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Zu wenig Personal: Sommer-Fahrbetrieb der Karwendelbahn ist gefährdet

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Von: Christof Schnürer

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Wie geht es mit der Karwendelbahn weiter? Jetzt fehlt’s auch noch an Personal. © Lory

Der Karwendelbahn läuft das Personal davon: Zum 31. Mai verfügt die Aktiengesellschaft nur noch über vier Mitarbeiter im Seilbahnbereich. Das geht aus einer Presse-Mitteilung des Unternehmens hervor. Der Start in die Sommersaison am 28. April steht demnach in den Sternen.

Mittenwald – Die Frühjahrsrevision bei der Mittenwalder Karwendelbahn ist am 27. April abgeschlossen. Einen Tag später soll der Start in die Sommersaison erfolgen – soll. Liest man die aktuelle Presse-Mitteilung der Aktiengesellschaft, die dem Tagblatt vorliegt, erscheint das mehr als fraglich. „Aufgrund der Kündigungen und des niedrigen Personalstands ist der Sommerfahrbetrieb derzeit nicht gewährleistet“, heißt es in dem Schreiben. Ab dem 31. Mai soll die Karwendelbahn laut Publikation „nur noch über vier festangestellte Mitarbeiter im Seilbahnbereich verfügen“. Für den täglichen Fahrbetrieb seien bereits vier Angestellte notwendig, „sodass bei einer Sieben-Tage-Woche der Personalstand nicht ausreichend ist“. Sollten noch Krankheits- oder Urlaubstage hinzukommen, „ist ein Fahrbetrieb möglicherweise auch über mehrere Wochen nicht möglich“.

Obendrein sucht das Unternehmen nach der Kündigung von Betriebsleiterin Birgit Bohne einen Technikchef samt Stellvertreter, einen Maschinisten sowie weitere Gondelführer. Wahrlich keine rosigen Aussichten bei der Karwendelbahn, bei der sich die Verantwortlichen Wolfgang Wilhelm Reich (Aufsichtsratschef) und Patrick Kenntner (Vorstand) von Hauptaktionärin Konsortium AG ohnehin seit Jahren mit der Marktgemeinde Mittenwald (zweitgrößte Anteilseignerin) in einer Dauerfehde befinden.

Karwendelbahn kreidet Lage dem Bürgermeister an

Deshalb verwundert es auch nicht, wem die Karwendelbahn-Bosse die Misere anlasten: „Der Bürgermeister Hornsteiner hat es mit seiner Strategie, die Karwendelbahn zu vernichten, sehr weit gebracht.“ Gleichzeitig schließen die Heidenheimer nach wie vor einen Verkauf ihrer Aktien an den Markt Mittenwald aus. „Auch die zweite Variante, auf die der Bürgermeister Hornsteiner spekuliert, die Karwendelbahn AG in die Insolvenz zu treiben und anschließend billig herauszukaufen, wird dem Bürgermeister nicht gelingen.“ Die Konsortium AG werde finanzielle Mittel der Karwendelbahn AG zur Verfügung stellen, um das Unternehmen zu stützen, „für den Fall, dass die Karwendelbahn AG gezwungen ist, ihren Fahrbetrieb einzustellen“.

Natürlich lässt sich der erneut massiv angegriffene Rathauschef Adolf Hornsteiner nicht so ohne Weiteres die Rolle des bösen Buben zuschieben. In einer Presse-Erklärung der Marktgemeinde wird ein anderer Schuldiger ausgemacht. „Es gibt für die lückenlose Aufrechterhaltung des Betriebs einen Verantwortlichen: den Vorstand der Karwendelbahn AG, Herrn Kenntner.“ Denn das Unternehmen sei gegründet worden zum Betrieb einer Bergbahn auf die westliche Karwendelspitze. „So steht es in der Satzung der Aktiengesellschaft.“

Selbstverständlich liege es an Vorstand Kenntner, das notwendige Personal für einen permanenten und sicheren Bahnbetrieb zu beschäftigen. „Jetzt muss man bei der Karwendelbahn eine neue Betriebsleitung suchen – und das liegt nicht am Markt Mittenwald, sondern an den Zuständen bei der Karwendelbahn.“ Es zeige sich einmal mehr, „dass Herr Kenntner der Verantwortung, einen Bergbahnbetrieb ordentlich zu führen, offensichtlich nicht gewachsen ist – oder diese Verantwortung nicht wahrnimmt.“ Schon lange will die Rathaus-Spitze Zweifel an Kenntners Eignung geäußert haben. „Jetzt zeigt sich, wie berechtigt die Sorgen des Marktes waren.“

Vorwurf der polemischen Stimmungsmache

Auch der Bürgermeister nimmt explizit Stellung: „Klar ist: Wenn die Karwendelbahn ihren Bahnbetrieb einstellen muss, weil der Vorstand seine Aufgaben nicht erfüllt, dann werden wir ihn zur Verantwortung ziehen.“ Weiter sagt Hornsteiner: „Es ist völliger Unsinn, wenn behauptet wird, der Markt Mittenwald würde den Bahnbetrieb sabotieren oder plane sogar eine ‚Vernichtung‘ der Karwendelbahn.“ Vielmehr sei deutlich erkennbar, „dass die Reich-Gruppe selbst weiter ganz unverfroren an der Zerschlagung der Karwendelbahn arbeitet“.

Denn laut Presse-Mitteilung sollen Reich und Co. „seit Monaten“ wissen, dass die Gebäudesubstanz und die Anlagensteuerung der Bergbahn selbst sofortiges und umfangreiches Eingreifen erfordern. „Diese Investitionen wurden offenkundig aber bisher nicht getätigt.“ Stattdessen beschäftige man sich bei der Karwendelbahn „lieber mit der Errichtung von Schwarzbauten, transportiert Whirlpools auf den Berg, verzettelt sich in sinnlosen Streitigkeiten mit Bergbahnaufsicht und Landratsamt und schafft ganz offensichtlich ein Klima, in dem niemand mehr bei der Karwendelbahn arbeiten will“.

Gleichzeitig wird den Vertretern der Reich-Gruppe vorgeworfen, „in den letzten Jahren mehrere hunderttausend Euro an Verlusten erwirtschaftet“ zu haben. „Und jetzt versuchen sie, mit durchsichtiger und polemischer Stimmungsmache dem Markt Mittenwald die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Wir weisen die gegen uns erhobenen Vorwürfe aufs Schärfste zurück“, unterstreicht Hornsteiner. „Auf unsere Anfragen zum Zustand der Bahn erhalten wir schon lange keine Antworten mehr von der Reich-Gruppe. Wir haben schon vor Jahren darauf hingewiesen, dass die Reich-Gruppe eine Zerschlagung der Karwendelbahn angekündigt hat und auch betreibt. Dieses Vorhaben hat man augenscheinlich nicht aufgegeben.“ Im selben Atemzug betont der Bürgermeister, „weiter um den Fortbestand der Karwendelbahn kämpfen“ zu wollen.

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