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Gegnerin der Aktion: Barbara Rieger bedauert, dass die Eschen am Isarkanal entfernt werden.

Drei Eschen müssen weichen

Baumfäll-Aktion erzürnt Krünerin

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Krün - Barbara Riegers Befürchtungen werden wahr: Die drei großen Eschen am Krüner Isarkanal verschwinden demnächst. Für die Anwohnerin ist das eine „Schande“.

Vor ein paar Tagen hat sie sie entdeckt, die blauen Markierungen an den Bäumen. Barbara Rieger griff zum Telefonhörer, um sich zu erkundigen, was das zu bedeuten hat. Ihr schwante es schon, dass aus den Eschen – zwei direkt am Isarkanal, eine etwa zwei Meter davon entfernt – Kleinholz gemacht werden soll. „Ich fände das ewig schade“, sagt die Anwohnerin gegenüber dem Tagblatt. Sie geht sogar einen Schritt weiter. „Das wäre eine Schande.“ Ihre Vorahnung hat sich bestätigt. Ende dieser oder Anfang der nächsten Woche werden die mächtigen Bäume gefällt.

Der Hintergrund ist aber ein anderer als die Krünerin vermutet. Sie erinnert sich gerne noch an einen Informations-Abend zur Sanierung des Kanals, bei dem versichert wurde, dass „dadurch nix wegkommt“. Mit diesen Arbeiten habe das Vorhaben allerdings nichts tun, wie Theodoros Reumschüssel deutlich macht. „Die Bäume müssen nicht wegen des Isarkanals weichen“, sagt der Sprecher der zuständigen Firma EON Kraftwerke. „In dem Zusammenhang hat es keine Fällungen gegeben.“

Gefahr von Verletzungen 

Ein anderes Problem liegt vor: Die Bäume sind krank, vom Eschentriebsterben, einer Pilzart, befallen. Dadurch kann es laut Reumschüssel zu spontanen Astabbrüchen kommen. Nicht etwa kleine Zweige, sondern richtig großes Geäst könnte Richtung Boden donnern und im schlimmsten Fall Menschen verletzen. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gerade gering. „Die Eschen stehen in exponierter Lage“, schildert der EON-Sprecher, „und durch die Winde im alpinen Raum ist die Gefahr zu groß, dass das passiert.“

Leicht haben sich die Verantwortlichen die Entscheidung nicht gemacht. Erst nach kritischer Begutachtung der alten Riesen und in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde, die am Landratsamt Garmisch-Partenkirchen angesiedelt ist, fiel der Entschluss: Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht sind die Bäume zu entfernen. Die Ultima Ratio. Denn Reumschüssel lässt es sich nicht nehmen, den Standpunkt seines Unternehmens hervorzuheben. „Es steht außer Frage, ein Baum ist ein schützenswertes Gut.“

Gemeinde kann und will nicht dagegen vorgehen

Die empörte Krünerin findet dennoch keinen Gefallen an dem Plan, auch wenn sie weiß, dass sie ihn nicht verhindern kann. Ebensowenig wie die Gemeinde. Denn anders als Garmisch-Partenkirchen hat Krün keine Baumschutzverordnung, wie Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) erklärt. Eine solche lehnt der Rathaus-Chef ohnehin ab. „Jeder soll selbst entscheiden, was er auf seinem Grundstück haben will.“ Darüberhinaus leuchtet ihm, wie auch anderen Anwohnern, die Argumentation des Konzerns ein. Die Entscheidung contra Eschen sei nachvollziehbar. „Wenn es zu einem Astbruch und in Folge zu Verletzungen kommt, will keiner die Verantwortung übernehmen.“

Prinzipiell achtet er aber schon darauf, dass nicht jeder Baum aus dem Ort verschwindet. Die Einheimische Rieger sieht das ein bisschen anders. „Es ist schade, wenn alles platt gemacht wird“, klagt die verärgerte Seniorin. „Unser Dorf soll wohl hässlicher gemacht werden.“ 

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