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Zusammenarbeit beendet: Wolfgang Reich und Sabine Mann gehen in puncto Geschäftsführung in vier Tagen getrennte Wege.

Spielraum für Spekulationen

Karwendelbahn: Krach hinter den Kulissen

Mittenwald - Bei der Karwendelbahn geht das Stühle-Rücken weiter:  Mit Sabine Mann wurde binnen sechs Jahren der vierte Kaufmännische Vorstand verschlissen. Gleich drei Mitglieder traten aus dem Aufsichtsrat zurück.

Das Stühle-Rücken bei der Mittenwalder Karwendelbahn geht weiter: Seit der denkwürdigen Aktionärs-Versammlung im Juli hat die zuletzt arg kritisierte Geschäftsführerin Sabine Mann die Kommandobrücke verlassen. Offiziell räumen wird sie ihren Posten am 31. Oktober.

Aus gesundheitlichen Gründen fehlt sie dem Unternehmen aber bereits seit knapp einem Vierteljahr. Faktisch hat Wolfgang Reich (36), der mit seiner Konsortium AG 43,4 Prozent der Karwendelbahn-Aktien hält, nun das alleinige Sagen. Die Demission von Mann zeigt aber eines überdeutlich: Der Posten des Kaufmännischen Vorstands gleicht einem Schleudersitz. Binnen sechs Jahren wurden vier leitende Angestellte verschlissen: Stefan Meider, Ulrich Löcherer (interimsmäßig), Erhard Bender und nun Mann. Sie war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Wortkarg gibt man sich aber auch von Seiten der Belegschaft und der Gemeinde Mittenwald, die 31,7 Prozent der Anteile besitzt. Im Grunde gehen alle Beteiligten auf Tauchstation – bis auf Wolfgang Reich, der starke Mann.

Wie dieser sich die nahe Zukunft der AG, die seit Jahren ein Investitionsstau von mehreren Millionen Euro drückt, vorstellt, darauf müssen vor allem die Klein-Aktionäre (24,9 Prozent) wohl noch länger warten. Reich sagte nämlich eine für Oktober geplante Versammlung kurzerhand ab. Zudem teilt der Heidenheimer mit, dass der Aufsichtsrat „gerichtlich gestellt“ worden sei. Der Grund dafür: Nach der Sitzung im Juli traten gleich drei Mitglieder zurück: Hans-Jochen Grüninger, Ludwig Lehmann und Roman Wiedemann verließen ihre Posten.

Neuer Vorsitzender und Nachfolger von Grüninger wurde Wolfgang Erhard Reich – der Vater von Vorstand Wolfgang Reich. Dem Senior zur Seite stehen Patrick Kenntner und Gerhard Proksch. Alle drei sind bei der Konsortium AG, VCI Venture Capital und Immobilien AG von Wolfgang Reich beschäftigt. Mit anderen Worten: Der Kurs der 48 Jahre alten Karwendelbahn wird mehr denn je in Heidenheim festgelegt. Einzig Vize-Bürgermeister Gerhard Schöner (CSU) und die beiden Arbeitnehmervertreter Rainer Stoltefaut sowie Stefan Sellmaier halten die Mittenwalder Fahne hoch.

Fraglich ist nun Reichs Versprechen während der Juli-Sitzung, das Restaurant in nder Bergstation zu renovieren. Dieses Großprojekt ist ihm zufolge bereits „seit fast 15 Jahren ein Thema“. Dabei würde er sogar in Eigenregie handeln: „Wenn es sein muss, reiß ich die Möbel mit den eigenen Händen heraus“, posaunte der Vorstand im Juli noch theatralisch heraus. Nun schlägt er etwas leisere Töne an: „Angesetzt wäre ein Bautermin für den 2. November.“ Allerdings liegt die Entscheidung einer Renovierung beim Aufsichtsrat und den zwei Großaktionären.

Doch Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) hält Stillschweigen über etwaige Gespräche zwischen der Marktgemeinde und der Karwendelbahn AG. „Es wird sicher Thema werden bei der nächsten Versammlung“, ist er sich sicher. Bis dahin wird der momentan gerichtlich eingesetzte Aufsichtsrat „als Notlösung für massive Probleme oder Ähnliches dienen“, wie Aufsichtsratmitglied Gerhard Schöner ergänzt. „Über den Investitionsplan sollten dann letztlich die entscheiden, die wirklich von den Aktionären gewählt und nicht vom Gericht eingesetzt wurden.“

Schöners mit Bedacht gewählte Worte lassen Spielraum für Spekulationen. Hat die Karwendelbahn etwa Schwierigkeiten? In der Belegschaft soll’s schon lange rumoren, aber sagen will niemand etwas – nicht mal Betriebsrat Sellmaier, der sonst, wenn’s um die Belange der Angestellten geht, kein Blatt vor den Mund nimmt.

Inzwischen gibt es nicht wenige in Mittenwald, die angesichts der Heidenheimer Übernahme und der ständigen Personalgeschichten sich wünschen, die Marktgemeinde würde nicht zuletzt aus touristischen Gründen die Anteile der Konsortium AG aufkaufen und das Ruder selbst übernehmen. Doch dieser Transfer und dringend notwendige Investitionen würden Millionen Euro verschlingen. Und das will der Rathauschef den heimischen Steuerzahlern offenbar – noch – nicht antun.

Josef Hornsteiner & Christof Schnürer

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