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Eine Mittenwalderin muss sich vor Justitia rechtfertigen.

Frauen-Zoff in Mittenwald 

Gesicht und Dekolleté zerkratzt

Mittenwald - Wenn Frauen aneinander geraten, können schon mal die Fetzen fliegen. So geschehen im Juli 2015 in einer Wohnung in Mittenwald. Dafür kassierte eine der Hauptbeteiligten vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen eine Bewährungsstrafe.

Schrammen im Gesicht und am Dekolleté – das sind die Blessuren, die eine Brasilianerin (35) nach einer handfesten Auseinandersetzung mit einer Frau aus der Dominikanischen Republik (42) in einer Mittenwalder Wohnung davon getragen hatte. Deshalb zog sie nun vors Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen. Die vorbestrafte Angeklagte wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer viermonatigen Freiheitsstrafe – drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt – und 120 Stunden Sozialarbeit verurteilt.

Der Vorfall ereignete sich laut Staatsanwältin Luisa Schwermer am 7. Juli 2015. Kurz vor 22 Uhr läutet es an der Tür der Dominikanerin. Sie öffnet. Vor ihr stehen die Ex-Freundin aus Brasilien und deren Begleiterin. Der Anlass des nächtlichen Besuchs wird schnell klar. Die 35-Jährige macht der Frau in der Wohnung schwere Vorwürfe. Dabei geht es um den Mann (53) der Dominikanerin. Der lag – schwererkrankt an Tuberkulose – im Klinikum und starb kurze Zeit später daran. Statt dem Gatten zur Seite zu stehen, soll sie lieber in ihrer Heimat Urlaub gemacht haben – so die Anschuldigung der erzürnten Brasilianerin.

Doch die Besucherin legt an diesem folgenschweren Abend noch einen drauf. Ihr zufolge habe sich die Dominikanerin sogar im horizontalen Gewerbe betätigt. „Du hast Dich um Deinen Mann zu kümmern, Du bist mit ihm verheiratet, stattdessen gehst Du in ein Bordell, um als Prostituierte zu arbeiten“, soll sie der 42-Jährigen lautstark vorgehalten haben.

Prompt reagiert die beleidigte Adressatin – und zwar sehr heftig. Die aufgebrachte Frau geht der anderen an den Hals, zerrt sie an den Haaren und zerkratzt ihr mit beiden Händen Dekolleté und Gesicht. Was dieser anhaltende Schmerzen einbrachte.

Peter Rademacher, der Verteidiger der Angeklagten, bestätigte im Großen und Ganzen die Vorwürfe. Seine Mandantin jedoch ergänzte, dass sie von der Brasilianerin und von deren Begleiterin in der Wohnung überrascht worden und dann von ihr beleidigt worden sei. Erst daraufhin soll’s zum Handgemenge gekommen sein, in dessen Verlauf die andere dann Kratzwunden davontrug. Was die Dominikanerin inzwischen bedauert. „In meiner Wohnung war eben eine emotional sehr aufgeladene Atmosphäre entstanden.“ Inzwischen hat sie sich per Schreiben beim Opfer entschuldigt.

Die Staatsanwältin beantragte für die temperamentvolle Angeklagte, die bereits vor sechs Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung mehr als drei Jahre im Gefängnis saß und seither unter Führungsaufsicht steht, wegen vorsätzlicher Körperverletzung eine sechsmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Der Verteidiger hingegen sprach von einer „familieninternen Auseinandersetzung mit spontaner Reaktion“ und plädierte auf Bewährung.

Richter Paul Georg Pfluger folgte schließlich der Bitte des Anwalts.

Wolfgang Kaiser

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