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Der moralische Zeigefinger wird von Pater Barnabas (Matthias Wurmer) nicht nur einmal erhoben.

Starkbier-Anstich in Mittenwald

Kräftig eingeschenkt und fleißig ausgeteilt

Mittenwald - Nockherberg-Stimmung im Postkeller: Mit einem Singspiel hat Mittenwald am Samstag den Beginn der Starkbierzeit eingeläutet und dem "Derblecken" gefrönt.

Ein Schlag und drin ist er – der Zapfhahn im Holzfass. „Naja, eher eineinhalb Schläge“, kommentiert Braumeister Markus Hirthammer lachend die Premiere von Bürgermeister Adolf Hornsteiner. „Schwungvoll war es zumindest“, sogar einen Bierkrug hat der Rathaus-Chef am Samstag beim Starkbieranstich im vollbesetzten Postkeller zerschlagen. Der „Mous’n-Adi“ zeigt sich ob der Einfachheit des Unterfangens fast ein bisschen enttäuscht. „Das nächste Mal brauch’ ich schon eine größere Herausforderung.“

Im Josefi-Bock-Bierdunst standen aber andere im Fokus, etwa Bruder Barnabas vulgo Matthias Wurmer. Bedächtig schritt der Fastenprediger ans Rednerpult. Mit Brille und Pfeife schmauchend begrüßte er das Publikum. Nachdem er Wort für Wort das bayerische Reinheitsgebot verlas, dem „ältesten Verbraucherschutzgesetz der Welt“, lüftete er das erste Geheimnis. Der Überhand nehmende Bier-Konsum in den bayerischen Klöstern im Mittelalter war dem Heiligen Vater ein Dorn im Auge. „Daraufhin wollte der Papst sich selbst von dem beliebten Gebräu überzeugen.“ Zwei Pater gingen daraufhin zu Fuß nach Rom. In der „sengenden Hitze der italienischen Sonne stand das Bier im Holzfass um und wurde schlecht“. Als das katholische Oberhaupt das Gebräu probierte, spuckte er es aus und gab den bayerischen Glaubensbrüdern „als Buße“ die strenge Auflage mit auf den Heimweg, dass die Pater „mindestens drei Maß davon täglich trinken müssen“. Die zwei wurden von Josef Schandl (Stuck) und Leonhard Brennauer gespielt, die sich im schwäbischen Dialekt herrlich über Papst Julius III. ausließen.

Zurück zu Pater Barnabas: Dieser erinnerte an das „herausgeputzte Krün“ während des G7-Gipfels und den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama. „Neben ihn setzten sie den kleinen Ferl (Anm. d. Redkation: CSU-Gemeinderat Alois Kramer junior)“, der zuvor noch ein paar Vokabeln hätte lernen müssen wie ,My name is Ferl and I’m a bio-farmer‘.“

Vier Worte hätte Obama dann im Ort verkündet: „Ick bin ein Krünerer.“ Einen „Schwarzen, der Weißbier trinkt und eine Weißwurst isst“, hätte es im Oberen Isartal „seit Franz Josef Strauß“ nicht mehr gegeben. Als Obama aber zu Schwächeln begann, habe Merkel ihm ermutigend ins Ohr geflüstert: „Barack, wir schaffen das.“ Worauf er „die dritte Weißwurst auch noch verdrückte“.

In Sachen Ortspolitik stellte Barnabas einen interessanten Vergleich mit einem Bierfass an. „Die Dauben halten das Fass zusammen, so wie der Gemeinderat.“ Der Reifen würde schließlich die Dauben zusammenhalten, „so wie der Bürgermeister“. Doch wenn nur eine Daube „nicht dicht hält“, gibt es enorme Probleme. Wie beim „langersehnten Hotelprojekt für Mittenwald“. Da hätte dem Pater ein Gemeinderat erzählt, er sei „eigentlich gar nicht dafür gewesen“. Doch letztlich habe er „trotzdem dafür gestimmt“, so Barnabas mit erhobenem Zeigefinger. Dadurch sei „Lob selten“ für die Volksvertreter. Das will Barnabas künftig ändern: „Immer zum 29. Februar werde ich künftig den Gemeinderat loben.“

Auch die drei Schäffler – gespielt von Matthias Klotz, Georg Brennauer und Max Jungkunz – machten sich Gedanken über Mittenwald. „Leider darf man im Ort ja nix sagen“, bedauerte das Trio. „Also singen wir es halt.“ So schlugen sie vor, sollte „kein Tourist mehr kommen“ wegen des „schiachen Betonklotzes auf dem Hallenbad-Areal“ (Anm. der Red.: geplantes Hotelprojekt an der Bahnhofsstraße), der „unser Ortsbild versaut“, dann könnte „Angela Merkel ja immer noch Asylbewerber hinein lassen“. Bruder Barnabas selbst griff dann ebenso zur Gitarre. Mit dem Satz „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, stieß er mit seinem Publikum an, dass an diesem Abend nicht nur am Bier eine wahre Freude hatte. Übrigens: Der Bürgermeister empfand das Singspiel als „sehr humorvoll“. Und für den nächsten Anstich würde er sicherlich „weiter trainieren“. Josef Hornsteiner

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