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Müssen Stärke beweisen: Die Maschkera, die die beiden Mühlradl ziehen.

Maschkera aus Rand und Band

Das Mühlradl und die Mittenwalder Mannsbilder

Mittenwald - Tausende Besucher haben am Unsinnigen Donnerstag das traditionelle Faschingstreiben in Mittenwald verfolgt.

Eine feine weiße Decke liegt über Mittenwald, der Schneefall hat aber nachgelassen: Das Panorama scheint wie geschaffen für das Unsinnige Treiben im Geigenbauort. Im Feuerwehrhaus kommen die ersten Maschkera in schneeweißen Hemden und Hosen zusammen. Es sind die Burschen, die später das Mühlradl ziehen werden – ein Gespann mit zwei großen Holzrädern, auf welchem Maschkera-Weiber sitzen.

„Die Gurte zur Sicherung haben wir uns anfertigen lassen“, erzählt Christian Klotz (Basch). Vor Jahrzehnten wurden noch alte Feuerwehrgurte dafür genommen. Die Gefahr war allerdings zu groß, da sie zu schnell abwetzten, wie Alex Steinhübl erläutert. Er selbst lief ein Jahrzehnt beim Mühlradl mit. Passiert ist glücklicherweise nie etwas Schlimmes. Nur der eine oder andere blaue Fleck oder die eine oder andere Blessur musste in Kauf genommen werden. „Doch mit ein paar Bier wird das schon“, pflegten die Burschen schon seit jeher zu sagen.

Gestern am Unsinnigen haben zwei Neue Platz auf den Rädern genommen: Peter Frank löst Peter Plötze nach fünf Jahren ab, für Michael Hartelt sitzt ab sofort Georg Suitner fest im Rad. Michael Hornsteiner (Danzer) und Matthias Brandner besetzen das zweite Gespann.

Langsam rollt der Tross die Innsbrucker-Straße hinauf Richtung Obermarkt. Tausende Besucher haben sich dort bereits eingefunden, die Bauhof-Mitarbeiter der Gemeinde ziehen mit Seilen eine Schneise durch die Masse.

Viele andere Maschkera-Gruppen versammeln sich am Südende des historischen Ortskerns. Die Spannung steigt. Überall sind Fenster geöffnet, kleine Kinder bestaunen mit großen Augen das Spektakel, als um Schlag zwölf die Schellenrührer traditionell das wilde Treiben des Unsinnigen Donnerstags eröffnen. Gleich nach ihnen bringt sich das Mühlradl in Stellung. Nach einem Aufschrei des Fuhrmanns rennen die Burschen so schnell wie möglich die Straße hinab. Die bunten Netze tanzen vor den Gesichtern, respektvoll gehen die Zuschauer einige Schritte zurück, als die zwei Räder an ihnen vorbei schießen.

Aus einem alten Gebäude im Obermarkt wird im Anschluss nach den Pfannenziehern eine Tür geöffnet, aus der die größte aller Maschkera-Gruppen zum Vorschein kommt: die Jaggl-Gruppe. „44 Maschkera sind wir heuer“, sagt Stephan Pfeffer stolz. „Fast a bissl zu viel.“ Aber jeder einzelne Maschkera würde sich lohnen. Mit Goaßbock, Bären, Goaslschnelzer und Untersberger-Mandl sowie dem neuen Maschkera in Form eines Affen setzt sich ein kunterbunter Tross in Bewegung.

Nach dem Aufmarsch im Obermarkt beginnen die Mittenwalder Senioren im Pfarrsaal zünftig zu feiern. Anton Hornsteiner, Franz Reindl sowie Michael und Franz Fütterer spielen dort für die Ü70-Generation auf. Immer wieder kommen Maschkera herein, die durch den Saal tanzen und die ältere Generation erfreuen. „Es ist immer war ganz besonderes“, beschreibt Zitherspieler Hornsteiner.

Bilder: Faschingstreiben in Mittenwald

Das Mühlradl ist derweil in der Alpenrose angekommen, wo es sich mit den „Gröllratschern“ eine regelrechte Lärm-Schlacht mit ihren Schellen liefern. Die ersten Maskierten holen bereits die eine oder andere Dame zum Tanzen von den Tischen. Auch Bürgermeister Adolf Hornsteiner ist heuer wieder bei der Schellenrührer-Musi dabei und unterhält schneidig die maskierten und auch unmaskierten Gäste. Später am Abend werden die Larven schließlich abgenommen. 

Josef Hornsteiner

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