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Die schönste Warmblut-Stute Bayerns kommt aus Mittenwald - Zunterer fährt Rekordergebnis ein

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Von: Josef Hornsteiner

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Stolze Sieger (2.v.l.) Caroline Back (Leiterin Gestüt Schwaiganger), Josef Zunterer, Dr. Eberhard Senckenberg mit Ministerialrat Dr. Georg Beck (l.) und einem Vorführer vom Team Anton Schindele mit Antoinette.
Stolze Sieger (2.v.l.) Caroline Back (Leiterin Gestüt Schwaiganger), Josef Zunterer, Dr. Eberhard Senckenberg mit Ministerialrat Dr. Georg Beck (l.) und einem Vorführer vom Team Anton Schindele mit Antoinette. © Hubert Fischer

Er hat nun ganz offiziell die schönste Warmblut-Stute Bayerns: Josef Zunterer aus Mittenwald hat mit seiner Antoinette sogar einen Rekord bei der Landesschau in München-Riem geknackt: Sein Pferd erhielt eine Wertung, die es noch nie zuvor in Bayern gegeben hat.

Mittenwald/München-Riem – Glauben kann er es immer noch nicht ganz. Das Ergebnis muss erst sacken, ehe es Josef Zunterer wirklich begreifen kann. Seine Antoinette ist die Nummer eins, die ungeschlagene Spitze im gesamten Freistaat. Die dreijährige Stute ist eine Rekordhalterin: Ihre Traumnote von 9,0 (Maximum ist 10,0) hat es in Bayern noch nie gegeben.

Noch nie ist ein Warmblut bei der Landesschau in München-Riem so hoch bewertet worden. Noch nie hat ein Tier so nah an Perfektion gegrenzt. Zunterer hat es gemeinsam mit Züchter Dr. Eberhard Senckenberg geschafft und die Konkurrenz überrascht – und das, obwohl er zum allerersten Mal mit Warmblütern angetreten ist.

Zunterer sitzt in seinem Büro vor dem Computer, klickt immer und immer wieder die Bilder des Auftritts seines Pferdes durch. „Ich könnte mir das stundenlang anschauen“, sagt er lächelnd. „Dieser Aufbau, dieser Gang. Sie trabt nicht, sie schwebt.“ Antoinette heißt die schneidige Dame, die Zunterer so ins Schwärmen bringt. „Sie ist einfach perfekt.“ Mit ihr ist er nun ganz offiziell der Besitzer der schönsten Stute in ganz Bayern. „Das ist ein Wahnsinn“, sagt er, immer noch völlig baff.

Mittenwalder Pferdezüchter hat nicht nur Talent und Instinkt, sondern auch eine satte Portion Glück

Doch muss diese Erfolgsgeschichte von vorne erzählt werden, um ihr gesamtes Ausmaß zu begreifen. Um zu verstehen, dass der Mittenwalder Pferdezüchter nicht nur Talent und Instinkt hat, sondern auch eine satte Portion Glück.

Perfektion auf vier Hufen: Stute Antoinette beim Schaulaufen in München-Riem.
Perfektion auf vier Hufen: Stute Antoinette beim Schaulaufen in München-Riem. © Hubert Fischer

Sie beginnt mit einem Anruf von Senckenberg, dem ehemaligen Landstallmeister und bis 2018 Leiter des berühmten Haupt- und Landgestüts Schwaiganger. „Magst mitfahren, ich würde mir gerne ein paar Hengstfohlen in Niederbayern anschauen?“ Zunterer soll ihn begleiten. Die beiden verbindet seit Jahrzehnten eine tiefe Freundschaft. Eher beiläufig sagt Zunterer zu. Warmblüter – zu denen soll die Fahrt gehen – interessieren den Mittenwalder eigentlich nicht. Seit fast 37 Jahren züchtet er die großen, mächtigen Kaltblüter. Fuhr mit ihnen große Erfolge ein, ist stolzer Kutscher des Paulaner-Brauerei-Gespanns am Münchner Oktoberfest, ist mit Größen wie Paulaner-Chef Andreas Steinfatt per Du. Der Freundschaft wegen fährt Zunterer trotzdem mit.

