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Der große Knall: Am unteren Damm detoniert bilderbuchmäßig die Sprengladung. 

Hochstromleitung in unmittelbarer Nähe

„Bilderbuch-Sprengung“ an der Rainlähne

Mittenwald - Spektakulär und nicht gerade ungefährlich: 3500 Kubikmeter Fels mussten bei der Lawinenschutzverbauung an der Rainlähne bei Mittenwald weggesprengt werden.

Wenn Eduard Reisch die zwei Knöpfe gleichzeitig drückt, liegen normalerweise in wenigen Sekunden ganze Wolkenkratzer und Industriehallen in Schutt und Asche. In Mittenwald hatte der Sprengmeister aus Apfeldorf einen anderen Gegner – die Felsen des Karwendelgebirges. Er kennt die Gegend, hat bereits viele Aufträge dieser Art im gesamten Alpenraum vorgenommen.

Jede einzelne der über 70 Bohrungen im harten Gestein überwacht der Experte für Hochexplosives auf der Riesenbaustelle an der Mittenwalder Rainlähne persönlich, wo derzeit gewaltige Lawinen-Umlenkdämme realisiert werden. Unzählige gelbe Drähte werden verlegt, sechs Mitarbeiter fügen dieses komplizierte Netz zusammen. Seit mehr als einer Woche ist das Spreng-Team der Firma Reisch mit dem perfekten Knall beschäftigt.

Die Stimmung an diesem Nachmittag ist leicht angespannt. Auch wenn Reisch in seinen mehr als 30 Arbeitsjahren „tausende von Sprengungen“ selbst ausgeführt hat, ist es immer wieder aufs Neue ein Abenteuer für ihn. Sind alle Drähte vorhanden und da wo sie sein sollen? Liegen die jeweils zweieinhalb Kilo schweren Sprengsätze tief genug im Gestein in den mehr als 70 Löchern? Wurde alles im Vorfeld richtig berechnet? Es darf rein gar nichts dem Zufall überlassen werden, wenn mehr als 1,6 Tonnen an Sprengsätzen in die Luft gehen.

Das weiß auch Bauleiter Bernhard Quehenberger. Er packt an diesem Tag mit an, schneidet mit Kollegen die schweren Sprengmatten zurecht. Diese werden über den Bereich gelegt, der bearbeitet werden soll. „Damit verhindern wir, dass große Steinbrocken zur Gefahr werden“, erklärt er. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme.“

Dennoch stellt Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) seinen Pkw lieber doch ein Stückerl weg, wie er schmunzelnd erklärt. „Man kann ja nie wissen“, mahnt Quehenberger. Wenige Minuten vor der Detonation, die sich bereits um mehr als eine Stunde verschoben hat, herrscht immer noch hektisches Treiben um den Fels-Vorsprung, welcher der neuen Lawinenschutzverbauung weichen muss. „Wir schaffen mehr Platz für den Stauraum der Lawinen“, sagt Quehenberger. Über die Schutzmatten wird zusätzlich ein Netz gespannt.

Währenddessen sperren Polizisten die unterhalb vorbeilaufende Bundesstraße 2. Auch sämtliche Wanderwege rund um die Baustelle dürfen nicht mehr betreten werden. Sogar der Bahnverkehr wird kurz eingestellt. „Die Anwohner wurden mit Handzetteln über die Sprengung informiert.“ Viel Sensibles ist rund um den neuralgischen Bereich vorhanden. Das macht es nicht besonders einfach für Sprengmeister Reisch. „Da sind die Bundesstraße, die Anwohner und vor allem die Hochstromleitung in unmittelbarer Nähe.“ Zudem darf der neu errichtete Lawinen-Damm nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Umso mehr steigt seine Spannung, als sich sämtliche Zuschauer, neben Bürgermeister Hornsteiner und Bauleiter Quehenberger auch Andreas Funk (Flussmeister Oberau) und Horst Hofmann (Wasserwirtschaftsamt Weilheim) auf den höher gesetzten, großen Schutzwall postieren.

Dann geht’s los. „Drei, zwei, eins – Sprengung!“, schallt es durch die Rainlähne. Erst geschieht einige Sekunden nichts. Dann steigt eine Art Blase aus dem Fels empor. Nun der Knall – ein gewaltiges Grollen durchschneidet die laue Mittenwalder Luft. Als sich der Rauch legt, ist Reisch zufrieden. „Das war perfekt“, meint er erfreut. „Eine Bilderbuch-Sprengung.“ Das Geröll wird für die weiteren Bauarbeiten an der Rainlähne verwendet. Für Reisch und seine Firma geht es nun weiter – schließlich warten für die internationale Sprengtechnik-Firma bereits die nächsten Aufträge in Deutschland und sogar im Irak und in Indonesien.

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