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Blitzlichtgewitter: Die zahlreichen Fotografen bringen sich in Stellung, als Tunnelpatin Anneliese Vonmetz (2.v.r.) den Knopf drückt und somit die letzte Sprengung, den Barbaraschuss, abgibt.

Zwischenfall mit Querschläger

Umfahrung: Ein letztes Mal bebt die Scharnitzer Erde

Scharnitz - Ein Knopfdruck, ein mächtiger Knall, die Erde zitterte: Am Dienstag erfolgte die letzte Sprengung, der sogenannte Barbaraschuss, in Scharnitz. Somit ist nun offiziell der Durchschlag für den fast 1000 Meter langen Umfahrungstunnel nach nur vier Monaten Bauzeit geglückt. 

Wenn Isabella Blaha künftig für die Heilige Barbara eine Kerze anzündet, dann macht die Scharnitzer Bürgermeisterin das jetzt mit einem Gebet mehr als sonst. „Wir sind so glücklich, dass bei den Arbeiten rund um den Tunnelbau niemand zu Schaden gekommen ist“, betonte sie am Dienstagmittag vor dem Nordportal des durchbrochenen Umfahrungstunnels. Denn nicht nur sie weiß, dass es ganz anders hätte laufen können. „Ausgerechnet bei den letzten Sprengungen löste sich ein Querschläger“, beschrieb Günter Guglberger vom Brücken- und Tunnelbau des Landes Tirol noch einmal, was sich vor wenigen Tagen ereignet hatte. Der verirrte Stein flog wie ein Geschoss durch die Luft und durchschlug im 90-Grad-Winkel zum Tunnel im Haus eines Anliegers die Terrassentür. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn da jemand gestanden hätte“, sagte Blaha. So sei glücklicherweise nur Glas zu Bruch gegangen.

Umso dankbarer ist die Rathauschefin deshalb der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute. Die irdische Vertreterin der Heiligen während der Bauphase war Anneliese Vonmetz, Witwe des verstorbenen Vize-Bürgermeisters Bernhard Vonmetz. Sie übernahm die Patenschaft für den Porta-Claudia-Tunnel, der bis zur offiziellen Eröffnung Ende 2018 ihren Namen tragen wird. „Sie ist ihren Aufgaben und Pflichten als solche vorbildlich nachgekommen“, würdigte Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler ihren Einsatz. Fast jeden Tag besuchte Vonmetz die Baustelle und gab Acht „auf ihre Burschen“, wie sie die Arbeiter liebevoll bezeichnet. „Ich machte ihnen Brotzeit, brachte hin und wieder ein Schnapserl und lud sie auch einmal zu uns zum Essen ein.“ Umso stolzer war sie, als sie nun am Dienstag den Barbaraschuss abgeben durfte. Gemeinsam mit der Bauaufsicht drückte sie den Knopf für die Sprengung. Mit einem Lächeln, auch wenn sie erschrocken zusammenzuckte, als die Scharnitzer Erde zu beben begann.

Mit diesem Akt ist der Tunnel offiziell fertiggestellt, in Rekordzeit gruben sich die Bergleute und Mineure durch den Wettersteinkalk. In 24 Stunden-Schichten, sieben Tage pro Woche, gelang in nur vier Monaten der Durchbruch. 65 000 Kubikmeter Gestein wurden aus dem Berg gebrochen, 30 000 Kubikmeter Spritzbeton für Sicherungsarbeiten verwendet und 14 000 Kubikmeter Beton für die Tunnelschale verarbeitet. Der fast 1000 Meter lange Tunnel ist momentan der größte Straßenbau in Tirol. Die Baukosten belaufen sich auf rund 34 Millionen Euro.

Fast schon majestätisch präsentiert sich die Röhre nun. Bedächtig schritten rund 150 geladene Gäste am Dienstag hindurch. In einem der 153 Meter langen Fluchtstollen wurde aufgetischt. Mit Speckknödl-Suppe, Topfenstrudl, einer Halben Bier und einem Schnapserl aus der Schaufel eines Baggers wurde der geglückte Durchbruch gebührend gefeiert.

Ab jetzt beginnen die Bauarbeiten für die rund 100 Meter lange Isarbrücke im Norden Richtung Mittenwald. Die Verkehrsfreigabe der neuen Umfahrung ist für Ende 2018 geplant. „Dann haben wir auch künftig eine bessere Verbindung zu den Bayern“, machte Josef Geisler mit Blick auf die Nordische Ski-Weltmeisterschaft 2019 in Seefeld deutlich.

Josef Hornsteiner

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