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Gescheitertes Projekt: das geplante Hotel an der Bahnhofstraße.

Gescheitertes Hotelprojekt in Mittenwald

Vertrauensverlust sondergleichen

Mittenwald - Wie eine Seifenblase ist das ambitionierte Hotel-Projekt in Mittenwald zerplatzt. Schuld daran sind die Planer aus Berlin, so der allgemeine Tenor im Marktgemeinderat.

„Das Vertrauen ist verwirkt“ – mit dieser geradezu drastischen Einschätzung bringt Stefan Schmitz (Bürgervereinigung) die allgemeine Stimmungslage im Mittenwalder Marktgemeinderat auf den Punkt. Mit 19:0-Stimmen nahm dieser am Dienstagabend in nicht-öffentlicher Sitzung Abschied vom Hotel-Projekt an der Bahnhofstraße. Genauer gesagt: Man begrub nicht dieses Millionen-Vorhaben an sich, sondern die über sieben Jahre währende Zusammenarbeit mit der ID-Projektentwicklungs-GmbH der Berliner Familie Berrendorf.

Diese hatte in den zurückliegenden zwei Jahren nach der Anfangseuphorie mangels nachvollziehbarer Abschlüsse jeglichen Kredit verspielt. Das bereitet in erster Linie Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) Kopfzerbrechen, der wie kein anderer für diese bayerisch-preußische Allianz stand. „Natürlich haben wir auch Fehler gemacht“, räumt der Rathauschef im Hinblick auf den zunächst vom Verwaltungsgerichtshof gerügten, zugrundeliegenden Bebauungsplan Nummer 42 ein. „Beim ersten Versuch war’s nicht möglich, Baurecht umzusetzen.“

In das Konzert, man hätte ja von Anfang an wissen müssen, dass ein solches Vorhaben mit den Berlinern nicht klappen kann, will Gemeinderat Enrico Corongiu (SPD) partout nicht einstimmen. „Freilich wär’s schön, wenn wir in die Glaskugel schauen könnten“, meint der SPD-Bundestagskandidat. Nun aber heißt es für ihn und seine 20 Mitstreiter in der Volksvertretung getreu Monopoly: Zurück auf Start!

Na ja, nicht ganz: Immerhin hat die Kommune ihre Hausaufgaben gemacht. Ein neuer Interessent kann auf einen rechtskräftigen Bebauungsplan zurückgreifen ohne Bürokratismus im Vorfeld. „Der Steuerzahler hat viel Geld bezahlt für die Baureife“, verdeutlicht Gemeinderat Schmitz. In puncto Berrendorfs fügt der Berufschullehrer selbstkritisch hinzu: „Vielleicht waren wir zu gutmütig.“ Doch seine Amtskollegen und er hätten in den zentralen Fragen „immer richtig und besonnen entschieden“.

Blickt Schmitz auf die von vielen als lähmend empfundenen vergangenen zwei Jahre zurück, spricht er bei der Präsentation der ID-Vertreter von „vielen Ungereimtheiten“ und „langwieriger Geheimniskrämerei“. Im Gegensatz dazu habe der Bürgermeister alle Fraktionen in jeder Phase „permanent in aller Offenheit informiert“.

Was sich Schmitz’ Kollege Corongiu auch gerne von Berliner Seite gewünscht hätte. „Doch wir haben keine Veränderungen feststellen können.“ Deshalb sagte sein Bauchgefühl eindeutig nein zu einer weiteren Schonfrist für die ehemals viel gepriesenen Projektplaner. Hätten diese nur einmal einen Vertreter der ins Spiel gebrachten Investoren oder Betreiber mit ins Rathaus gebracht, „dann wäre vielleicht eine andere Meinung herausgekommen“, sinniert Schmitz. So aber steht nun sogar noch eine gerichtliche Auseinandersetzung ins Haus. „Ich gehe davon aus“, glaubt Schmitz, „dass das Ganze ein Nachspiel haben wird“.

Christof Schnürer

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