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Da kommt Freude auf: Dr. Edmund Stoiber (l.) erhält vom Mittenwalder CSU-Ortsvorsitzenden Rudi Haller ein liebevoll verpacktes Bier-Präsent.

Kritik an der Bundeskanzlerin blieb nicht aus

Edmund Stoiber feiert mit CSU Mittenwald 70. Gründungsfest

Mittenwald - Er kam, sprach und begeisterte: Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber redete beim 70. Gründungsfest der CSU Mittenwald Klartext - und erinnerte an seinen Mentor Franz-Josef Strauß.

Deutschland in Trümmern, Mittenwald von den Amerikanern besetzt. Viele hatten nach dem verlorenen Krieg und der Nazi-Barbarei die Nase voll, sich politisch zu engagieren. Trotzdem trafen sich an Weihnachten 1945 etwa 40 Mannsbilder, um über die Gründung eines CSU-Ortsverbandes zu diskutieren. „Es gehört Mut dazu, am Heiligabend eine christliche Partei zu gründen und so zu versuchen, die geschichtliche Katastrophe zu verdrängen“, sagt kein Geringerer als Dr. Edmund Stoiber. Der langjährige CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident (1993 bis 2007) besuchte am Donnerstagabend seine Parteifreunde, die in der Brauerei-Gaststätte Postkeller ihr 70. Gründungsfest feierten.

Die Geburtsstunde des Ortsverbandes schlug ersten Aufzeichnungen zufolge am 2. Januar 1946. Seinerzeit kürten 45 Gleichgesinnte Georg Neuner zum ersten Vorsitzenden. Gut zwei Wochen später kürten die Schwarzen in der TSV-Halle ihre Gemeinderats-Kandidaten. Acht von ihnen schafften den Sprung ins Rathaus, das bis 1952 von einem weiteren Christsozialen regiert werden sollte: von Hans Neuner („Hackl“), dem späteren Landtagsabgeordneten.

Unter ihm wuchs die Partei zur dominierenden Kraft in der Marktgemeinde. Mit Josef Brandner (1960 bis 1984) und Adolf Hornsteiner (seit 2008) stellte und stellt die CSU zwei weitere erfolgreiche Bürgermeister. Dass Kontinuität Trumpf bei den Karwendel-Schwarzen ist, untermauert Rudi Haller (56). Der pensionierte Stabsfeldwebel steht beim Ortsverband seit 1997 an der Spitze – und ein Ende beim „Ewigen Rudi“ ist offenbar noch lange nicht in Sicht.

Edmund Stoiber: „Wer hier leben will, soll sich einen Badeanzug anziehen“

Nun durfte Haller, der sich aktuell auf 127 Gleichgesinnte verlassen kann, im Postkeller CSU-Patriarchen Stoiber willkommen heißen. Als der 74-Jährige den Saal betrat, brandete erster Beifall auf. Der Applaus steigerte sich, als der CSU-Ehrenvorsitzende nach dem gemeinsamen Abendessen ans Rednerpult trat. In seinem Gastbeitrag zog der Mann aus Wolfratshausen durch messerscharfe Formulierungen, gepaart mit passender Gestik und Mimik, seine Zuhörer fast 80 Minuten in seinen Bann.

Natürlich durfte bei seiner Rückschau ein klares Bekenntnis zu seinem Mentor nicht fehlen. „Unser Franz-Josef Strauß hat diese Partei veredelt und an der Gestaltung Deutschlands mitgewirkt.“ Christentum und Humanismus bezeichnete Dr. Stoiber als CSU-Leitkultur. „Fremde müssen sich dieser anpassen, und Parteien rechts von der CSU darf es nicht geben.“ Auch in puncto Flüchtlingskrise und Integration hat Stoiber eine klare Meinung: „Wer hier leben will, soll sich einen Badeanzug anziehen“ – wieder großer Applaus.

Kritik gab es auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Grundsätze in der Flüchtlingsfrage zu ändern, um Rechtswähler zu bekommen, halte ich für ungut. Ich erinnere an die Stärke der BRD, alle Splitterparteien zu vereinen, und fordere die CSU auf, ihre Integrationskraft zu beweisen und zu behalten.“

Apropos Eingliederung: Eingangs hatte Haller betont, „dass wir mit der Integration von vielen jungen CSU-Wählern richtig liegen“. Dass die Attraktivität der Christsozialen in Mittenwald nicht von ungefähr kommt, dafür gibt es für Claudia Krüger-Werner, Kreisvorsitzende der Frauenunion, einen plausiblen Grund: „Ihr habt das Schwarze durch den Mohr ja schon im Ortswappen.“

Anerkennende Worte fand auch der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber – vor allem im Hinblick auf die rekordverdächtige, schnelle Gründung des Mittenwalder CSU-Ortsverbands 1946. „Die Männer wollten trotz der Greueltaten der Nazis eine christliche Partei gründen“, eröffnete der Bad Heilbrunner. Ihre tiefe Verwurzelung mit der Heimat und ihr Zukunftsblick waren so gut, dass diese innovative Politik mittlerweile das Fundament unserer CSU ist.“

Bürgermeister Adolf Hornsteiner, der vor acht Jahren in die Lokal kam wie die Jungfrau zum Kind, wiederum meinte: „Ich bin dankbar für diesen rührigen Ortsverband und ziehe meinen Hut vor der Leistung der Gründerväter. Für mich als Quereinsteiger ist das Amt des Bürgermeisters eine herausragende Lebenserfahrung. Wahlen und Reformen stehen an – vertreten wir gemeinsam unsere Interessen.“

Wolfgang Kunz

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