Bei dem Gestüt nahe Passau entdeckt Zunterer seine Liebe fürs Warmblut

An dem Tag ändert sich alles, als Zunterer das Gestüt in einem Ort bei Passau erreicht. Die Warmblüter haben es ihm angetan: „Ich bin begeistert. Ich kauf eine.“ Kleopatra war die Erste, die er in Niederbayern erstand. Kurz danach erwarb er vom Landgestüt Schwaiganger Glücksfee und Siegerin Antoinette – letztere aber aus einer Laune heraus, „weil sie gut zu der anderen passt“, hat er sie eher beiläufig erworben – ohne auch nur ansatzweise zu wissen, welch großartigen Erfolg sie ihm eines Tages bescheren wird.

Nun hatte der Pferdezüchter drei bildschöne Fohlen, „aber auch überhaupt keine Ahnung von Warmblütern“, sagt er lachend. Deshalb schließt er mit Senckenberg einen Deal: Er kann sich mit 50 Prozent an Glücksfee beteiligen, dafür muss der ehemalige Landstallmeister ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. Schließlich unterscheidet sich die Zucht zwischen Warm- und Kaltblüter erheblich. Eingeschlagen.

Dr. Eberhard Senckenberg beeindruckt mit mutiger Züchtung

Rückblickend hatte Zunterer mächtig Glück. Die drei Stutenfohlen stammen aus Senckenbergs Zucht. Eine mutige Kreuzung, wie es sich nur wenige trauen: Halb Trakehner, halb Springross. 25 Jahre lang hat Senckenberg auf diese Züchtung hingearbeitet, sie perfektioniert. „Eine außergewöhnliche Zuchtentscheidung“, sagt Richter Dr. Matthias Görbert. „Wenn Sie mich gefragt hätten, ob man die Anpaarung machen soll, hätte ich Nein gesagt“, gesteht das Jury-Mitglied.

Doch war Senckenberg 2018, als Zunterer die Tiere erwarb, nicht mehr Leiter des Gestüts. Auch eine Nachfolge war über Monate hinweg nicht in Sicht. „So hatte ich überhaupt erst die Möglichkeit, die beiden zu kaufen.“ Zunterer ist sicher, dass er sie ansonsten nie erwerben hätte können, sondern dass sie am Gestüt Schwaiganger geblieben wären. Das Schicksal treibt eben manch seltsame Blüten.

Zunterer hegte und pflegte mit seinem Enkel Lukas drei Jahre lang die Warmblut-Stuten - mit Erfolg

Doch durfte sich Zunterer seither stolzer Warmblut-Besitzer nennen – zu den 22 Rössern, die er besitzt. Drei Jahre lang hegte und pflegte er die Tiere – mittlerweile hat er drei der Stuten, Glücksfee, Antoinette und Kleopatra – gleich wie seine Kaltblüter. „Ich gebe ihnen nie Kraftfutter, außer zur Belohnung.“ Auf den Wiesen des Mittenwalder Riedbodens entwickelten sie sich prächtig. Der erfahrene Züchter sah von Woche zu Woche, dass die Bewegungen des Trios immer filigraner, immer stattlicher wurden. Er spürte, dass er etwas Hervorragendes heranwachsen sieht. Tatkräftig geholfen hat ihm Enkel Lukas. Der 18-Jährige kümmerte sich liebevoll um die Tiere.

Schon Tage vor der Landesschau ist Zunterer nervös. Es darf jetzt nichts mehr passieren, kein Pferd stolpern und sich verletzen. Die Tiere zogen bereits vor der Schau alle Blicke auf sich: Seine drei Warmblüter und die Kaltblüter-Stute Romina sind ein Augenschmaus. Doch zieht besonders Antoinette die Zuseher in ihren Bann. „Die gewinnt hundertpro“, sagt einer zum Mittenwalder.

Traumergebnis schlägt alle Rekorde

So war es auch. Unter 55 angetretenen Stuten kamen 19 in den Endring, das Finale. Antoinette siegt mit 9,0. Glücksfee wird dritte als Reservesiegerstute mit 8,3. Die andere beiden sind ebenfalls hervorragend mit 7,9 und 7,3. Das Fazit: „Hochverdient“, sagt Görbert. „Die Stute Antoinette hat außergewöhnlichen Ausdruck, Typ, Brillanz, dazu Weiblichkeit und einen tollen Bewegungsablauf.“

Eine Bewertung, die selbst den erfahrenen Züchter Senckenberg staunen lässt. Er habe bereits fünf seiner gezüchteten Warmblüter bei der Landesschau auf dem Treppchen gesehen. „Doch ich hab’ mich noch nie so gefreut, wie jetzt für den Sepp.“

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