Deutliche Worte findet Anton Sprenger bei der denkwürdigen Sitzung im Hotel Post. foto: hornsteiner

Dicke Luft bei Dorferneuerern

Wallgau - Paukenschlag in Wallgau: Fünf Mitwirkende haben der zentralen Arbeitsgruppe den Rücken gekehrt. Dabei kritisieren sie Bürgermeister und Gemeinderat scharf.

Wolfgang Behling, Basti Eiter und Hans Hufer haben die Nase gestrichen voll. Gemeinsam mit zwei weiteren Wallgauern sind sie am Donnerstagabend offiziell aus der Arbeitsgruppe „Alpenraum und Tagespflege“ ausgestiegen. Seit drei Jahren ist die Arbeitsgruppe dabei, für das verwaiste, gemeinde-eigene Anwesen „Kirchenböbl“ am Dorfplatz eine neue Verwendung zu finden.

„Wir fühlen uns im Stich gelassen“, betonte Behling gleich zu Beginn der Sitzung im Hotel Post. Als Gründe nennt er vor allem „fehlende Kommunikation“ - in erster Linie mit der Bevölkerung. „Die Wallgauer wissen nicht, wie viele Stunden Arbeit investiert, wie viel hunderte Ideen und Visionen von uns in mühseliger Kleinarbeit analysiert und diskutiert wurden." Diese Bemühungen seien in der Bevölkerung allerdings nie angekommen. „Dort wird nun gemunkelt, wir würden nichts tun.“

Für Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) ist der Informationsfluss eine Gratwanderung. Er wollte noch nicht an die Öffentlichkeit gehen, „solange die Konzepte nur halbfertig sind“. Doch genau dieses Ausharren wird ihm jetzt vorgeworfen. Denn auch eine Umfrage im Dorfkurier hätte bereits seit längerem publiziert werden müssen, wie ihm Anton Sprenger, Vorstandsmitglied der Teilnehmer-Gemeinschaft, vorwirft. Diese beinhaltet „Grundfragen und würde die Stimmung und Meinungen der Bürger zur Dorferneuerung einholen“.

Zahler wollte die Ausgabe um die Weihnachtszeit fertigstellen. „Es fehlte aber leider die Zeit, weil einige Dinge dazwischen kamen“, argumentierte der in die Schusslinie geratene Rathauschef. „Die Umfrage wird nun kommende Woche als Doppelseite im Wallgauer Dorfkurier erscheinen“, versicherte er. Er bedauert zutiefst das Ausscheiden der fünf Mitglieder: „Es steckt so viel Arbeit dahinter, da ist es schade, fünf Minuten vor Schluss hinzuschmeißen.“

Doch um was geht es überhaupt in dem Konzept Alpenraum? Sprenger gab hierauf nach kurzem Zögern eine Antwort. „Wir haben geplant, den Kirchenböbl in einen großen, offenen Raum zu verwandeln. Ein geselliger Marktplatz, wo Menschen sich treffen können und viel über unsere Region erfahren. Der Begriff Alpenraum deckt ein sehr breites Spektrum ab.“

Laut Sprenger sind dort der Fantasie keine Grenzen gesetzt: „Wir könnten eine Galerie einbauen, Ausstellungen oder Märkte organisieren. Auch ein kleines Museum sowie Werkstätten für altes Handwerk oder alpenländische Künstler könnten dort realisiert werden.“ Um den Spagat in die Moderne zu packen, schlugen er und seine Arbeitsgruppe auch „einen begehbaren Onlineshop“ vor. „Das ist heutzutage ohne großen Aufwand möglich.“

Das Grundgerüst für das Konzept „Alpenraum“ steht zwar, allerdings muss dieses auf Machbar- und Wirtschaftlichkeit analysiert werden. Wenn diese Untersuchung abgeschlossen ist, „wird sie dem Gemeinderat zur Vorstellung und Abstimmung vorgelegt“, informierte Zahler. Das Gremium erntete vorab jedoch harsche Kritik seitens der Mitglieder, die ihr Amt nun niederlegten: „Wir fühlen uns vom Gemeinderat im Stich gelassen“, schimpfte ein brüskierter Behling. „Gerade Mal 20 Prozent des Gemeinderats“ würden sich aktiv an der Dorferneuerung beteiligen. joho

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