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Verlassene Gaststätte: Jugendliche steigen öfter in den Gasthof Zur Blauen Traube ein.

Das sagt die Polizei

Asylbewerber unter Verdacht: Gruppensex mit Minderjährigen?

Scharnitz - Diese Schlagzeilen in einem österreichischen Boulevardblatt haben für mächtig Gesprächsstoff gesorgt. Im verlassenen Scharnitzer Gasthaus zur Blauen Traube sei es zu sexuellen Handlungen mit Minderjährigen gekommen.

Isabella Blaha kocht vor Wut. Unzählige Anrufe gehen bei der der Bürgermeisterin von Scharnitz ein, zahllose Emails füllen den digitalen Postkasten. Darunter viele Drohungen, die meisten davon „mehr als grenzwertig“. Eine „ganz besonders ekelhafte“ leitete sie bereits an sämtliche Behörden weiter. Ein Anrufer aus Vorarlberg stellte sie außerdem lauthals am Telefon zur Rede, ob sie es nicht schaffe, „die Sicherheit für ihre Kinder im Ort zu gewährleisten“.

Begonnen hat das alles mit einem Bericht eines österreichischen Boulevardblatts. Die Schlagzeile: „Asylwerber bei Gruppensex mit Mädchen erwischt – ein Hausbesorger, der sie ertappte, musste sich mit Pfefferspray wehren.“ In den sozialen Netzwerken machte die Geschichte schnell die Runde. „Sie wurde sehr aufgebauscht in den Medien“, versichert Bezirkspolizeikommandant Christoph Kirchmair aus Innsbruck.

Drei Mädchen und vier Burschen waren leichtbekleidet

Anlieger hätten seit Längerem bemerkt, dass sich auf dem alten Anwesen des ehemaligen Gasthauses Zur Blauen Traube Jugendliche treffen und in das Gebäude einsteigen. Das Grundstück gehört seit Jahren der Scharnitzer Raiffeisenkasse. „Die Anwohner riefen eines Tages den Hausmeister an, um nach dem Rechten zu sehen.“ Dieser erblickte laut dem Kommandanten drei Mädchen und vier Burschen. Ob der Hausmeister die sieben Jugendlichen an diesem Apriltag jedoch in flagranti bei sexuellen Handlungen erwischte, kann Kirchmair nicht bestätigen. „Feststeht, dass sie leichtbekleidet waren.“ Auch ein Angriff auf den Hausmeister ist nicht nachweisbar. „Einer der Burschen stand auf und ging in Richtung des Mannes, der daraufhin ein Pfefferspray einsetzte.“ Die Jugendlichen flüchteten, der Hausmeister verständigte die Polizei. Die Mädchen sollen zwischen 14 und 15 Jahre alt gewesen sein, die Asylbewerber laut Augenzeugen über 20.

Polizei geht nicht von Vergewaltigung aus

„Wir haben daraufhin mit jugendlichen Mädchen aus Scharnitz gesprochen“, sagt Kirchmair. Schließlich fielen drei Namen von Personen, die sich zu jenem Zeitpunkt in der verlassenen Gaststätte aufgehalten hätten. Das Trio jedoch behauptet, es wäre „nie dort gewesen“. Auch im nahegelegenen Scharnitzer Asylbewerberheim konnten keine Tatverdächtigen ausfindig gemacht werden. „Daraufhin haben wir alle Ärzte im Umland kontaktiert, ob Mädchen bezüglich des Vorfalles bei ihnen waren.“ Die Antwort war jedoch negativ. Da sich die Betroffenen auch nicht anonym bei der Polizei meldeten und bis heute keine Anzeige bei ihnen einging, geht Kirchmair von keiner Vergewaltigung aus. „Es scheint alles im Einvernehmen passiert zu sein“. Somit habe die Polizei keinen konkreten Hinweis, dass es sich um ein Strafdelikt handelt. Dass die Burschen bereits über 20 waren, sei auch nicht nachweisbar, zumal sich im Scharnitzer Flüchtlingsheim auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufhalten.

Josef Hornsteiner

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