Ein Blick nach Tirol und zu den Bürgermeister-Wahlen

Keiner traut sich gegen Frießer

Seefeld - Bei den Bürgermeister-Wahlen in Seefeld läuft’s auf eine Ein-Mann-Show hinaus. Keiner wagt es offenbar, den WM-Bürgermeister Werner Frießer herauszufordern.

Werner Frießer hat vor der Kommunalwahl gut lachen.

Vor zwölf Jahren stürzte der damalige Jungspund Werner Frießer mit Erwin Seelos ein Denkmal vom Sockel. 28 Jahre regierte dieser beinahe schon patriarchenhaft die Tiroler Nachbargemeinde Seefeld. Niemand konnte sich seinerzeit so recht vorstellen, dass König Erwin einmal vom Thron vertrieben werden könnte. Doch am 21. März 2004 erfolgte ein politisches Erdbeben auf dem Plateau: Der 33-jährige Croupier Frießer (57,2 Prozent) triumphierte in der Stichwahl tatsächlich gegen den 63-jährigen Dauer-Regenten (42,8), der das Zepter seit 1986 fest in seinen Händen hielt.

Die Seefelder wollten damals offenbar den Wechsel, da half auch die bayerische Wahlkampfhilfe aus Mittenwald nichts. Der dortige Rathauschef Hermann Salminger hatte sich via Zeitungsinserat klar für seinen Duzfreund Seelos ausgesprochen. Am Erdrutsch-Sieg Frießers konnte das aber nichts ändern.

Seit zwölf Jahren regiert der Ingenieur-Magister nun schon in Seefeld. Mittlerweile sitzt er bombenfest im Sattel. An seiner Wiederwahl bei den Tiroler Kommunalwahlen am 28. Februar zweifelt niemand. Denn ein Gegenkandidat ist weit und breit nicht in Sicht. Bis 5. Februar kann es sich noch ein Mutiger überlegen, dann nämlich müssen allerspätestens die Listen eingereicht worden sein.

Die Stimmung im Ort ist nicht zuletzt durch den Zuschlag für die Nordischen Skiweltmeisterschaften 2019 absolut Pro-Frießer. Das spürt auch der Amtsinhaber, doch zugeben will er das nicht. „Man kriegt schon sehr viel Lob“, meint der Bürgermeister mit vornehmer Zurückhaltung. In diesem Zusammenhang betont er die „sehr konstruktive“ Atmosphäre, die in den zurückliegenden sechs Jahren im Gemeinderat herrschte.

Dort sind die Mandate derzeit folgendermaßen verteilt: Sieben Sitze für die Bürgerliste, sechs für die Bürgermeister-Gruppierung „Seefeld bewegen“, jeweils ein Vertreter gehört „Wirtschaft und Tourismus für Seefeld“ beziehungsweise „Next Generation“ an. Beim Urnengang in gut sechs Wochen geht diese junge Liste gemeinsam mit der Frießer-Partei ins Rennen – unter deren Namen „Seefeld bewegen“.

Schon bei der Wahl 2010 musste sich der Bürgermeister vor keinem Gegenkandidaten fürchten. Damals votierten 73 Prozent für eine zweite Amtszeit von Frießer. Das Besondere dabei: Erwin Seelos, der gestürzte Rathaus-Chef von 2004, gab nach sechsjähriger Pause ein politisches Comeback und zog für seine Bürgerliste wieder in den Gemeinderat ein. Ein komisches Gefühl für seinen Nachfolger. „Anfangs war ich schon ein bisschen gespannt“, räumt Frießer ein. Doch sein Vorgänger entwickelte sich zwar zu einem kritischen, aber ebenso konstruktiven Gesprächspartner. Inzwischen, glaubt Frießer, habe sich daraus sogar ein respektvolles Miteinander entwickelt. „Wir schätzen uns sehr.“

Eine gute Stimmung ist auch dringend nötig – drei Jahre vor dem Mega-Ereignis Ski-WM. Dafür muss der künftige Gemeinderat wichtige Projekte auf den Weg bringen wie den Loipen-Bau, deren Beschneiung, die Sanierung der WM-Halle und des Bahnhofs sowie die Realisierung eines Ski-Stadions mit zum Teil temporären Tribünen plus Infrastruktur.

Da braucht’s gute Nerven und Durchhaltevermögen beim Verantwortlichen im Rathaus. Und das wird Werner Frießer sein, falls es am 28. Februar nicht wieder ein politisches Erdbeben wie 2004 gibt

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