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hat das Sagen bei der Karwendelbahn: Wolfgang Reich.

Trennung binnen weniger Monate von Geschäftsführerin und vom Betriebsleiter 

Karwendelbahn: Vorstand auf Abruf?

Mittenwald - Bei der Karwendelbahn ist wieder kräftig Druck im Kessel. Dampf abgelassen hat einmal mehr Wolfgang Wilhelm Reich. Der Vorstand  beschäftigt nun auch die Registergerichte.

Heute steht ein wichtiger Arbeitsgerichtstermin für den geschassten Betriebsleiter, der namentlich nicht genannt werden will, in Garmisch-Partenkirchen auf dem Programm. Dort kämpft der langjährige Technik-Chef der Mittenwalder Karwendelbahn um seine Zukunft und berufliche Reputation. Ob derjenige kommen wird, der seine Suspendierung veranlasst hat, bleibt die spannende Frage.

Damit gemeint ist der Heidenheimer Geschäftsmann Wolfgang Wilhelm Reich, der sich im Herbst 2012 über seine Konsortium AG in die Aktiengesellschaft einkaufte und seit dem Ausscheiden von Geschäftsführerin Sabine Mann vor einigen Monaten als Vorstand bei der Karwendelbahn das Sagen hat.

Doch hat er das wirklich? Im operativen Sinne ja, im juristischen Sinne sind da durchaus Zweifel angebracht, wie ein aufsehenerregender Artikel in der Heidenheimer Zeitung („Im Reich der Manipulation“; Ausgabe vom 30. Januar 2016) vor einigen Wochen enthüllte. Darin wird noch einmal der jahrelange Rechtsstreit, den sich Reich mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart lieferte, aufgerollt. Laut Heidenheimer Zeitung war nach einer spektakulären Hausdurchsuchung des Reich-Domizils in Heidenheim im April 2007 von „Betrug in Millionenhöhe“ die Rede. Wörtlich heißt es in der Heidenheimer Zeitung: „Am Ende lautete das Urteil im Mai 2013 auf unrichtige Darstellung, falsche Angaben in sieben Fällen und Marktmanipulation in 22 Fällen. Das führte immerhin zu einer Verurteilung von Wolfgang Wilhelm Reich zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung.“

Der Plan, diesen Richterspruch zu revidieren soll laut Artikel nicht aufgegangen sein. Der Bundesgerichtshof verwarf den Einspruch, „im Februar 2014 wurde das Urteil rechtskräftig“.

Gleichwohl soll Reich bei Aktiengesellschaften, auch bei der Mittenwalder Karwendelbahn AG, noch immer in Leitender Funktion tätig sein. Was den Recherchen der Heidenheimer Zeitung zufolge mehr als fragwürdig erscheint. „Wirft man einen Blick ins Aktiengesetz, findet man dort unter Paragraph 76, Absatz 3 eine Aufzählung der Straftaten, nach denen man nicht mehr im Vorstand einer Aktiengesellschaft tätig sein darf. Unter den Unterpunkten c und d werden auch die Vergehen genannt, die in Reichs Urteil stehen: falsche Angaben und unrichtige Darstellung. Wer dafür verurteilt wurde, darf fünf Jahre ab der Rechtskraft des Urteils nicht Vorstand einer Aktiengesellschaft sein.“ Beim Registergericht in Ulm war Reichs Verurteilung, obwohl schon seit zwei Jahren rechtskräftig, laut Artikel nicht bekannt. In Ulm will man den Fall nun prüfen.

Eine entsprechende Anfrage stellte das Tagblatt in puncto Mittenwalder Karwendelbahn auch an das zuständige Registergericht München. Eine Sprecherin antwortete wie folgt: „Dem Registergericht lagen vor Ihrer Anfrage diesbezüglich keinerlei Informationen vor. Wir haben insbesondere auch keine Mitteilung bekommen. Auf Ihre Anfrage hin wurde die Sache der zuständigen Richterin vorgelegt. Diese hat bereits einen Bundeszentralregisterauszug angefordert.“ Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass ein Katalogdelikt laut Aktiengesetz vorliege, „wird ein Amtslöschungsverfahren eingeleitet“.

Bis zum heutigen Tag scheint dies noch nicht der Fall gewesen zu sein. Auf der Internetseite der Karwendelbahn firmiert Reich immer noch als Vorstand. Äußern gegenüber dem Tagblatt will sich der Heidenheimer in gewohnter Weise nicht.

Christof Schnürer

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