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Eine Bruchlandung hat Josef Kriner hingelegt.

Zipfelbobrennen im Dammkar 

Höllenritt in der Krachledernen

Unglaublich, aber wahr: 18 wagemutige Mittenwalder sind an Pfingsten bei fünf Grad in der Lederhose mit einem Zipfelbob das Dammkar hinuntergebraust. Glücklicherweise war der Fahruntersatz das Einzige, was bei diesem Kamikaze-Rennen im Karwendel zu Bruch gegangen ist.

Mittenwald „Ming ma jetz wurkla do oe fohrn?“ Noch etwas skeptisch sitzt Josef Hörmann (Schuasta) im Biergarten der Karwendelbahn-Talstation. Doch für seine Mitstreiter gibt es nicht den geringsten Zweifel: „Des wird jetzt freilig g’macht“, motiviert Zipfelbob-Matador Franz Fütterer den Vorsitzenden der inoffiziellen Zipfelbob-Bruderschaft Mittenwald. Mit Gamsbart und einem pinken Bob bewaffnet, hat er gerade der Runde noch eine halbe Bier gebracht. Draußen regnet es aus Kübeln, auf dem Karwendel herrschen Temperaturen um die fünf Grad. „Schaug, es hat schon aufgehört nachzulassen“, meint Christian Sailer, Zweiter Vorsitzender der Zipfelbob-Brüder, erfreut.

Sie alle brennen darauf, in Kürze mit dem Mini-Bob aus Kunststoff das Dammkar hinab zu fahren. Also rein in die Gondel und hinauf auf 2244 Meter. Oben angekommen, herrscht Null-Sicht. Dichter Nebel lässt nur wenige Meter weit sehen. Zunächst also noch einen Zwischenstopp im Bergrestaurant einlegen. Bei einer runde Schnaps wird der Kampfspruch geschmettert: „Zipfel – BOB“ schallt es Hörmann entschlossen entgegen. Die ersten gönnen sich bereits eine Brotzeit, andere rauchen noch einmal genüsslich eine Zigarette.

Petrus hat ein Nachsehen

Tatsächlich hat Petrus ein – zumindest kleines – Nachsehen mit der Zipfelbob-Fraktion. Der Regen lässt kurzeitig nach. Bereits im Fußgängertunnel zur Abfahrt wird fröhlich das eigens komponierte Zipfelbob-Lied inbrünstig geträllert. Vor der Abfahrt wird noch schnell Gruppenbild geschossen. Dann heißt es: Platz nehmen auf dem Bob. Dass die ersten 50 Meter noch kein Flöckchen Schnee liegt, stört die Mittenwalder recht wenig. Mit kurzer Lederhose, Pfoat und Schafwoll-Janker brettern die ersten querfeldein durchs Geröll. Die erste Hose ist bereits zerrissen, noch ehe die eigentliche Piste beginnt. Der Gaudi tut dies natürlich keinen Abbruch: Es wird gejuchzt, und schon geht die Fahrt noch fröhlicher weiter.

Als dann endlich Schnee unter den Bobs liegt, wird schnell klar: „Jetzt moan i wird’s nass.“ Der stundenlange Regenschauer zuvor tut sein Übriges: Auf eher matschigen als festen Untergrund nehmen die Zipfelbob-Kameraden nun richtig Fahrt auf. Wer als erstes die Dammkarhütte erreicht, ist dabei völlig egal. „Hauptsache wir kommen alle heil unten an“, betont Hörmann. So wird nach jedem Abschnitt auch brüderlich auf jene Mitstreiter gewartet, deren Bob schon jetzt komplett den Geist aufgegeben hat oder deren Gefährt schneller war als sein Fahrer.

„Ratzeputz“ in der Dammkarhütte

Der letzte Hang zur Dammkarhütte wird dann noch mal spannend: Ohne Schnee wird das Geröll hinunter gefetzt. Wortwörtlich, denn wenn ein Bob bis dahin noch überlebt haben sollte, ist er spätestens jetzt hinüber. Nass, aber glücklich und unversehrt kommt die Bruderschaft an der Dammkarhütte an. Dort wartet bereits Wirt Leo Reindl auf die wortwörtlich feucht-fröhlichen Berg-Kameraden.

Zur „Generalversammlung“ haben die beiden Vorsitzenden Josef Hörmann und Christian Sailer natürlich traditionell ihr Trachten-Seidentuch dabei. Nach einer Runde „Ratzeputz“ – ein hochprozentiges Kultgetränk, das der ehemalige Wirt „Tschulli Heini“ (Heinrich Hornsteiner †) auf der Hütte eingeführt hatte, bestätigten die Brüder die Vorstandschaft im Amt. Hörmann und Sailer werden auch künftig die Riege anführen, Schriftführer bleibt Johannes Hessler und Kassier Franz Fütterer. Beisitzer wurde Hardi Hofbauer. Nach einem dreifachen Zipfelbob ging es für die Burschen hinab ins Tal, wo im Gasthof Postkeller auf den Höllenritt angestoßen wurde. 

Josef Hornsteiner

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