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Sechsfacher Goldgewinner: Hans Schober gehört zu den Gamsbart-Koryphäen.

Kunstwerke aus 40000 Haaren

Mittenwald im Gamsbart-Fieber

Mittenwald - Mittenwald wird wieder zum Olympiaort – am Wochenende findet die 28. Gamsbart-Olympiade statt. Die Vorfreude steht Organisator Hans Schober ins Gesicht geschrieben. 

Stolz dreht Hans Schober den Gamsbart im Licht an der kleinen Werkbank in seiner Stube. Sieht er von dort aus dem Fenster, erblickt er das Karwendelgebirge. Dort droben lebt jenes Tier, das ihm mit seinem Fell das wichtigste Material liefert – die Gams. Denn seit mehr als 40 Jahren bindet Schober aus den braunen Haaren Gamsbärte. „Meine zwei größten Bärte haben jeweils 22 Zentimeter Länge“, erklärt er. Eine arge Seltenheit. Denn: „So lange Haare muss man erst einmal finden.“

Wie viele Bärte er schon in seinem Leben gefertigt hat, weiß er nicht mehr. Bis ein solches Stück fertig ist, können bis zu 250 Stunden vergehen. Kein Wunder, muss so gut wie jedes einzelne der rund 40 000 Haare einzeln in die Hand genommen werden. Die Mühe aber lohnt sich, denn „so entstehen halt die prächtigsten Bärte“.

Nicht ohne Grund hat Schober bisher sechs Mal Gold in der Königsklasse (über 19 Zentimeter) bei der Gamsbart-Olympiade geholt. Heuer findet diese kultträchtige Veranstaltung zum dritten Mal in Mittenwald statt.

Im Jahr 1960 war die Suche nach dem schönsten Bart bereits „olympisch“. „Da geht’s ja zua, wia bei einer Olympiade“, soll der legendäre Spruch des damaligen Kurdirektors Karl Pilz vom Austragungsort Bad Goisern gelautet haben. Daran erinnert auch Bürgermeister Adolf Hornsteiner in seinem Grußwort. Das „war die Geburtsstunde der Gamsbart-Olympiade“, erklärt er. Nach einem gerichtlichen Vergleich „durfte trotz Einspruchs des olympischen Komitees dieser Begriff offiziell verwendet werden“.

2008 holte Schober den Hutschmuck-Wettstreit zum ersten Mal nach Mittenwald. 2012 wurde die Veranstaltung durch Schobers Hand noch reifer. Die „Medaillen“ wurden in filigraner Form durch eine holzgeschnitzte Geige getauscht und vom Südtiroler Jagdmaler Wendelin Gamper je nach Wertungsklasse mit Hirsch, Gams oder Dachs verziert. Auch die Anzahl und Vielfalt der eingereichten Bärte wuchs stetig.

So wurde vor vier Jahren sogar ein Hasenbart vom Tiroler Gottfried Gstrein aus St. Jodok eingereicht. Dafür erhielt er eine Extra-Urkunde außer Konkurrenz. „So etwas ist ganz, ganz selten“, erklärte damals Preisrichter Karl Hörmann, Obmann der sechsköpfigen Bart-Jury. Der Berufsjäger erweiterte sogar das Rahmenprogramm und bot geführte Wanderungen an.

„Eine interessante Exkursion zum Soiernhaus wird auch am morgigen Freitag wieder stattfinden“, versichert Schober. Das Interesse ist schon jetzt enorm. So gut wie alle Plätze in den Bussen zum Ausgangspunkt „Hundstall“ nahe der Fischbachalm sind seit Tagen reserviert.

Die eigentliche Olympiade findet am Sonntag statt. Dann darf der Hutschmuck abgegeben werden. Bewertet werden die Klassen Dachs-, Hirsch- und Gamsbärte. Ganz wichtig für Schober: „Es dürfen ausnahmslos alle mitmachen, die einen Bart zu Hause haben.“ Er hofft darauf, dass heuer mehr Einheimische bei dem Wettstreit mitmachen.

Stundenlang wird dann die Fachjury sich beraten, die aus drei bayerischen und drei Tiroler Kampfrichtern besteht. Das „ausgeklügelte Punktesystem von Lenz Matthias aus Berchtesgaden“ geht nach folgenden Kriterien: Allgemeiner Eindruck, Länge, Bund, Haarqualität, Reif und Dichte. Insgesamt wird es – je nach Größe des jeweiligen Bartes – acht Wertungsklassen geben. Hans Schober ist sicher wieder ganz vorne mit dabei.

Josef Hornsteiner

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