65000 Euro Sachschaden

Fahranfänger verursacht Unfall mit Schwerverletzten - Gerichtsurteil milde 

Garmisch-Partenkirchen - Ein 18-Jähriger aus dem Isartal verursacht schweren Unfall mit vier Verletzten am Eschenloher Tunnel. Die Strafe fällt für den Fahranfänger relativ gering aus. 

Es war ein Horror-Unfall: Frontal prallten im August dieses Jahres an der nördlichen Einfahrt des Eschenloher Tunnels zwei Autos aufeinander. Die vier Insassen der beiden Pkw wurden teils schwer verletzt, drei im Suzuki-Geländewagen sowie der Fahrer des Mercedes 500. Damit nicht genug waren beide Autos schrottreif: Sachschaden 65 000 Euro. Und Schuld war der 18-jährige Isartaler, der ohne erkennbaren Grund auf die Gegenfahrbahn geraten war, direkt vor den Wagen des 60-jährigen Münchners, der in Richtung Garmisch-Partenkirchen fuhr. Die große Frage nach dem „Warum“ konnte freilich auch nicht geklärt werden, als das Amtsgericht über die Unfallursache des Isartalers zu befinden hatte, der erst wenige Monate vor dem Crash den Führerschein gemacht hatte. „Es ist mir völlig unerklärlich“, sagte er, „wie ich auf die Gegenfahrbahn geraten konnte.“ Trotz der Vernehmung aller Unfallbeteiligten fand sich keine schlüssige Erklärung. So verurteilte Richter Paul Georg Pfluger den den gut verdienenden Handwerkslehrling, der sich bei allen Beteiligten ausdrücklich entschuldigte und vom 60-jährigen Münchner sogar ein Lob für intensive Nachsorge bekam, wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldauflage von 500 Euro zugunsten der „Ärzte ohne Grenzen“. Zudem muss er 32 Sozialstunden ableisten und an einem Verkehrsunterricht teilnehmen. Anklagevertreterin Luisa Schwermer hatte 80 Sozialstunden und zwei Monate Fahrverbot beantragt.

Das schlimme Geschehen hatte sich laut Staatsanwältin am 8. August dieses Jahres gegen 17.15 Uhr am nördlichen Eschenloher Tunnelausgang ereignet. „Ich bin ganz rechts gefahren. Er kam auf mich zu. Ich hoffte, dass er mich schon sehen wird. Doch genau, als ich das dachte, schlug es auch schon ein...“, sagte der 60-Jährige als Zeuge. Mit vier Rippenbrüchen und einer kollabierten linken Lunge musste er in die Intensivstation des Klinikums. Schlimmer erging es den jungen Leuten im anderen Auto: Der Fahrer wurde vergleichsweise leicht verletzt, seine zwei Begleiter jedoch erlitten sehr viel schwerere Schäden, unter anderem einen Milzriss und eine Lendenwirbelfraktur.

Warum der Isartaler so urplötzlich auf die Gegenfahrbahn kam, das konnten weder er noch die Polizei aufklären: Sein Blut wies keine Spur von Alkohol auf. Die Frage nach möglichem Sekundenschlaf beantwortete Richter Pfluger selbst: „Dass dies zwar alles erklären könnte, jedoch unwahrscheinlich ist, denn erst kurz vor der Fahrt hat er noch getankt, es kann also kein Einschlafen gewesen sein.“ Möglicherweise traf auch die Vermutung von Verteidiger Franz Großhauser zu, es könne sich um ein „Augenblicks-Versagen, vielleicht einen Fahrfehler“ gehandelt haben, doch eine definitive Erklärung war nicht zu finden.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © picture-alliance/dpa Symbolbild

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