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Wallgau verfallen ist Helga Rütten aus Düsseldorf. Seit 1983 kommt die Rheinländerin ins Obere Isartal. Dafür gibt's von Bürgermeister Hansjörg Zahler einen Blumenstrauß.

Treuer Gast zeigt sich spendabel

Eine Frau und ihr Herz für Wallgau

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Wallgau - Ihr Herz schlägt für ihre zweite Heimat Wallgau. Nun schenkt Helga Rütten aus Düsseldorf ihrem Dauerdomizil auch noch 7000 Euro.

Es war ein Test. Auf Empfehlung ihrer Schwester. „Sie hat immer so geschwärmt“, erzählt Helga Rütten und nippt in der Lobby des Parkhotels an einer Tasse Cappuccino. Also gut, dachte sie sich. Warum nicht? Die beiden quartierten sich im Hotel Post ein. Dass sie in diesen vier Tagen ihr Herz an Wallgau verlieren wird, damit hatte Rütten nicht gerechnet. Und schon gar nicht, dass sie dem 1400-Seelendorf eine üppige Geldspende machen wird.

Doch der Reihe nach. Angefangen hat alles im August 1983. Bis heute hält die Düsseldorferin ihrer Liebe die Treue. „Jedesmal, wenn ich die Straße vom Walchensee komme“, sagt sie und strahlt vor sich hin, „geht mir das Herz auf.“ Dann nämlich sieht Rütten den Ort, der es ihr damals so richtig angetan hat: Wallgau.

Jedes Jahr – oft viermal – hat sie von diesem Zeitpunkt an in der Isartaler Gemeinde Urlaub gemacht. Mit einer Ausnahme: „Notgedrungen auch mal in Mittenwald“, sagt sie augenzwinkernd. Immer mit ihrer Schwester. Bis diese vor zwei Jahren starb.

Beste Freundin kommt aus Wallgau

Jetzt kommt Rütten ohne Begleitung. So wie dieses Mal. „Hier ist mein zweiter Lebensmittelpunkt“, sagt sie und rückt sich ihre Brille mit hellblauer Fassung auf der Nase zurecht. Mittlerweile hat sie in Wallgau einen großen Bekanntenkreis, kennt viele bei ihren Spitz- oder Hausnamen und feierte auch schon ihren Geburtstag – mit 20 Musikern der Blaskapelle.

Das kann nicht jeder Gast von sich behaupten. Die Rheinländerin hat in dem Dorf aber nicht nur ihr Herz verloren, sondern 2003 auch etwas gefunden: ihre beste Freundin Andrea Schwaiger. „Wir sind durch den Neuner Hannes im Weinkeller ins Gespräch gekommen“, erinnert sich Rütten, die als Selbstständige im Immobilienhandel arbeitet. „Und dann haben wir einfach mal ne Wandertour gemacht.“

Bei einer ist es nicht geblieben. Dementsprechend kennt sie viele Isartaler Winkel wie ihre Westentasche. Helga Rütten, die sich selbst als absoluter Bayern-Fan bezeichnet, ist mehr als ein normaler Tourist. Noch heute besucht sie das Grab des früheren Posthalters Hans Neuner (1912 bis 2003), der ihr und ihrer Schwester immer frische Radieschen mitbrachte. „Die großen.“

Weiher an der Sonnleiten ist ihr Lieblings-Fleckchen

Fronleichnams-Prozessionen, Feuerwehr-Feste, die Natur und Idylle – für all das brennt die 65-Jährige. „Das taugt mia“, sagt sie in so etwas wie Hochdeutsch-Bairisch. Oder andersherum. Und ja, sie würde auch die CSU wählen, gibt sie zu. „Aber ich darf nicht.“ Trotz ihrer großen Verbundenheit zu Wallgau, dort hinziehen möchte sie nicht. Dafür fließt dann doch das Blut einer Frau aus der Großstadt in ihr. Einer Frau, die in der Düsseldorfer Altstadt wohnt, wo das Leben pulsiert.

Für Rütten wird Wallgau aber immer ein zweites Zuhause bleiben. Vor allem ein bestimmtes Fleckchen gefällt ihr besonders gut: der Weiher an der Sonnleiten. „Das ist der schönste Platz Wallgaus“, schwärmt sie. Theoretisch zumindest. Denn er braucht eine kleine Schönheitskur. Das hat die Düsseldorferin Ende des vergangenen Jahres aus dem Tagblatt erfahren, das sie abonniert, um auf dem Laufenden zu bleiben. Schnell fiel ihr Entschluss: Sie spendet der Gemeinde für das Vorhaben 7000 Euro. Eine Herzensangelegenheit für sie, ein „Weihnachtsgeschenk“ für Bürgermeister Hansjörg Zahler.

„Wir bräuchten mehr solcher Gäste“, scherzt der Rathauschef mit bekannt verschmitztem Lächeln. Als Dank überreicht er der Gönnerin im Parkhotel einen großen Blumenstrauß. Ein Abendessen während folgt noch. Dort können sie dann auch besprechen, wie es mit dem Weiher weitergeht. Denn Rütten würde sich gerne vom einheimischen Holzschnitzer Fritz Walter ein Kreuz oder eine Figur mit Widmung anfertigen lassen. Nicht etwa für Rütten selbst. Nein für ihre Schwester. Eine kleine Erinnerung an den Menschen, der sie mit Wallgau verkuppelt hat.

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