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Besonderes Projekt im Studium

Mittenwalder baut in Afrika eine Schule

Mittenwald - Sechs Wochen in Südafrika haben das Leben von Andreas Reiser nachhaltig verändert. Der Isartaler durfte für Kinder ein Schulhaus mitbauen.

Während Flüchtlinge aus Afrika Europa als Ziel ihrer Sehnsucht ansteuern, hat der Mittenwalder Andreas Reiser den umgekehrten Weg genommen. Seit drei Jahren studiert er an der Universität in München Architektur. Jetzt durfte der 23-Jährige als einer von 15 Studenten seinen Dozenten Markus Dobmeier für sechs Wochen nach Port Edward in Südafrika begleiten. Dort war er beim Bau einer Schule dabei. „Hilfreich bei meiner Nominierung“, sagt Reiser im Rückblick, „war sicher meine praktische Erfahrung im Schreinerhandwerk“. Denn nach seiner im Gymnasium Wolfratshausen erworbenen Hochschulreife studierte Reiser ein Jahr in Rosenheim Holzbau und Holzausbau. „Ein Jahr brauche ich noch bis zum Bachelor.“ Dann will er fünf Jahre lang arbeiten um selbstständiger Architekt für Denkmalspflege zu werden.

Die neue einklassige Grundschule „Ithuba“ (auf Zulu: Gelegenheitschance) in Port Edward ist ein von der Hypobank Austria und der „Orange Farm Organisation“ finanziertes Projekt. Den Masterplan hat Reisers Dozent Dobmeier – er blickt auch schon auf ein ähnliches Projekt zurück – vor sechs Jahren erstellt. „Der Schulhausbau wurde 2010 begonnen“, sagt Reiser, „jetzt haben wir den Komplex fast fertig. Alle Handwerker haben wir vor Ort angelernt.“ Neben dem Gebäude konnte die Studenten auch eine Brücke über den in der Nähe durch eine Schlucht fließenden MZamba–River bauen. „Dadurch können jetzt auch Kinder vom anderen Ufer unsere Schule besuchen.“ Beeindruckt hat Reiser vor allem die Offenheit der Einheimischen und trotz aller Armut deren Bereitschaft zum Teilen. „Bei einem Ausflug zu der im Dschungel liegenden Lodge MThemtu“, zählt Reiser ein Beispiel auf, „haben wir Süßigkeiten für die Kinder mitgenommen. Sie liefen neben dem Auto her und riefen immer ,Sweet, sweet!‘. Wer dabei zwei Bonbons erwischt hatte, teilte diese mit einem später dazu gekommenen Kind.“

Nachhaltig bleibt für Reiser auch die Geschichte von einem Diebstahl. „Einem Kameraden wurde der Geldbeutel gestohlen. Nach ein paar Stunden kamen die Dorfkinder zu uns und brachten alle Geldscheine zurück. Sie wussten, wer für den Diebstahl verantwortlich war, haben ihn aber nicht verraten.“ Für Reiser waren die sechs Wochen in Südafrika deshalb „eine Lebenserfahrung, die mich weiterbringt“. Die Herzlichkeit der Bevölkerung war für Rieger auch der Grund, vor der Reise den Künstler Bernhard Rieger in seinem Atelier in Krün aufzusuchen. „Ich kenne seine Aktion ,Ein Herz klopft um die Welt‘ und habe deshalb das Kultquadrat nach Südafrika mitgenommen. Dort war das Herz wirklich gut aufgehoben.“ Jetzt freut sich Reiser schon auf den Februar 2017. „Dann geht es mit meinem Kameraden noch einmal für drei Wochen nach Südafrika. Wir werden der Schule den nötigen Feinschliff verpassen und sie einweihen.“

Wolfgang Kunz

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