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Geballte Staatsmacht: Die Polizei ist gewappnet für die nächsten Krawalle

Zwei Mittenwalder berichten vom G20-Gipfel 

Hamburger Höllennächte

Mittendrin im Inferno – anders kann man den Spezialeinsatz der Mittenwalder Fabian Rössler und Peter Reindl beim G20-Treffen in der Hansestadt nicht bezeichnen. Zurück in der beschaulichen Heimat berichten die beiden von ihren Eindrücken während der Gewaltorgie im berüchtigten Schanzenviertel.

Mittenwald„G7 in Elmau war ein Kindergeburtstag.“ Da sind sich Peter Reindl und Fabian Rössler einig. Sie haben am Wochenende den G20-Gipfel in Hamburg dokumentiert, die Demonstrationen linker Fanatiker am eigenen Leib erfahren, als sie in vorderster Front in einen Stein- und Flaschenhagel gerieten – zwischen Wasserwerfer und Pfefferspray.

Teilweise sind die zwei Mittenwalder immer noch sprachlos. Am Montagabend, kurz vor 22.30 Uhr, kommt Rössler in die „Kneipe“. Ein Bier genehmigt er sich noch, zu viel ist passiert in den vergangenen Tagen. Er wirkt müde, muss noch tausende Fotos sichten und bearbeiten. In der Heckscheibe seines Toyotas klebt ein kleines Plakat mit der Aufschrift „Danke an alle Einsatzkräfte“. Ein wenig überrascht es ihn dann doch, dass sein Gefährt noch fahrtüchtig ist und nicht in Flammen aufging wie so vieles in Hamburg während des Gipfels.

„Wir haben viele der Randalierer hautnah erlebt“, erzählt Rössler. Selbst er, der sich seit Jahren intensiv mit den politischen Großveranstaltungen der Welt befasst, ist über der Brutalität der Linksextremisten entsetzt. „Die meisten waren junge, wohl betuchte Erwachsene“, schildert der Mittenwalder seine Erfahrungen. Viele Studenten waren unter den Krawallmachern, die „sicher in einigen Jahren in Anzügen stecken und in Hochhäusern gut bezahlte Jobs haben werden“. Er muss lachen, wenn er an die vermeintlichen „Kapitalismusgegner“ denkt. „Für die ist das wohl einfach nur Krawalltourismus“. Ihm tun die Hamburger leid, die nun deren ganzen G20-Dreck aufräumen dürfen.

Nur wenige Stunden zuvor sah das noch ganz anders aus, und Rössler macht keine Umschweife: „Das war Krieg!“ Und das auf engstem Raum. Dort, wo die Staats- und Regierungschefs tagten, brannte nur wenige „Steinwürfe“ entfernt ein ganzes Stadtviertel. „Sie haben sogar vor den Hotels Wurfgeschosse gefunden.“ Genauso kontrastreich war für Rössler und Reindl der Gipfel an sich. Sie teilten sich auf an den heißen Tagen. Rössler war bei den Staatsgästen, Reindl mitten im Tumult. Auf der einen Seite wurden „eher gelangweilt Konzerte von Wagner gehört“, auf der anderen Seite „Brandsätze auf Polizisten geworfen“. Gegensätzlicher geht’s nimmer – „besonders im Vergleich zum Treffen in Schloss Elmau“.

Die vorrangig von linker Seite propagierte Polizeigewalt gegen die Medien kann Rössler nicht bestätigen. „Es war sogar ein sehr kooperatives Miteinander in Anbetracht der angespannten Lage.“ Doch wer tatsächlich von der Presse war und wer einfach nur schaulustig oder den extremen Lagern angehörte, war während der Krawalle sowieso nicht auszumachen: „Neben mir stand ein südamerikanischer Kollege, der uns grinsend ein Foto zeigte, auf dem ein blutüberströmter Polizist zu sehen war, der ein Wurfgeschoss abgekommen hat“, sagt Reindl bitter. Als allerdings das schwerbewaffnete Spezialeinsatzkommando (SEK) ins Schanzenviertel anrücken musste, machten sich die beiden vom Acker. „Wir sind in eine Kneipe und verfolgten das Geschehen im Fernsehen.“ Die Stimmung war „sehr bedrückt“, erinnern sich die beiden. Der Wirt – ein alteingesessener „Schanzer“ – war fassungslos gegenüber der Gewalt in seinem Viertel. „Sie tun mir leid“, meint Rössler. Die Wut sei auch dort groß gewesen, „Die ganze Welt kommt zum Steine werfen.“ Gebildet hat sich laut Rösslers Recherchen der sogenannte schwarze Block, von dem die meiste Gewalt ausging, in einem der umstrittenen Protestcamps. Deckung erhielten sie „durch die Masse der Demonstranten, die sich nicht von ihnen distanziert haben“.

Nun arbeiten die Mittenwalder an einem weiteren Bildband über das Gipfeltreffen und visieren bereits den G7-Gipfel im kanadischen Québec 2018 an – die beiden können’s einfach nicht lassen.

Josef Hornsteiner

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