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Das Herz schlägt links: Bei dem Mittenwalder Enrico Corongiu trifft dies sogar in doppelter Hinsicht zu. Er fordert für die SPD Minister Alexander Dobrindt heraus.

Roter will schwarze Bastion stürmen

Ein Mittenwalder schreibt Ortsgeschichte

Mittenwald - Ein Bundestagskandidat aus Mittenwald – das hat es noch nicht gegeben. Obendrein will mit Enrico Corongiu (38) ausgerechnet ein Roter nach Berlin.

Die Mittenwalder haben’s in einem Jahr nicht leicht: Soll die Masse von ihnen mit ihrer Erststimme entgegen ihrer Überzeugung votieren, um einen der ihren zu küren? Die Rede ist von Enrico Corongiu, der am Samstag in Murnau zum SPD-Kandidaten für den Bundestagswahlkreis 226 (Garmisch-Partenkirchen und Weilheim/Schongau) nominiert worden ist. Denn jeder hierzulande weiß: schwarz, schwärzer, Mittenwald. Die CSU kann dort bei günstiger politischer Großwetterlage die 90-Prozent-Marke schrammen. Sozialistische Verhältnisse, unken die einen. Da ist die Welt noch in Ordnung, kontern die anderen. So oder so: Corongiu schreibt mit seiner Kandidatur Ortsgeschichte. Denn noch nie trat ein Mittenwalder für den Bundestag an.

Enrico Corongiu weiß, dass er auf dem steinigen Weg nach Berlin doppelt und dreifach so viel kämpfen muss wie ein Schwarzer. Noch dazu weil diese in seinem Stimmkreis stets Hochkaräter ins Rennen schickten – Franz-Josef Strauß, Michaela Geiger und jetzt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Doch Halbitaliener Corongiu scheut das Duell David gegen Goliath keineswegs. Im Gegenteil: „Das wäre doch schön, wenn ich der erste bin“, der als Roter für die Zugspitzregion in den Bundestag einzieht. „Der Wähler ist doch immer für eine Überraschung gut.“

Zumindest hat der Mittenwalder in den zurückliegenden vier Jahren eine beachtliche Entwicklung gemacht. 2012 in die SPD eingetreten, schaffte er bereits 2014 den Sprung in den Marktgemeinderat und in den Kreistag. Seit gut einem Jahr gehört der zweifache Familienvater – Tochter 17 Jahre, Sohn zehn Jahre alt – dem Vorstand der Oberbayern-SPD an. Das Wichtigste aber ist: Der smarte Isartaler mit dem südländischen Touch – neuerdings mit Vollbart – kommt bei den Leuten gut an. Viele schätzen seine Geradlinigkeit und Offenheit. Auch im Gemeinderat spricht Corongiu Dinge offen an und redet nicht um den heißen Brei. Ein chronischer Schweiger wie so mancher in dem Gremium ist der 38-Jährige keinesfalls.

Nach seiner Kür in Murnau hat er viele Glückwünsche erhalten – per SMS, WhatsApp und Facebook oder einfach telefonisch oder persönlich. Corongius Vater Nino, den es zwecks des Baus der Umgehungsstraße in den 1960er Jahren von Sardinien nach Mittenwald verschlagen hatte und der dort die Liebe seines Lebens fand, umarmte seinen Sohn als erstes. „Daran hätten wir beide wohl nicht gedacht“, flüsterte er dem Filius zu. Der einstige Gastarbeiter ist unendlich stolz auf seinen Sohn.

Dieser denkt bereits weiter. Demnächst will er in der Georg-von-Vollmar-Akademie Kurse in Rhetorik und Social Media besuchen. Denn mehr denn je gehört es zum politischen Alltag, Netzwerker zu sein. „Da ist vieles möglich“, glaubt Corongiu. Die nächsten Monate werden hart für die Familie. Aber er weiß seine Frau Kerstin an seiner Seite. „Ohne sie hätte ich das Ganze gar nicht begonnen.“

Christof Schnürer

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