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Spannend: Taucher Peter Boxleitner beim Erkunden des Baggersees.

Tauchgang im Baggersee

Auf der Suche nach Edelkrebsen

Mittenwald - Die Wasserwacht sollte in einem Mittenwalder Baggersee Edelkrebse aufspüren. Doch keine Spur von den Schalentieren.

Gibt es Flusskrebse in dem Baggersee im Mittenwalder Gewerbegebiet? Dieser Frage gingen kürzlich einige Taucher der Wasserwacht wortwörtlich auf den Grund – allerdings ohne Erfolg.

Erstaunte Blicke gab es vor dem Norma-Supermarkt. Mitten auf dem Gelände liefen plötzlich vier Taucher in voller Montur über die Straße. „Wo wollen die denn hin?“, fragte sich eine überraschte Beobachterin. Das Ziel der vier Männer war der sogenannte Fischweiher im Norden der Gemeinde. Auf dessen Grund hofften sie eine ganz besondere Entdeckung zu machen.

Denn in dem Gewässer vermutete der Fischereiverein Edelkrebse. 2001 hatte nämlich der damalige Fischereiverbandschef über 600 Stück dieser seltenen Schalentiere in den Baggersee eingesetzt. „Sie kamen vom Eibsee“, erinnert sich der damalige Vorsitzende Bernd Juen. Er war bei der jüngsten Suchaktion ebenfalls persönlich vor Ort. „Der Edelkrebs ist eine einheimische Art“, erklärt er. Die Lebenserwartung beträgt 12 bis 15 Jahre – „in seltenen Fällen sogar 20 Jahre“. Also wäre es noch gut möglich, dass sich Krebse der ersten Generation in dem kleinen Weiher befinden. Deshalb hatten er und der amtierende Fischerei-Vorsitzende Christian Wocher mit der Wasserwacht Kontakt aufgenommen. Sie sollten hinab tauchen und den Bestand überprüfen.

Juen und Wocher gaben den Tauchern noch letzte Beschreibungen mit auf den Weg. „Die Färbung der Tiere ist braun bis grau-grün, die Scherenunterseite rot bis rot-orange.“ Seltene Exemplare „haben sogar eine blaue Färbung“, ergänzte Gewässerwart Franz Okelmann. Der Lebensraum sind stehende und fließende Gewässer, die im Sommer Wassertemperaturen zwischen 14 und 21 Grad erreichen. „Die Paarung ist von Oktober bis November, das Weibchen bekommt dabei zwischen 50 bis 350 Eier.“ Genug also, um noch massenhaft hier zu sein. Auch die Temperaturen passen.

„Ich bin auf die Sichtweite gespannt dort unten“, meinte Wasserwacht-Vorsitzender Robert Müller voll Vorfreude. Denn der Baggersee misst immerhin an der tiefsten Stelle sieben Meter. Die Taucher Robert Müller, Peter Boxleitner, Florian Baier und Josef Hornsteiner waren überrascht: Der Blick war glasklar. Die Taucher konnten durch den kompletten See blicken. „Von der Oberfläche sah alles zuerst recht grün aus“, berichtete Müller. Doch nun konnten sie in Ruhe die Betonrohre untersuchen, die Juen und seine Fischerei-Kameraden vor 15 Jahren versenkt hatten, um den Krebsen einen Unterschlupf zu ermöglichen. Allerdings sind die Temperaturen eisig. Sechs Grad hat der Weiher nur. Plötzlich erblickten sie einen großen, schwarzen Fleck in drei Meter Tiefe. Bedächtig schwammen sie dem unbekannten Objekt entgegen – und siehe da: Eine sehr große blaue Bachforelle hatte es sich in dem Weiher gemütlich gemacht. Und zahlreiche kleine Forellen tummelten sich in dem Weiher.

Der 20-minütige Tauchgang hatte es in sich. Doch weit und breit keine Spur von den bis zu 20 Zentimeter großen Edelkrebsen. Juen hat allerdings eine Theorie: „Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit über die Jahre hinweg durch die Abflussrohre in den Lainbach abgewandert sein.“ Die Wasserqualität soll dort tip-top für die Schalentiere sein.

Josef Hornsteiner

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