Die geplante Wohnanlage an der Albert-Schott-Straße in Mittenwald
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So soll die Wohnanlage an der Albert-Schott-Straße aussehen.

SPD-Räte skeptisch

Wohnanlage in Mittenwald: Zukunftsvision à la Tirol

  • vonChristof Schnürer
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Die Tiroler Investoren haben bei ihrer geplanten Wohnanlage in Mittenwald eine weitere Hürde genommen. Der Gemeinderat bewilligte die Bebauungsplan-Änderung.

Mittenwald - „Wir reden nicht von Zweitwohnungen?“ Eine Frage von Michael Altmann (CSU), die sich bei der geplanten Wohnanlage an der Albert-Schott-Straße (wir berichteten) regelrecht aufdrängt. Das sei nicht vorgesehen, versuchte Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) in der jüngsten Gemeinderatssitzung zu beschwichtigen. „Und wer garantiert uns das? “, hakte dessen Parteifreundin Bärbel Rauch nach. Schweigen im Walde. Kurt Stransky (CSU) brachte es am besten auf den Punkt, als er in die Runde warf: „Selbst wenn da Zweitwohnungen entstehen, haben wir es nicht in der Hand.“Trotz dieser berechtigten Zweifel votierte das Gremium mit 17:3 Stimmen für eine Änderung des Bebauungsplans. Das wiederum ist die Grundlage für die Investoren aus Tirol, auf dem 2178 Quadratmeter großen Grundstück drei holzummantelte Häuser zu realisieren. Zwei von ihnen sind 18,4 mal 12,4 Meter groß, das andere misst 18,7 mal 16,2 Meter. In jeweils vier Stockwerken sind 24 überwiegend Zwei- und Dreizimmer-Wohnungen vorgesehen. Erschlossen werden sie über eine Tiefgarage und einen innen liegenden Verbindungstrakt.

Viel Platz für Grün bleibt bei dem Projekt der arctos-Immobilien-GmbH, einer 100-prozentigen Tochterfirma der nordweis-Unternehmensgruppe, also nicht. Wobei nordweis-Sprecherin Lisa Weithaler unterstreicht: „Die offen gestaltete und begrünte Erschließungszone als funktionales Verbindungselement zwischen den einzelnen Baukörpern wird mit unterschiedlichen Pflanzenarten berankt, vermittelt Naturnähe, und zugleich entsteht ein angenehmes Mikroklima.“ Weiter meint Weithaler: „Somit wird ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen.“ Könnte auch aus einem Hochglanz-Werbeprospekt stammen.

Ein Fremdkörper

SPD-Gemeinderätin Ursula Seydel

Ursula Seydel (SPD) können die Tiroler Bau-Visionäre nicht überzeugen. „Ein Fremdkörper“, findet die Architektin das, was auf jenem innerörtlichen Areal entsteht, das einst erst das Hotel Erdt und dann (ab 1992) das Altenheim Phönix jahrzehntelang beheimatete. Seydel stört sich an der „extrem komprimierten Bauweise“. Drei Gebäude hält die Sozialdemokratin für „viel zu überdimensioniert“. Ihr zufolge sind die Häuser „vielleicht schön, aber nicht mittenwalderisch“. Auch ihre Fraktionskollegin Rauch sieht in der „kleinteiligen Struktur schon ein Problem“.

CSU-Mann Stransky wiederum bereitet etwas anderes Magenschmerzen: 24 Stellplätze für 24 Wohnungen. Viel zu wenig, findet der Gemeinderat. „Dann stehen zwölf Autos auf der Straße.“

„Eine Wohnung, ein Stellplatz“, teilte ihm Marktbaumeister Ralf Bues mit, der in diesem Zusammenhang auf die bestehende Garagenverordnung verwies. Gefahr von Zweitwohnungen und viel zu wenig Parkmöglichkeiten für die Hausinsassen – diese beiden Punkte konnten während der Sitzung partout nicht entkräftet werden.

Und was sagen die Tiroler Investoren? Zunächst einmal preist Unternehmenssprecherin Weithaler den Gedanken eines „ganzheitlichen und nachhaltigen Wohnungsbaus“. So richtig in die Tiefe will die PR-Frau nicht gehen. Doch für wen bauen nun eigentlich die Tiroler? „Das Angebot richtet sich an Menschen, die Entscheidungen auf dieser zukunftsorientierten Grundlage mit Weitblick aufbauen, insbesondere natürlich unter anderem an Eigennutzer aus der Region.“ Doch ob sich diese den Traum der Nachhaltigkeit leisten können, steht auf einem ganz anderen Papier. Gleichwohl will Weithaler „eine positive Resonanz“ wahrgenommen haben. Wenig Greifbares, viel Unverbindliches, was da vom Seefelder Plateau herüber dringt.

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