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Fertigt die neuen Skier für den Winter: „Schirurg“ Simon Witting mit seinen selbstgemachten Holzbrettern in seiner Keller-Werkstatt in Mittenwald. 

Weil er kein perfektes Paar für sich fand

Der Zode-Sima baut seine Ski selbst: Ein Mittenwalder „Schirurg“

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Skier sind sein Metier. Simon Witting ist nicht nur selbst eine begeisterter Powderfreund. Er baut seine zwei Bretter selbst. Mit seiner Liebe zum Detail hat er seit über vier Jahren großen Erfolg.

Mittenwald – Simon Witting (Zode) war immer schon ein Frühaufsteher. Sei es um einen Berg zu besteigen, eine Skiroute zu meistern oder um den Arbeitstag zu beginnen. Kein Wunder also, dass bereits um 6 Uhr das Licht in seiner kleinen Kellerwerkstatt in Mittenwald brennt. „Wenn ich nicht schlafen kann, steh’ ich manchmal sogar um 3 Uhr morgens schon hier“, sagt der Zode-Sima und lacht dabei. Hier stört er niemanden, ist allein in seinem Reich. Es riecht nach Holz und Öl. Auf einer selbst errichteten Werkbank positioniert er einen Ski-Rohling vor sich. Er hat sich eine Vakuum-Vorrichtung eingebaut, die den Ski ansaugt. Schraubzwingen braucht er also keine.

Diesmal werkelt er an Kirschholzbrettern. Einer von vielen Kundenaufträgen, die den Sommer über bei ihm eingehen. Rund 30 Stunden braucht er, um ein perfektes paar Skier zu fertigen. Sie werden nach Wünschen des Auftraggebers individuell beflockt. Natürlich auch für Werbezwecke. Den Kern sucht sein Kunde selbst aus. „Am beliebtesten sind die aus Carbon, aus Glasfaser oder Aramid.“ Witting liebt seine Arbeit. Vor mittlerweile vier Jahren wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit.

Witting suchte nach dem perfekten Ski für sich - vergebens

Simon Witting hat sich jetzt auf den Treppenbau spezialisiert.

Für diesen mutigen Schritt entschied sich der gelernte Kunstschlosser im Jahr 2014. 20 Jahre lang arbeitete er zuvor als Zimmerer bei der Firma Witting in Mittenwald. Die Idee, Skibauer zu werden, kam ihm während einer privaten Suche. Als die Bergfexe keinen passenden Ski für sich fand, der sowohl im Tiefschnee als auch auf der Piste was taugt, machte er sich kurzerhand selbst ans Werk.

„Als ich meine ersten Bretter machte, gefiel mir das so sehr, dass ich beschloss, das hauptberuflich zu tun.“ Diesen Schritt bereut er bis heute kein bisschen. „Es ist einfach schön, sein eigener Chef zu sein.“ Natürlich ist ihm klar, dass er die Arbeitsstunden nicht zu zählen braucht. „Aber es ist was anderes, ob ich in meine eigene Tasche arbeite oder für wen anderen.“ Dass sein Ein-Mann-Betrieb so hervorragend läuft, liegt aber nicht nur an seinem handwerklichen Geschick im Umgang mit Skiern. „Die fertige ich mittlerweile nur mehr neben her.“ Spezialisiert hat sich Witting nun auf den Holztreppenbau samt Geländer. Eine sehr zeitaufwendige Arbeit. „Da hab’ ich 250 Arbeitsstunden gleich mal zusammen.“ Einige Neubauten in Mittenwald tragen bereits seine Handschrift. Beliebt sind zudem seine Holz-Dekorationen, bei denen vom Tannenbaum über Weihnachtsstern bis hin zu Tiermotiven alles mit der Hand gefertigt wird. Um den stressigen Alltag eines Selbstständigen zu kompensieren, hat er sich ein ganz besonderes Hobby ausgesucht: Witting imkert für sein Leben gern. „Fünf Bienenvölker hab’ ich mittlerweile schon. Da freut sich seine große Familie. Denn von dem Honig bekommt jeder etwas ab.

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