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Es geht bergauf: (vorne v. l.) Heiko Nöll, Adolf Hornsteiner, (2. Reihe v. l.) Horst Hofmann, Andreas Funk, (3. Reihe v. l.), Bernhard Quehenberger, Benedikt Hoch und Evi von Lossow erklimmen den Umlenkdamm – vorbei an der 25 Meter hohen Mauer.  

Lawinen-Verbauung an der Rainlähne 

Die Mittenwalder Mauer

Mittenwald –  Das Bauwerk – gewaltig: Der Umlenkdamm in der Rainlähne wächst in die Höhe. Und mit jedem Meter mehr sieht man die Dimension dieses Lawinenwalls. Noch 39 Lagen fehlen, bis zur Fertigstellung, die für Ende Juli erwartet wird – ein Jahr früher als geplant.

Chinesische Mauer, Hooverdamm – wer dieser Tage auf der Mittenwalder Großbaustelle am Fuße des Karwendel entlang des Umlenkwalls die Dammkrone erklimmt, mag solche Assoziationen haben. Inzwischen ist die senkrechte Front an der Bundesstraße 2 auf knapp 25 Meter angewachsen. Noch 39 Lagen á 60 Zentimeter (23,4 Meter) sind nötig, dann ist das Einfallstor der Rainlähne erreicht. Erst vor wenigen Wochen ging in dieser berühmt-berüchtigten Rinne unterhalb der Gerberplatte eine Lawine runter. Künftig können Schneemassen dort oder im benachbarten Schwarzenfeld keinen Schaden mehr anrichten – sie prallen gegen die riesige Mauer und laufen talabwärts ins Leere. So zumindest soll der Ernstfall aussehen, wenn das 3,5-Millionen-Euro-Projekt fertiggestellt ist.

Und das wird früher geschehen als ursprünglich geplant: Statt zwei Jahren Bauzeit schaffen es die elf Arbeiter der beauftragten oberösterreichischen Firma Habau wahrscheinlich Ende Juli in der Hälfte der Zeit. Davon konnte man beim Start des Jahrhundertvorhabens im August 2016 nicht ausgehen. „Bemerkenswert“, findet der Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) bei seinem Besuch. „Da sieht man, dass hervorragend zusammengearbeitet wird.“

Voll des Lobes ist auch Horst Hofmann (Wasserwirtschaftsamt Weilheim), dem namens des Freistaats Bayern die oberste Bauleitung obliegt. „Logistisch ist das schon eine Meisterleistung der Firma Habau.“ Das Wichtigste für den WWA-Experten: „Gott sei Dank ist bis heute nichts passiert.“

Was angesichts der Dimension dieses Bauwerks keine Selbstverständlichkeit ist. Denn die Arbeiter, die auf dem Plateau des stattlich angewachsenen Schutzwalls mit schwerem Gerät den Boden komprimieren, bewegen sich buchstäblich nahe am Abgrund. Wer oben an dem Absperrzaun steht, blickt knapp 25 Meter in die Tiefe. Da sind Konzentration und Können bei der Belegschaft aus Perg gefragt. 170 000 Kubikmeter werden verbaut. „Die Rainlähne liefert Super-Material“, teilt Hofmann mit – nur leider eben zu wenig. Knapp 40 000 Kubikmeter fehlen, damit der obere Schutzwall (312 Meter lang) vollendet werden kann. Den restlichen Baustoff holen sich Bauleiter Bernhard Quehenberger, Polier mit Baylan und ihr Team vor Ort – die Bagger fressen sich einfach tiefer in den Boden.

Dass alles unter dem gebotenen Maß an Sicherheit abläuft, dafür sorgen Benedikt Hoch und Heiko Nöll von der CDM Smith Consult GmbH. In Sachen Bauaufsicht macht den beiden keiner was vor.

Und dann gibt es noch Landschaftsarchitektin Evi von Lossow. Ihr Marzlinger Büro Narr, Rist & Türk kümmert sich um die Umwelt-Baubegleitung. Immerhin entsteht die Mittenwalder Mauer am Rande des Naturschutzgebiets, wo seltene Pflanzen und Tiere heimisch sind oder sein sollen. „Einen Frauenschuh, eine Zauneidechse oder einen Alpensalamander haben wir noch nicht gefunden“, meint Horst Hofmann. Allen Interessen zu genügen, sei „nicht immer einfach“. Trotzdem stellen er und von Lossow übereinstimmend fest: „Bisher ist alles positiv verlaufen.“

Was nicht zuletzt daran liegt, dass einige der 28 Umweltauflagen entschärft werden konnten. „Sonst hätten wir ein Baufenster von nur sechs Wochen gehabt“, schildert Hofmann die Ausgangslage. Diese war zunächst unter anderem von restriktiven Lärmvorschriften gekennzeichnet. Was den WWA-Experten insofern ein wenig verwunderte, weil unmittelbar an den beiden Dämmen – der bereits fertiggestellte, kleine unterhalb ist 135 Meter lang und 13,4 Meter hoch – die stark befahrene B 2 vorbeiführt.

Nun also kämpfen sich die Männer aus Perg Meter um Meter nach oben. Pro Tag schaffen sie eine Lage. Im Oktober sollen dann noch im Anrissgebiet auf etwa 2000 Metern Höhe die drei Sprengmasten, die einen gezielten Lawinenabgang auslösen können, installiert werden. Die Fachleute gehen davon aus, dass sich spätestens in zwei Jahren die braune Mauer in eine grüne Wand verwandelt hat. Aus dem steilen Wall wuchern bereits die Setzlinge.

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