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Gemeinsamer Weg zur Verhandlung: Allerdings hatte Wolfgang W. Reich (r.) diesmal  Patrick Kenntner (l.) im Gerichtssaal nicht an seiner Seite. Letzterer wartete im Gang. 

So verlief die Gerichtsverhandlung in der Causa Sellmaier

Ex-Karwendelbahn-Vorstand Reich in der Beweispflicht

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Mittenwald/Garmisch-Partenkirchen - Die Fronten sind verhärtet. Mehr als das. Wenn es nach Wolfgang W. Reich geht, kehrt Betriebsrat Stefan Sellmaier nie mehr zurück zur Karwendelbahn. Der Heidenheimer erhob am Donnerstag vor Gericht schwere Vorwürfe.

Kurz und knapp war sie, die Güteverhandlung beim Arbeitsgericht. Keine zehn Minuten dauerte es, ehe die Akte „Kündigungsschutzklage Stefan Sellmaier“ am Donnerstag vorerst wieder geschlossen wurde. Doch die Zeit reichte für Wolfgang W. Reich, der als Vorstand der Mittenwalder Karwendelbahn seit 12. Mai aus dem Handelsregister gestrichen wurde, um eine ganze Liste an Gründen anzuführen, die die Entlassung des Betriebsrats rechtfertigen. Argumente mit Sprengkraft.

Reich in blauem Anzug und mit dickem Ordner unterm Arm betrat diesmal ohne seinen Zuarbeiter Patrick Kenntner, der lieber im Gang wartete, den Gerichtssaal. Auch Vorstand Aniko Köpf glänzte erneut durch Abwesenheit, stattete ihren Chef Reich aber mit einer Vollmacht aus, die er Richter Dr. Tobias Romeikat aushändigte, ehe der gegen Sellmaier schoss. „Es gab mehrere Punkte, warum wir das Arbeitsverhältnis beenden mussten.“ Ihm zufolge soll Sellmaier Mitarbeiter provoziert, falsche Arbeitszeiten ins System eingetragen, Geschäftsgeheimnisse ausgeplaudert sowie Anweisungen Köpfs nicht ausgeführt haben.

Reich: "Wir sind der Auffassung, dass Herr Sellmaier kein Betriebsrat ist." 

Die Anschuldigungen prallten bei dem Krüner und seiner Anwältin Liliane Decker ab. Zumindest bis Romeikat Reich erläuterte, dass ein Betriebsrat nur fristlos gekündigt werden darf, wenn der gesamte Betriebsrat zustimmt. Diese Erlaubnis war laut Reich unnötig. „Wir sind der Auffassung, dass Herr Sellmaier kein Betriebsrat ist.“ Die Wahl damals sei weder frei noch geheim gewesen – und damit nichtig. Worte, die einschlugen wie eine Bombe. „Das wird ja immer besser“, merkte Decker süffisant an. Reich setzte noch einen drauf, schlug einen Vergleich vor. Den lehnte die Juristin unverzüglich ab. „Sie glauben nicht ernsthaft, dass Herr Sellmaier zurückkehrt“, konterte der Heidenheimer. Er gibt sich in der Causa Karwendelbahn siegessicher. „Ich werde wahrscheinlich länger da sein als Sie.“

Nächste Verhandlung in diesem Fall im August

Der Kampf geht also weiter. Bis zum 30. Juni muss Reich Beweise für seine Behauptungen erbringen, ehe Sellmaier darauf reagieren kann. „Wir wollen die gleiche Frist“, sagte Decker. Schließlich rechnet sie damit, dass sich Reich bis zum letzten Tag Zeit lassen wird, ehe er die Beweise einreicht. Der nächste Termin vor Gericht ist dann für Donnerstag, 4. August, anberaumt.

Für Sellmaier geht das Warten nun weiter. Trotzdem ist er froh über den Verlauf der Verhandlung. „Ich habe gehofft, dass er so pauschale Sachen reinwirft, die er erst mal beweisen muss.“ Denn in diesem Fall fühlt sich der Krüner auf der sicheren Seite.

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