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Das Kranzberg-Gipfelhaus betreibt Rainer Weideneder.

Vor dem G7-Gipfel

Kranzberg-Wirte beklagen Info-Defizite

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Mittenwald - Wenige Infos und Pläne, die sich immer wieder ändern: Schon vor dem G7-Gipfel haben die Kranzberg-Wirte von ihm die Nase voll.

Rainer Weideneder hat die Nase jetzt schon gestrichen voll. Der G7-Gipfel in Schloss Elmau, etwa eine Stunde Fußmarsch von seinem Kranzberg-Gipfelhaus entfernt, ist dem Wirt ein Dorn im Auge. „Das wird eine Fiasko-Veranstaltung“, behauptet er. „Ich hab’ noch nie so eine schlechte Organisation gesehen.“ Bei ihm oben auf 1350 Metern sollen Sicherheitskräfte stationiert werden. Soviel ist sicher.

Mehr kann er aber nicht mit Gewissheit sagen. Denn genau wie seine Kollegen im Kranzberg-Gebiet hängt der 55-Jährige in der Luft, wenn es darum geht, was im Zuge des Gipfels auf sie zukommt. Die Wirte lechzen nach Informationen. Bisher wurden sie nur spärlich damit versorgt – oder die Verantwortlichen ruderten wieder zurück. „Ständig kommen irgendwelche Leute, die sich hier umschauen“, erzählt Weideneder. „Und jeder erzählt mir was anderes.“

Es fängt schon bei der Einstufung der Sicherheitszone an: Einmal liegt seine Hütte, von der viele Wege nach Elmau führen, drin, einmal nicht. Genauso wenig weiß er, wie viele Sicherheitskräfte sich rund um das Kranzberghaus positionieren. Erst sei die Rede von 300 gewesen, die er dreimal am Tag mit Essen versorgen solle. Ein Widerruf folgte. Dann hieß es, dass einige davon bei ihm übernachten. „Das war anscheinend zu teuer.“

Weideneders letzter Stand: Die Einsatzkräfte schlafen in Zelten. Für ihn aberwitzig: „Es ist mir ein Rätsel, wo die die aufbauen wollen.“ Schließlich ist das Landschaftsbild geprägt von buckligen Wiesen. „Die können sich Hängematten zwischen die Bäume spannen“, spottet der Wirt.

Das wundert Sabine Roidl, Sprecherin des G7-Bürgerbüros in Krün. Zumindest von der bayerischen Landespolizei werde keiner in Zelten nächtigen. „Die sind in anderen Unterkünften untergebracht.“ Gleichzeitig räumt sie ein, dass manche Pläne aus einsatztaktischen Gründen umgeworfen wurden und die Verträge mit den Wirten noch nicht abgeschlossen sind.

Macht das ganze für Weideneder nicht besser. Zuletzt ging es bei ihm um die Toiletten-Frage. Er hätte seine WCs zur Verfügung stellen sollen – und winkte ab. Für die Sicherheitskräfte muss trotzdem eine Alternative für natürliche Bedürfnisse her. Weideneder zufolge stand im Raum, Container auf den Berg zu fliegen. Aber auch dieses Vorhaben hat sich scheinbar in Luft aufgelöst, weil er 50 000 Euro Kaution verlangte – wegen der Fundamente, die dafür nötig wären. „Da sieht das Grundstück danach ja aus, und ich bleib’ drauf sitzen, wieder alles herzurichten.“

Der 55-Jährige versucht, sich nicht mehr aufzuregen. Neben all der Spekulationen hat er einen Entschluss gefasst: Er öffnet das Kranzberghaus während des Gipfels. Mit Touristen rechnet er trotzdem nicht wirklich.

Gelassen blickt mittlerweile Renate Kemser dem Treffen der mächtigsten Staats- und Regierungschefs entgegen, auch wenn sie „völlig uninformiert ist“. Sie hat sich damit abgefunden, dass sie Konkretes erst kurzfristig erfährt. Denn anfangs bekam sie die Auskunft, dass sie im Seehof am Lautersee sieben Polizisten aufnehmen soll, jetzt doch nicht. Auf den 700 Euro, die sie für eine Legionellenprüfung ausgeben musste, bleibt sie sitzen. Anderweitige Reservierungen liegen nicht vor. Aber auch sie bezweifelt, dass sie Touristen empfangen kann. „Der Bus zu uns wird nicht fahren“, weil die Forststraße – der Fluchtweg aus Elmau – gesperrt wird.

Genau aus dem gleichen Blickwinkel sehen das Martina Knilling vom Gasthaus am Ferchensee und Christian Witting vom Berggasthof Wildensee, die beide öffnen wollen. „Wir müssen das so hinnehmen“, sagt Knilling, „und lassen uns überraschen.“ Roidl jedoch rät den Wirten, die Initiative zu ergreifen und sich ans Bürgertelefon zu wenden. „Wir fahren aber auch gerne hin und informieren sie.“

Manuela Schauer

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