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Neuralgischer Punkt an der Landesgrenze: Direkt unterhalb der lawinengefährdeten Marchklamm führen bei Scharnitz die Bahnstrecke und Bundesstraße vorbei.

Marchklamm: Abgeordneter Streibl in Sorge

Irritationen wegen Lawinenverbauung

Mittenwald - Droht die seit Jahren geplante Lawinenverbauung in der Marchklamm bei Mittenwald zu scheitern? Laut dem Abgeordneten Florian Streibl steht dies zu befürchten. 

Die geplante Lawinenverbauung in der Marchklamm taugt alles andere als für ein gelungenes grenzübschreitendes Projekt. Seit über 15 Jahren wird auf deutscher wie österreichischer Seite viel palavert ohne zählbares Ergebnis. Dabei hatte bereits 2003 Seefelds damaliger Bürgermeister Erwin Seelos gefordert: „Die Gemeinden sollten Gas geben.“ Doch passiert ist seitdem nichts in der berüchtigten Felsrinne an der Landesgrenze bei Scharnitz, wo im engen Tal die Bahnstrecke und die Bundesstraße verlaufen.

Nun will der bayerische Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) sogar erfahren haben, dass die Deutsche Bahn AG und die Österreichische Bundesbahn ganz aus dem Projekt – die Rede war mal von 7,3 Millionen Euro – aussteigen wollen. Der Oberammergauer beruft sich dabei auf ein Gespräch mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Ein Unding, findet Streibl, der inzwischen einen Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) abgeschickt hat. „Wegen dieser aus meiner Sicht für die Region höchst problematischen Haltung der Bahnunternehmen bitte ich Sie, auf die Deutsche Bahn AG einzuwirken, damit diese ihren Widerstand ... aufgibt“, heißt es unter anderem in einer Presse-Mitteilung des Abgeordneten.

Mit seiner Interpretation der Sachlage stößt Streibl sowohl in Österreich als auch in Deutschland auf Unverständnis. „Die DB Netz AG erwägt nicht, aus dem Projekt auszusteigen“, betont deren Sprecher Bernd Honerkamp. „Vielmehr spricht sich die DB Netz AG nur gegen die zuletzt verfolgte Tunnelvariante aus.“ Die Überdachung von Straße und Schiene würde aufwändige Bohrpfahl-Arbeiten notwendig machen. „Sie wären nicht nur teuer, sondern würden vor allem mit erheblichen Einschränkungen im Bahnverkehr verbunden sein.“

Ähnlich argumentiert René Zumtobel (ÖBB): „Wir sind grundsätzlich bereit, bei einem gemeinschaftlichen Projekt im Rahmen unserer Möglichkeiten mitzufinanzieren“, betont der Pressesprecher. „Die Sicherheit der ÖBB-Strecke ist in jedem Fall gewährleistet, da das betroffene Gebiet im Rahmen der Tätigkeit der ÖBB-Lawinenkommission laufend betreut wird.“ Aber solange zwischen Bahnen auf der einen und Straßenbau-Vertretern auf der anderen Seite kein Konsens über die Ausführung erzielt wird, gibt’s keinen Staatsvertrag zwischen Österreich und Deutschland.

Dieser ist die Grundlage für das grenzüberschreitende Vorhaben. „Eine kurzfristige Lösung bis zur Ski-WM 2019 halten wir deshalb nicht für realisierbar“, teilt Kathrin Fändrich vom federführenden Bayerischen Innenministerium mit. So was hört Bürgermeister Werner Frießer aus Seefeld, wo die Nordischen Weltmeisterschaften stattfinden, gar nicht gerne. Denn was gibt es Schlimmeres für die dortigen Veranstalter, wenn Ski-Fans über Mittenwald nicht anreisen können, weil die Grenze wegen Lawinengefahr geschlossen ist.Christof Schnürer

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