Sicherheits-Training: Im Januar zeigte die Bergwacht-Bereitschaft Mittenwald auf dem Kranzberg vor großem Publikum, dass im Ernstfall auf sie Verlass ist. Foto: tomaschek

Mittenwalds Bergwachtchef kritisiert Alpenverein

Mittenwald - Dem Faktor Leichtsinn und einer gewissen Vollkasko-Mentalität sind viele lebensgefährliche Einsätze im Gebirge geschuldet, findet Mittenwalds Bergwachtchef.

116 Einsätze, davon 51 mit dem Hubschrauber, bewältigte die Mittenwalder Bergwacht in den vergangenen zwölf Monaten. 44 Frauen, 64 Männer und 26 Kinder konnte die 71-köpfige Bereitschaft aus zum Teil lebensbedrohlichen Situationen befreien. Einen Todesfall gibt es dabei beklagen. 2009/2010 waren es noch sieben Bergsteiger, die ihre Leidenschaft mit dem Leben bezahlen mussten.

Doch trotz dieses erfreulichen Rückgangs schlägt Mittenwalds Bergwachtchef Heinz Pfeffer am Ende eines verhältnismäßig stressarmen Winters kritische Töne an. Der 43-Jährige sieht als den Anlass vieler Rettungsaktionen „vor allem die Unsitte, dass immer mehr Bergsteiger ihre Touren auf die leichte Schulter nehmen“. 90 Prozent von ihnen seien als Mitglieder des Deutschen Alpenvereins (DAV) versichert und machen sich schon deshalb wenig Gedanken um ihre Rettung und schon gar nicht darüber, dass sich dabei nicht nur sie selbst, sondern auch die Bergwachtmänner einer mitunter tödlichen Gefahr aussetzen. „Der DAV müsste hier einmal überlegen, ob er bei fahrlässigem Verschulden seiner Mitglieder wie bisher ohne weiteres alle Kosten übernimmt“, regt Pfeffer an.

„Starker Tobak“, findet Wolfgang Wagner vom DAV in München. Der Geschäftsbereichsleiter Bergsport, der viele Jahre in Mittenwald lebte, weist Pfeffers Kritik entschieden zurück. In den vergangenen Jahren seien Unfälle von Alpenvereins-Angehörige seit Jahren rückläufig, bedient sich Wagner einschlägiger Statistiken. „Das ist der klare Beweis, dass das Risikobewusstein und der Ausbildungsstand unserer Mitglieder höher geworden ist.“ Es gebe also überhaupt keinen Anlass, an dem bisherigen Zahlungsmodus etwas zu ändern.

Das bedeutet: Jedes AV-Mitglied wird auch künftig mit seinem Jahresbeitrag (zwischen 55 und 90 Euro) über den sogenannten Alpinen Sicherheitsservice (ASS) versichert sein. Dieser deckt etwa Bergungs- und Suchkosten bis zu 25 000 Euro ab. Grundsätzlich findet Wagner: „Niemand wird ein erhöhtes Risiko eingehen, nur weil er eine Versicherung hat.“

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