Traumhaft schön: Die Buckelwiesen bei Mittenwald mit der wuchtigen Karwendelkulisse im Hintergrund.
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Traumhaft schön: Die Buckelwiesen mit der wuchtigen Karwendelkulisse im Hintergrund.

Skepsis in Mittenwald

Unesco-Weltkulturerbe: Wolken über den Buckelwiesen

  • VonChristof Schnürer
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Wer raus will, der soll auch raus kommen dürfen. Nach diesem Motto soll bei der Bewerbung fürs Unesco-Weltkulturerbe verfahren werden. Das zumindest erhofft sich der Mittenwalder Gemeinderat. Umso überraschter zeigten sich nun die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses, dass das federführende Landratsamt diesem Wunsch scheinbar nicht nachgekommen ist.

Mittenwald – Das Beispiel Eschenlohe zeigt: Die Bewerbung ums Unesco-Weltkulturerbe ist in einigen Landkreisorten mächtig ins Stocken geraten. Und auch in Mittenwald werden die Bedenken bei dem vor Jahren initiierten Projekt „Alpine und voralpine Wiesen-, Weide- und Moorlandschaften im Werdenfelser Land“ immer lauter. „Ich war seit der ersten Sekunde dagegen“, wetterte beispielsweise am Montagabend Gemeinderat Florian Lipp (Freie Wähler) im Bau- und Umweltausschuss.

Im jüngsten Vorgehen der Kreisbehörde sieht sich der „Dauberweiß“ mehr als bestätigt. So hatten bei der Beschreibung der Mittenwalder Gebietskulisse elf Grundstückseigentümer um die Herausnahme von 17 Hektar ihrer Areale gebeten. „Laut Landratsamt wurde diesen Anträgen nicht entsprochen, weil es sich um Buckelwiesen- und Biotop- oder um innen liegende Flächen handelt, die ein ,Loch‘ in der Abgrenzung verursacht hätten“, trug Marktbaumeister Ralf Bues vor. Das findet Kurt Stransky (CSU) gar nicht lustig. „Ich war immer für die Unesco-Bewerbung“, unterstrich der Gärtnermeister. „Aber wenn man Eigentümer übergeht oder die Enteignung droht, dann lehne ich das ab.“ Fraktionskollege Dieter Schermak pflichtete Stransky bei: „Wir leben schließlich in keiner Diktatur.“ Trotzdem wird der Spielraum weiter eingeschränkt, findet Florian Lipp. „Wir laden uns nur wieder ein Schutzgebiet auf“, warnte er. Dann sei man neuerdings eingeengt. Ob es da nicht schlauer sei, sich bei der Bewerbung zurückzuziehen, fragte Gemeinderat Josef Schandl (Freie Wähler), der als Gast im Ausschuss zuhörte, nach. Keine Chance, antwortete Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD). „Wir können nicht über diejenigen entscheiden, die dabei bleiben wollen – das geht nicht.“

Es geht um unsere Kulturlandschaft und um den Erhalt unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft.

Landratsamtssprecher Wolfgang Rotzsche

Das Gremium verständigte sich deshalb mehrheitlich darauf, die Bewerbung ums Unesco-Weltkulturerbe weiterhin zu unterstützen. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Aufnahme von Flächen immer einvernehmlich mit den Grundstückseigentümern erfolgen soll. Sollte dies beim derzeitigen Bewerbungsstand nicht mehr möglich sein, sind die Änderungswünsche von privaten Eigentümern, die mit ihren Grundstücken nicht Teil der Bewerbung beziehungsweise der späteren Unesco-Gebietskulisse sein wollen, im weiteren Verfahren beziehungsweise bei der Feststellung der endgültigen Gebietskulisse im Falle einer erfolgreichen Bewerbung zu berücksichtigen.

Dieses Votum ist zwischenzeitlich auch im Landratsamt eingetroffen. In diesem Zusammenhang verweist Behördensprecher Wolfgang Rotzsche auf den Redaktionsschluss 6. Juli. Gleichwohl könnten Änderungswünsche „zu einem späteren Zeitpunkt geprüft und berücksichtigt werden“. Noch einmal betont Rotzsche das, was sein Chef, Landrat Anton Speer (Freie Wähler), seit Wochen und Monaten gebetsmühlenartig rauf und runter predigt: „Es geht um unsere Kulturlandschaft und um den Erhalt unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft.“ Das Prädikat „Weltkulturerbe“ könnte dieses Ansinnen zementieren. Das glauben zumindest die Verantwortlichen im Landratsamt.

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