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AG droht mit Stillstand der Bahn

Mittenwald vor dem "touristischen Nirwana"?

Karwendelbahn AG droht mit Stillstand

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Mittenwald - Der Karwendelbahn-Vorstand fletscht die Zähne. Er wirft der Marktgemeinde Mittenwald vor, mit dem Bebauungsplan für den Bereich „Im Schwarzenfeld“ den Stillstand des Betriebs herbeizuführen – und droht mit juristischer Gegenwehr.

 Es ist 15.56 Uhr. Vier Minuten bevor das Landgericht München II das Urteil spricht, ob Aniko Köpf Vorstand der Karwendelbahn AG sein darf. Vier Minuten bevor feststeht, dass ihre Bestellung für die Zeit vom 23. Februar bis 31. Oktober 2016 ungültig war, veröffentlicht die Aktiengesellschaft eine adhoc-Meldung. Mit Köpf als Ansprechpartnerin und ein ganz anderes Thema betreffend: Es ist eine Stellungnahme zum Bebauungsplan Nummer 47. Die AG erhebt saftige Vorwürfe gegen den Marktgemeinderat Mittenwald. Der hatte im Juli einstimmig den Beschluss zu dessen Aufstellung gefasst und Mitte August in einer Sondersitzung eine sogenannte Veränderungssperre für das Gebiet verhängt.

Während Ex-Vorstand Wolfgang W. Reich und Köpfs Mitvorstand Patrick Kenntner in der ersten Sitzung zugegen waren und dort ein mahnendes Schreiben verteilten, dies aber kaum Beachtung fand, wird der Ton nun schärfer. Die AG dreht den Spieß um und schiebt die Schuld an einer möglichen Schließung der touristischen Attraktion der Marktgemeinde in die Schuhe. „Mit der Aufstellung des Bebauungsplans hat der Gemeinderat, offensichtlich ohne sich über die Konsequenzen im Klaren zu sein, das Todesurteil für den Betrieb der Karwendelbahn AG gesprochen“, heißt es in der Stellungnahme. „Sollte dieser Beschluss nicht aufgehoben werden, wird die Bahn schließen müssen.“

AG klagt über absichtliche Entwertung der Grundstücke

Den Hintergrund für das Drohgebärden liefern sie mit. Die Marktgemeinde will  mit den Plänen, das Areal um die Karwendelbahn und die Freifläche im Schwarzenfeld von jeglicher Bebauung freihalten. Zum einen aus einem touristischen Hintergrund. Zum anderen, um dem Verkauf von Karwendelbahn-Grund zu Baulandpreisen entgegenzuwirken. Die Gegenseite hegt einen ganz anderen Verdacht: Offensichtlich sei es der Plan von Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) und dessen Vize Gerhard Schöner, durch die Entwertung der Grundstücke die Konsortium AG als Hauptaktionärin zu nötigen, ihre Aktien an den Markt billig zu veräußern.

Die Karwendelbahn-Verantwortlichen spielen eine Kettenreaktion durch, die die Entscheidung der Kommune nach sich zieht. Denn wie es in ihrer Stellungnahme heißt, benötigt das Bergbahn-Unternehmen eine neue Steuerung, um den Fahrbetrieb garantieren zu können. Die Kosten dafür liegen der AG zufolge im hohen sechsstelligen Bereich. Es braucht ein Darlehen. Die Crux dabei: Die entsprechenden Grundstücke der Karwendelbahn können nicht mehr als Sicherheit für einen Kredit herangezogen werden, weil sie durch den Bebauungsplan „faktisch wertlos“ sind. Das Ende vom Lied: Die Karwendelbahn müsse auf absehbare Zeit ihr operatives Geschäfts einstellen, sobald an der Steuerung ein Schaden auftritt.

Hornsteiner wird als "Totengräber der Karwendelbahn" bezeichnet

Bürgermeister Hornsteiner lässt diese Unterstellungen lieber unkommentiert, betont aber: „Uns geht es nur darum, die Zukunft der Bahn zu sichern.“ Worte, die er stets wiederholt. Worte, die die AG-Oberen als eine „Farce“ empfinden. Der Rathauschef sei vielmehr „der Totengräber der Karwendelbahn“.

Doch Hornsteiner steht nicht alleine in der Schusslinie. Die Gemeinderäte, die laut dem Schreiben angeblich vom Bürgermeister nicht über die wirtschaftlichen Folgen des Beschlusses informiert worden seien, geraten ebenfalls ins Visier. „Die Gemeinderatsmitglieder haben offensichtlich vorsätzlich und grob sorgfaltswidrig einen Beschluss gefasst, ohne sich sorgfältig mit den Auswirkungen zu befassen.“ Die nächste Androhung lässt nicht lange auf sich warten. Die Karwendelbahn kündigt an, gegen den Bebauungsplan juristisch vorzugehen und „wird nicht zurückschrecken“, Hornsteiner und Co. persönlich auf Schadenersatz zu verklagen.

Einschüchtern lässt sich der Rathauschef davon nicht. Den Bebauungsplan für dieses „Sondergebiet Berg- und Wintersport“ aufzustellen, sei im Sinne der kommunalen Planungshoheit das Recht der Gemeinde. Zu den anderen Vorwürfen sagt er: „Wir gehen so vor, wie es der Gesetzgeber vorgibt und haben nichts hinter dem Berg gehalten.“ Den Beschluss zurückziehen – das hat er nicht vor. Die Dauerfehde ist also längst nicht beendet. Dafür wird von der AG Endzeit-Stimmung verbreitet. „Mittenwald wird ohne Bergbahn ins touristische Nirwana abstürzen.“

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