb Jahren auf Bewährung sowie auf 1500 Euro Geldauflage. Der junge Isartaler, der ein paar Einträge im Strafregister hat, war ebenfalls noch wegen eines anderen Delikts angeklagt. Er soll am 31. Januar 2016 nachts gegen 1.20 Uhr in Farchant auf der Straße einen Böller abgebrannt und geworfen haben, der in Deutschland nicht zugelassen ist. Außerdem hatte er dafür nicht die nötige sprengrechtliche Erlaubnis. Er schaute offenbar nicht genau. So landete der Kracher in der Nähe eines heute 23-jährigen Studenten aus Garmisch-Partenkirchen. Die Folge bei ihm: ein Hörverlust von zehn Prozent. Heute fehlten noch etwa fünf Prozent, sagte der Geschädigte vor Gericht. Der Angeklagte hatte den Böller nach eigener Aussage gefunden, und zwar vor dem Gebäude, wo an diesem Abend der Sportlerball stattgefunden hatte.

Die Anwälte der beiden Angeklagten forderten Freispruch, was die Vorkommnisse bei der Party in Wallgau betrifft, die aus dem Ruder gelaufen war. Das Schöffengericht folgte dem nicht. Der eine 20-Jährige wurde letztlich nach rund achtstündiger Verhandlung wegen vorsätzlicher Körperverletzung, gemeinschaftlicher Bedrohung, wegen Hantierens mit dem Böller sowie fahrlässiger Körperverletzung zu 1500 Euro Geldstrafe verurteilt.

Die Summe geht an den Hospizverein. Sein Kumpel kam wegen gemeinschaftlicher Bedrohung, Fahrens ohne Führerschein und Versicherung mit einer Geldauflage von 1000 Euro davon, zu zahlen an den Bund Naturschutz. Das Gericht hatte die Verhandlung aus verschiedenen Gründen mehrfach verschoben.

Roland Lory

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