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Erbe verpflichtet: Das Herrschaftszimmer mit dem beeindruckenden Kreuzgewölbe macht Eindruck.

Baudenkmäler in Mittenwald

Geschichte lebendig gemacht

Mittenwald - Das Schreyögg-Haus zählt zu den architektonischen Juwelen von Mittenwald. Für die Sanierung des Gewölbes gewährte der Kreistag nun einen Zuschuss von 4000 Euro.

Die Gemäuer des Schreyögg-Hauses in Mittenwald umweht der Hauch der Geschichte. Mehr als ein halbes Jahrtausend ist das Anwesen im Obermarkt alt. Doch das Kleinod bringt Verantwortung mit sich. Keiner weiß das besser als die Geschwister Friedel (72), Barbara (74) und Georg (69) Schreyögg, die sich um das Erbe mit Liebe zum Detail kümmern.

2007 restaurierten sie die Fassade, 2010 den Flur im ersten Stock und 2015 das herrschaftliche Wohnzimmer. Doch das kostet bei einem Bau-Denkmal Nerven und Geld. Für die jüngste Maßnahme wurden knapp 24 000 Euro fällig. Wie nun im Kreistag zu hören war, bezuschusst der Landkreis diese Sanierung mit 4000 Euro.

Seit dem Tod der Mutter bemüht sich die Erbengemeinschaft seit 1991 um den Erhalt des historischen Gebäudes. „Schon 2007 nach der 25 000 Euro teuren Fassaden-Renovierung haben wir von vielen Bürgern Glückwünsche für die gelungene Ausführung bekommen“, erinnert sich Friedel Schreyögg, die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München, die mit ihrer Schwester Barbara in der Landeshauptstadt wohnt.

Um die Ansicht des architektonischen Juwels zu erhalten, beließ man die Barockfenster. Nur dahinter setzten die Schreyöggs moderne Schallfenster. Alle Arbeiten geschahen in enger Absprache mit dem Landratsamt (Untere Denkmalschutzbehörde) und dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

„Die Baumaßnahmen haben einen hohen Erhaltungswert für das Gebäude“, betont Kreisbaumeister Alkmar Zenger, „sowie einen hohen kulturhistorischen Wert für die Allgemeinheit durch den sorgsamen Umgang mit dem wertvollen Kulturgut“.

Alle Arbeiten führte das Spezialunternehmen Pfister aus Landsberg aus. „Firmenchef Hans ist Kirchenmaler“, erklärt Barbara Schreyögg, „er ist Experte für solche Renovierungen“. 2010 flossen für die kosmetische Operation im Flur des ersten Stocks weitere 18 000 Euro. Kein einfaches Unterfangen: „Wir mussten Farbschichten aus mehreren Jahrhunderten ab- und nur eine neue Kalkschicht auftragen“, beschreibt Friedel Schreyögg das aufwändige Prozedere. Gemäß den Vorgaben der Denkmalschützer mussten dabei alle Türen in barockgrau gestrichen, der Boden gereinigt und neu gewachst werden.

Die Renovierung gelang so gut, dass sich die Teilzeit-Bewohnerinnen Friedel und Barbara Schreyögg – Bruder Georg wohnt in Berlin – entschlossen haben, während des Bozner Marktes 2012 Führungen durch ihr Haus anzubieten.

Bei der jüngsten Restaurierung 2015 nahmen sich die Geschwister das Wohnzimmer vor. „Früher war es der Repräsentationsraum des Handelsherrn“, informiert Friedel Schreyögg. „Dort findet sich auch das einzige Gewölbe mit einer Rosettenverzierung.“ Auch dort mussten alte Farbschichten abgetragen und Risse repariert werden. Nebenbei wurden in allen Räumen zum Obermarkt hin die Fenstersitze ausgebessert.

Das kostet viel Geld. „Ich möchte aber betonen, dass unsere gesamten Einnahmen aus den vermieteten Ladengeschäften komplett in den Bauerhalt dieses Hauses fließen und die Zuschüsse nur knapp die Hälfte unserer Kosten ausmachen“, verdeutlicht Friedel Schreyögg.

Da gibt’s auch ein Lob aus dem Landratsamt. „Die Familie Schreyögg ist hinsichtlich der Erhaltung der Bausubstanz sehr engagiert“, lobt Kreisbaumeister Zenger. „Sie arbeitet eng mit uns und den Restauratoren zusammen.“

Beim nächsten Bozner Markt 2017 wollen die rührigen Schwestern auch im Namen ihres Bruders weitere Führungen anbieten und sich so für die erhaltenen Fördergelder erkenntlich zeigen. Wolfgang Kunz

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