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Banner am Balkon: In unmittelbarer Nähe zum Mittenwalder Rathaus wird Flagge gezeigt. Das Bürgerbegehren ist in der Karwendelgemeinde so oder so in aller Munde.

Kampf um Mittenwalder Hallenbad

Bürgerbegehren: Initiatoren gehen in die Offensive

Mittenwald - Fleißig auf Unterschriftenjagd geht seit einer Woche die Initiative „Karwendelbad 2020“. Zum harten Kern der Aktion gehört auch SPD-Gemeinderat Enrico Corongiu.

„Wo ein Wille, da ein Weg“ – so einfach stellt sich die Sachlage für die Bürgerinitiative „Karwendelbad 2020“ dar. In einer Presse-Erklärung untermauern die „Vermieter und Gastronomen, Unternehmer und Soldaten, Eltern und Sportler, nüchterne Zahlenanalytiker und Liebhaber von Wasser und Wärme“ eine Woche nach Start ihres Bürgerbegehrens, warum Mittenwald nach der ungeliebten Schließung des maroden Mittenwalder Karwendelbads alsbald adäquaten Ersatz braucht.

Als Hauptargument wird natürlich der Fremdenverkehr herangezogen. „Der Tourismus ist das einzige wirtschaftliche Standbein von Mittenwald.“ Durch den Verzicht auf ein Hallenbad werde dem Ort „ein wesentlicher Teil der touristischen Infrastruktur entzogen“. Das gilt für die Initiatoren selbst dann, „wenn nur der kleinere Teil der Urlauber ein Bad letztendlich benutzt“. Denn nur durch ein „touristisches Komplettangebot“ könne die gesamte Zielgruppe potenzieller Urlauber erreicht werden.

Die Vertreter des Bürgerbegehrens sind Armin Görlich, Max Jungkunz, Birgit Oswald, Oliver Weiß, Steffi Schimkus und SPD-Gemeinderat Enrico Corongiu. Dieser wollte die Causa Hallenbad zuletzt öffentlich im Rathaus diskutieren. Der von den Freien Wählern unterstützte Antrag wurde aber mit der Mehrheit von CSU und Bürgervereinigung niedergebügelt. Als Freund des Wassersports offenbarte sich bereits vor geraumer Zeit auch Corongius Fraktionskollege Rudi Rauch, der eine große Lösung am Eisstadion ins Spiel gebracht hatte – und ebenfalls wenig Gehör fand.

Als leidenschaftliche Kämpferin für einen Schwimmbad-Neubau erhob zuletzt auch Corongius Ehefrau Kerstin während der Bürgerversammlung ihre Stimme, flankiert von SPD-Parteifreund Alfred Kielgas, der spaßeshalber die Realisierung des Adolf-Hornsteiner-Bads vorgeschlagen hatte.

Alles in allem beruft sich die Bürgerinitiative auf einen „gefühlten großen Teil der Bevölkerung“. Sie alle eint die Befürchtung, dass der Verzicht auf ein Bad sich vor allem im Winter über kurz oder lang negativ auf die Übernachtungszahlen auswirken wird, denn: „Die Klimaerwärmung erlaubt es Mittenwald nicht mehr, seriös für Pisten und Loipen zu werben. Ohne Bad schrumpft das Werbematerial im Winter auf schöne Bergbilder und Faschingsfotos zusammen.“

Als Hauptgegner ihres Vorhabens wird der Rathauschef ausgemacht. „Bürgermeister Hornsteiner will kein neues Bad, daher zeigt er auch keinen Weg zu einer haushaltsverträglichen Finanzierung auf. Vielmehr werden kostensparende Vorschläge übergangen, bestenfalls angezweifelt statt überprüft.“ Falls die Gemeinde durch einen Bürgerentscheid „genötigt“ werde, ein Bad zu realisieren, würden sich „vielfältige Förder- und Einsparmöglichkeiten“ offenbaren – etwa durch energiesparende Bauweise und Technik, Senkung der Personalkosten (Kassenautomaten), die Erhöhung der Kurtaxe um 50 Cent sowie „angemessene Eintrittspreise“. Auch die Lesart der Statistiken werde dann eine andere sein: „Soldaten, Schüler, Vereine werden zu den bisher vorgelegten Besucherzahlen addiert werden.“

Zu guter Letzt zeigen sich Görlich und Mitstreiter überzeugt: „Bürgermeister Hornsteiners Bild vom angeblich unbedeutenden und unbeliebten Karwendelbad wird sich wandeln, kann sich wandeln – wenn er will und wenn der Bürger es will.“

Keine Rede in der zweiseitigen Presse-Erklärung ist die von der SPD-Fraktion im Gemeinderat vorgeschlagene Idee eines interkommunalen Schwimmbads mit den Nachbargemeinden Krün und Wallgau. Dort mehren sich die Anzeichen aufgrund der zu erwartenden exorbitanten Investitions- und Folgekosten auf eine eher defensive Sichtweise, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Gestern Abend nahm als erstes Krün Stellung zu der Mittenwalder Offerte.

Christof Schnürer

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